Marco d’Aviano-Feiern 1933–1935

Text: Silvia Dallinger

„Nach langen Jahren des Vergessens“ (Pernter, Präludiumfeier, Kahlenberg, 02.06.1935: Wiener Zeitung 03.06.1935: 3 ) in der Zeit der Aufklärung und des Liberalismus kam es 1933 zu einer förmlichen Wiederentdeckung des Kapuzinerpaters Marco d’Aviano (1631–1699) im autoritären Ständestaat. Schon am Allgemeinem Deutschen Katholikentag des Jahres 1933 wurde er als einer der ‚Helden’ von 1683 gefeiert. Seine Person rückte ab 1934, nach der Ermordung des Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß am 25. Juli, in den Mittelpunkt der Propaganda. Es kam zur Inszenierung eines regelrechten Aviano-Dollfuß-Kults. Mit der Erinnerung an Marco d’Aviano und dem Versuch, eine Verbindung zwischen seinen Taten und der Gegenwart bzw. Zukunft Österreichs herzustellen, sollte im autoritären Ständestaat Bewusstsein für ein christliches und deutsches Österreich geschaffen werden. Marco d’Aviano wurde so zur Symbolfigur der Verbundenheit dieses Landes mit der katholischen Kirche sowie der erfolgreichen Abwehr drohender gottloser Mächte wie Kommunismus oder Nationalsozialismus.

» Marco d‘Aviano und die Entsatzschlacht 1683

In zahlreichen Gedenkschriften und Reden anlässlich des 250-jährigen Jubiläums des Entsatzes Wiens von den Türken 1683 wurde Marco d’Aviano als „Seele der Befreiung“ (Hübner-Marton 1935: 13) bezeichnet und sein Beitrag am Sieg gegen die Osmanen besonders hervorgehoben.

Die neuere Geschichtsforschung hat unumstößlich dargetan, daß dieser einfache Kapuzinerpater es gewesen, der den größten Anteil an dem gewaltigen Siege der Christenheere über die Türken am 12. September im Jahre 1683 gehabt hat. Durch die damalige Rettung Wiens war auch der Bestand der christlichen Kultur für das gesamte Abendland gesichert. (Pater Albin Fetzel, Provinzial des Kapuzinerordens, in: Markus von Aviano Denkmal-Komitee 1934: 21)

Marco d’Aviano sei „der glorreichste Held des Jahres 1683 und damit einer der größten Helden der christlichen Geschichte überhaupt“ (Triebl, in: Festgabe der Wiener Zeitung 1933: 18).

Seinem Einfluß auf Kaiser Leopold, König Sobieski und Herzog Karl von Lothringen und die anderen deutschen Heerführer ist es zu danken, daß die Prestigefrage des Oberbefehls, den der polnische König für sich in Anspruch nahm, den Entsatz nicht zum Scheitern brachte. Er war es ferner, der immer wieder zur Eile antrieb, um in höchster Not Wiens noch zurecht zu kommen. Er war es, der Führer und Soldaten beim Anmarsch mit Mut und felsenfestem Vertrauen erfüllte, den sicheren Sieg als Gottesgeschenk und Gottes Willen vor Augen stellend. Er war es, der – wie die einen bezeugen – betend wie Moses am Berge während der Schlacht mit Gott um den Sieg rang oder – wie die anderen berichten – an gefährdeten Punkten des Kampfgetümmels mit hocherhobenem Kreuz in der Hand, sichtbar den Soldaten des Entsatzheeres beistand und den Türken übernatürlichen Schrecken einjagte.

Er, der schlichte Kapuziner, war es schließlich, der nach dem Entsatz der Stadt als einer der Ersten die nachdrückliche Verfolgung des Feindes verlangte. […] Immer ist es Marco d’Aviano, der den Kaiser und die Heerführer aufs neue anspornt, sie berät und ermutigt […]. (Zessner-Spitzenberg 1933: 11f.)

» Kämpfer und Gottesmann

Marco d‘Aviano wurden zwei maßgebliche Rollen zugedacht: Er wurde als ‚Gottesmann‘ und zugleich als Kämpfer und Führer erinnert.

Wir müssen uns den kampferprobten Sohn des heiligen Franziskus nicht wie das in seliger Verzückung in die Wonnen der Gottesliebe und Gottesallgegenwart untertauchende Sonnenkind von Assisi vorstellen, sondern als einen trotz seinem romanischen Namen doch kerndeutschen Michael, der mit dem flammenden Schwerte seiner Rede die Kriegsscharen zum Kampfe kraftvoll begeistert. (Ludwig 1935: 17)

Der Erzengel Michael wird als Patron der Soldaten und Krieger verehrt und gilt als ‚Bezwinger Satans’ und Symbol der ‚wehrhaften Kirche’. D’Aviano habe als „Werkzeug Gottes“ über übernatürliche Kräfte verfügt:

Wo immer unter Katholiken die Erinnerung an 1683, die Befreiung Wiens von den Türken, gefeiert wird, dort sollte das Andenken Marco d’Avianos, dieses wahren Gottesboten, des rettenden Siegers, in den Mittelpunkt des Gedächtnisses gestellt werden. Denn, wer die Wirkung übernatürlicher Kräfte in der Geschichte zu verfolgen strebt, muß bei den Ereignissen von 1683 erkennen, daß der schlichte Kapuzinermönch das Werkzeug Gottes war, durch welches die Bedingungen des Sieges im hohen Maße gesichert wurden. (Zessner-Spitzenberg 1933: 11)

Vereinzelt wurden seine prophetischen Fähigkeiten hervorgehoben:

Am 12. September, dem Fest der göttlichen Vorsehung, morgens zelebriert er die berühmte hl. Messe am Kahlenberg, der die Heerführer, Christus empfangend, beiwohnen. Er verkündet dort: ‚Morgen wird man Wien wieder haben’… und: ‚Wenn ich aufrichtig kundgeben will, wie es mir der Herr eingibt und ich es im Herzen fühle, so sage ich unbedingt: der Türke wird geschlagen und läßt all sein Gepäck in unseren Händen.’ (Zessner-Spitzenberg 1933: 19f.)

Der 12. September 1683, damals der 14. Sonntag nach Pfingsten, sei nicht zufällig auf das kirchliche ‚Fest der göttlichen Vorsehung‘ gefallen.

Darüber hinaus wurde bei den Feierlichkeiten der 1930er-Jahre der völkerverbindende, übernationale Charakter von d‘Avianos Taten betont. Er habe nicht nur Österreich vom „Türkenjoch“ befreit, sondern ebenso Ungarn und Polen, – das gesamte „christliche Abendland“ – gerettet:

So trägt Marco d’Aviano nicht nur hervorragenden Anteil an der Rettung Wiens aus höchster Not – man kann sagen – noch im letzten Augenblick; er hat auch ein hervorragendes Verdienst um die Befreiung Ungarns vom Türkenjoch. Er ist also würdig, nicht nur als Wiens und des hl. römischen Reiches Patron in Türkennot, sondern auch als ungarischer Nationalheld geehrt und verehrt zu sein. Enge verknüpft ist er naturgemäß mit dem polnischen Volke durch die geistige und Tatverbundenheit mit König Sobieski und den tapferen polnischen Scharen im Entsatzheer. […] Marco d’Avianos Retterwerk und Helfertum hat also völkerverbindenden, übernationalen Charakter. […] Dieses übernationale, völkerverbindende Element verknüpft Marco d’Aviano dann auch ganz besonders mit Österreich, mit Altösterreichs gleichartiger Staatsidee und Kulturmission, wie es ihn bei Lebzeiten schon in fast beispiellos tiefer Seelenfreundschaft mit dem Hause Österreich verband. […] Und es ist ein schwerer Undank, daß sich Wien und Österreich bisher nicht eifriger um das Andenken dieses Gottesboten bekümmert haben – ihn sogar jahrzehntelang ganz vergessen konnten. […] Die Rettung Wiens war die Rettung des christlichen Abendlandes. Wie in der Vollbringung, so auch in der Wirkung keine Tat bloß einer Nation, sondern eine christlich-abendländische Tat, an der Deutsche, Slawen und Romanen gleichwertigen Anteil haben. (Zessner-Spitzenberg 1933: 12f.)

Und obwohl d’Aviano entscheidenden Anteil am Sieg gegen die Türken gehabt hätte, wie in den Ansprachen immer wieder betont wurde, wäre er dennoch bescheiden und demütig geblieben:

Wien war aus höchster Not gerettet! Am nächsten Tage hielt König Johann Sobieski als Oberbefehlshaber seinen Siegeseinzug in die Stadt und einen Tag später konnte Kaiser Leopold wieder unter seinen Wienern sein und mit ihnen ein ‚Te Deum’ anstimmen.

In aller Stille und Demut aber – ungeachtet seiner Würde als päpstlicher Delegat – war in das Wiener Kapuzinerkloster jener eingekehrt, der vor Gott vielleicht den größten, jedenfalls den übernatürlichen Anteil an der vom geeinten Abendlande vollbrachten Tat hatte: Marco d’Aviano! In aller Stille war er in die Stadt gekommen, wie er später in dieses Klosters Gruft, still und der geschichtlichen Erinnerung durch mehr als hundert Jahre völlig entschwunden, ruhen sollte, bis sich eine dankbarere Zeit als es die Aufklärung und des Liberalismus gewesen war, seiner und seiner Verdienste um den Entsatz Wiens wieder erinnerte. (Zessner-Spitzenberg 1933: 20f.)

» D’Avianos angebliche Bedeutung für die Gegenwart und Zukunft Österreichs

Die bis zur 250-Jahrfeier mangelnde Würdigung Marco d’Avianos wurde angesichts seiner ‚bedeutenden Rolle‘ für 1683 besonders vehement kritisiert. Um die ‚Dankesschuld‘ gegenüber d’Aviano abzutragen, müsse für ihn ein monumentales und ein spirituelles Erinnerungszeichen in Form seiner Seligsprechung gesetzt werden. So wurde der Seligsprechungsprozess, der 1891 eingeleitet worden war, weiter vorangetrieben. Im Juni 1935 kam es schließlich am Höhepunkt seiner Ehrung zur Enthüllung des Marco d’Aviano-Denkmals vor der Kapuzinerkirche am Neuen Markt in Wien.

Die damalige Öffentlichkeit im Zeitalter des Liberalismus brachte wohl nicht den Mut auf, den Verdiensten des ‚Kapuziners‘ gerecht zu werden, obwohl sie über seine Verdienste nicht unorientiert war. […] Es kam das Jahr 1933, die 250-Jahrfeier der Befreiung. Sie brachte den großen Katholikentag und mit ihm den Anfang einer geistigen Wende in Österreich. Österreich besann sich wieder, daß es christlich, daß es katholisch war und es besann sich auch auf seine Dankbarkeitspflicht gegen Markus von Aviano. (Hefter, in: Hübner-Marton 1935: 30)

Die traurige Zeit, da bei uns in Österreich vaterländische Geschichte schlecht notierte und Verdienste um das Vaterland fast übelgenommen wurden, ist hoffentlich endgiltig vorbei. Wir Österreicher haben uns selbst wiedergefunden und gedenken mit heiligem Stolz auch jener Persönlichkeiten, die unserem lieben Vaterlande in schwerer Stunde beigestanden haben. (Schuschnigg, in: Markus von Aviano Denkmal-Komitee 1934: 13)

In der Kapuzinerkirche zu Wien, nächst der Kaisergruft der Habsburger, ruht dieser ehrwürdige Diener Gottes, für den auch wir die Ehre der Altäre [seine Seligsprechung] erflehen möchten: zum Heile der Seelen in jener Stadt, der er in höchster Not Hilfe brachte und in der er ruht; zur Wiedererweckung der katholischen völkerverbindenden Kulturmission jenes Österreich, dessen Herrscherhaus er in der irdischen Machtordnung seiner Zeit das ‚Fundament der Christenheit’ genannt hatte; und zur Wiederbelebung jenes christlich-abendländischen Gemeinschaftsgeistes, dem sein öffentliches Wirken galt. Wir wollen es zugleich in jenem Geiste der Reue und der inneren Einkehr und Umkehr tun, den er in den Massen zu erwecken verstand, um dann durch die Gnaden dieses Geistes Wunder und Bekehrungen zu wirken. (Zessner-Spitzenberg, in: Grauer et al. 1933: 8)

Gerade aufgrund seiner Vorbildwirkung für die Jugend sollte Marco d’Aviano fixer, ja sogar „verpflichtender“ Bestandteil der Erziehung sein, wie aus folgendem Zitat hervorgeht:

Im Zusammenhang mit der Errichtung dieses Heldendenkmals im wahrsten Sinne des Wortes muß es als eine überaus wichtige Aufgabe, ja Pflicht der vaterländischen Erziehung unseres Volkes und unserer Jugend sein, Leben und Werk Markus’ von Aviano in aller Deutlichkeit und als ein wirksames Beispiel vor Augen zu stellen und auf die innige Verbundenheit der Sendung Markus’ mit dem Schicksal Österreichs, ja ganz Europas hinzuweisen. (Ludwig 1935: 16)

» Marco d’Avianos ‚abendländische Mission‘

In zahlreichen Reden und Schriften wurde auf die ‚abendländische Mission‘ Österreichs hingewiesen: Österreich habe 1683 das Schicksal Europas gestaltet und dadurch bewiesen, dass es eine nationale, kulturelle und religiöse Sendung in Mitteleuropa habe. Auch wenn mittlerweile das Kaiserreich von damals auf einen kleinen Staat zusammengeschrumpft sei, wäre Österreich auch damals dazu berufen gewesen, diesen kulturellen Auftrag zu erfüllen. Es müsse daher in Unabhängigkeit weiterbestehen und habe gleichsam mit Marco d’ Aviano eine abendländische Mission zu erfüllen:

In gleicher Weise muß er [d’Aviano] uns als ein Architypos eines Organisators der christlich-abendländischen Abwehr gegen alle zerstörenden und kulturvernichtenden Elemente erscheinen. Es weht um seine Persönlichkeit etwas wie Mystik der abendländischen Mission, die im Laufe der Jahrhunderte sich auf mannigfaltige Weise und verschiedenen Wegen auswirkend, durchaus nicht auf Vergangenheit und Gegenwart, sondern bis in die fernste Zukunft sich erstreckt. In diesem Sinne wuchsen aus der religiösen Tiefe dieses schlichten Kapuziners geheimnisvolle Kräfte empor, die das scheinbar Unmögliche möglich machten. Kräfte – zu unserem eigenen Troste sei es gesagt –, die sich auch heute noch ebenso stark wie damals betätigen können und werden, wenn wir nur selbst auch ernstlich wollen. (Ludwig 1935: 119)

Pater Markus, der Glaubensheros, in wildbewegten Zeiten priesterlicher Führer, ist uns in seinem Denkmale vor Augen gestellt und soll nun auch uns, die wir in einem neuen Österreich leben, wie damals die Entsatzheere, immerdar aufmuntern zum Kampfe für Gott und unsere teure Heimat. (Hübner-Marton 1935: 13)

Markus von Aviano war der Schutzgeist des alten Österreich in schwerster Zeit. Möge er auch dem neuen Österreich Schutzgeist sein für seine volle innere Einigung und völlige Befriedung zur Erfüllung seiner Sendung. (Hübner-Marton 1935: 30)

Wir alle gehen auch heute wieder mit dem Glauben von hier weg, einen höheren Auftrag zu erfüllen. Wie die Kreuzfahrer von dem gleichen Glauben durchdrungen waren, so wie hier vor Wien ein Marco d’Aviano gepredigt hat ‚Gott will es’ – so sehen auch wir mit starkem Vertrauen in die Zukunft, in der Überzeugung: Gott will es! (Dollfuß, Trabrennplatzrede, Prater, 11.09.1933 , zit. nach: Reichspost 12.09.1933: 3)

Darum in brennender Leidenschaft katholischen Bekennens; und mit dem Fanatismus der unter der Parole ‚Gott will es!‘ in der Babenbergerzeit zu den Kreuzzügen rief, mit dem Abraham a Santa Clara zu Wien die Geister wachgerüttelt hat, der Marco d’Aviano dem Entsatzheer das Kreuzpanier vorantragen ließ, mit diesem lodernden, gläubigen Fanatismus darum auch heute – Österreich! (Schuschnigg, Rede „Die Sendung des deutschen Volkes im Abendlande“, 1. Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Katholikentages, 09.09.1933, Stadion , zit. nach: Allgemeiner Deutscher Katholikentag 1934: 63)

So wie Innozenz XI. seinen Legaten Marco d’Aviano nach Wien gesandt habe, „auf daß er die Fürsten und die christlichen Völker zur Einheit und Eintracht zurückrufe, so senden Wir angesichts der neuen Gefahr für die katholische Religion, da viele Seelen abirren vom Glauben der Väter und die christliche Sitte in Gefahr ist, ebenso dich [La Fontaine, Kardinal-Legat, Patriarch von Venedig] in unserem Namen, damit nicht nur das Andenken jener alten Ruhmestaten würdiger auflebe, sondern alle [...] aus der Erinnerung an jene Feierlichkeiten die Hoffnung auf einen neuen, noch schöneren Sieg schöpfen“ (Päpstliche Breve vom 30.08.1933, in: Allgemeiner Deutscher Katholikentag 1934: 32).

» Die Feierlichkeiten im Detail

In den Jahren 1933 bis 1935 gab es zahlreiche Veranstaltungen, die den bis dahin eher in Vergessenheit geratenen Kapuzinerpater Marco d’Aviano in den Mittelpunkt rücken.

1933

  • 7. September: Festversammlung der Gebetsliga zu Ehren Marco d’Avianos
    Abendliche Sonderveranstaltung im Bäckersaal, Florianigasse 13, 8. Bezirk
    Festredner: Prälat Dr. Johann Triebl
  • 11. September: ‚Einkehr- und Bußtag‘: Prozession zur Grabstätte von Marco d’Aviano, Kapuzinerkirche

Es handelte sich dabei um Bußandachten in allen Kirchen Wiens für eine baldige Seligsprechung des Bußpredigers d’Aviano, die bis 1935 vermutlich einmal im Monat gefeiert wurden. Eine große Bußandacht wurde auch am 11. September 1934 abgehalten.

Sie wird eigens ‚Bußandacht‘ genannt, weil der Diener Gottes selbst stets betonte, es sei die geeignetste Art, ja geradezu erforderlich, um Gnaden und Hilfe in seinen Anliegen von Gott zu erlangen, seine Bittgebete in wahrer Bußgesinnung zu verrichten. […] Es wäre wohl gut, diese Andacht ‚um baldige Heiligsprechung‘ dieses so großen Dieners Gottes oft und mit völliger Hingabe auch privat zu pflegen, denn immer kummervoller gestalten sich die Tage der gegenwärtigen Bedrängnisse. Wir brauchen Hilfe, wir sehnen uns nach Rettung, stürmisch verlangen wir nach Erlösung aus diesen Drangsalen. (Hübner-Marton 1935: 26f.)

Ablauf:

  • 7 Uhr früh: Heilige Messe am Grab d’Avianos in der Kapuzinerkirche, zelebriert von Kardinal-Legat La Fontaine;
  • Gottesdienst im Stephansdom: Predigt von Dr. Sigismund Waitz, Erzbischof von Salzburg, in der er das Beispiel d’Avianos vor Augen führte:

Wir wollen heute zu seiner Ruhestätte im Kapuzinerkloster in einer Bittprozession ziehen, um für die Seligsprechung des geistlichen Helden von 1683 zu beten und zu bitten. Marco d’Aviano verstand, welche Bedeutung Wien für die ganze christliche Welt hatte. Das Haus Habsburg nannte er das Fundament der Christenheit. Er wollte damit sagen, daß Wien nach Rom, dem Zentrum des katholischen Weltkreises, die wichtigste Stadt der christlichen Welt ist. […] Wien ist Stützpunkt des katholischen Lebens, Bollwerk des christlichen Glaubens, Mittelpunkt der christlichen Zivilisation nach Osten und Süden, auch nach Norden und Westen. Und so ist Wien bedeutungsvoll auch in der Geschichte der Jetztzeit. […] Möge Wien den Willen Gottes erfüllen, Marco d’Aviano, zu dem wir jetzt ziehen, sei unser Führer! (Allgemeiner deutscher Katholikentag 1934: 81)

  • Prozession in die Kapuzinerkirche unter der Führung von Weihbischof Dr. Franz Kamprath
  • Gebetsandacht für die Seligsprechung von d’Aviano
  • Gedächtnismesse
  • Der Generaldefinitor des Kapuzinerordens P. Sigisbert Werner forderte während der Gedächtnismesse für d’Aviano dazu auf,

nicht nur heute, sondern immerdar des getreuen Diener Gottes d’Aviano zu gedenken und im Gebet um die Gnade zu flehen, daß bald von allen Altären das Bild dieses großen Ordensmannes als Schutzpatron Österreichs und darüber hinaus des ganzen katholischen Abendlandes leuchte. (Werner, Einkehr- und Bußtag, Kapuzinerkirche, 11.09.1933 , zit. nach: Reichspost 12.09.1933: 13)

13. September: Gedenkfeier zu Ehren Marco d’Avianos

  • Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Vereine im Rahmen der Gebetsliga
  • Begrüßung der Anwesenden durch den Vorsitzenden, P. Augustin Komareck
  • Festvortrag von Prälat Dr. Johann Triebl, in dem hauptsächlich das Freundschaftsverhältnis zwischen d’Aviano und dem Kaiserpaar (Leopold I. und Eleonore von Pfalz-Neuburg) im Vordergrund stand:

Der Sieg vor den Mauern Wiens im Jahre 1683, der folgende große Krieg gegen die Türken, die Eroberung Budas, der Friede von Karlowitz sind die ragenden Meilensteine dieses Zusammenwirkens der beiden Freunde. (Reichspost 13.09.1933: 5)

  • Teilnehmende: u.a. der Stellvertreter des Ordensgenerales der Kapuziner P. Generaldefinitor Dr. Sigisbert ab Antermatt, P. Provinzial Albin Fetzel, Johannes Prinz Liechtenstein, Graf van der Straaten, Gräfin Wallis, die Vertreter der Studentenverbindungen ‚Maximilia’ und ‚Starhemberg’ und das Wiener Donau-Rettungkorps

1934

1935

  • Präludiumfeier (= Vorfeier zur Denkmalsenthüllung), Kahlenberg, 2. Juni 1935
  • „Rundgang durch die Innere Stadt mit Besichtigung der Kapuzinergruft, der Schatzkammern in der Hofburg und der Stephanskirche“, 3. Juni 1935, 9 Uhr
  • „Rundgang durch die Stadt mit Besichtigung des Diözesanmuseums, der Stephanskirche und der Kaisergruft und Begräbnisstätte des Paters Markus von Aviano in der Kapuzinerkirche“, 6. Juni 1935, 9:30 Uhr (Ludwig 1935: 127)
  • Enthüllung und Weihe des Marco d’Aviano-Denkmals, Kapuzinerkirche, 9. Juni 1935
  • „Exkursion mit Autocars in das historische Kampfgelände Anno 1683 (Bisamberggebiet) […] oder Donaurundfahrt mit dem Dampfer ‚Hebe‘“, 10. Juni 1935, 14:30 Uhr
  • „Besuch des Historischen Museums der Stadt Wien mit Führung“, 12. Juni 1935, 9:30 Uhr
  • „Serenade im Hofe des bischöfl. Palais (historische Musik, ausgeführt von den Wiener Philharmonikern)“, 13. Juni 1935, abends (Ludwig 1935: 128)

Eine Volksmesse am Heldenplatz

Auch am nächsten Katholikentag in Wien im Jahr 1952 wurde Marco d’Aviano etwa im Rahmen einer Volksmesse am Heldenplatz gedacht. Eine Festnummer der ‚Furche‘, erschienen am 13. September 1952, titelte mit der Schlagzeile „Unser Tag“ und einer seitengroßen Abbildung des Marco d’Aviano-Denkmals vor der Kapuzinerkirche. (vgl. Die Furche 12.09.2002).

» Literatur

Ackerl, Isabella (1984): Die Türkenbefreiungsfeiern des Jahres 1933. Historische Jubiläen als politische Propagandavehikel. In: Geschichte und Gegenwart, Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Gesellschaftsanalyse und politische Bildung, 3. Jg. Wien, 18–26.

Allgemeiner Deutscher Katholikentag Wien 1933. 7. Bis 12. September (1934). Wien.

Borodajkewycz, Taras (1933): Der geschichtliche Anlaß der Tagung. In: Pressekomitee des Katholikentages (Hg.): Festführer zum Allgemeinen deutschen Katholikentag in Wien, 7. bis 12. September 1933. Wien, 25–36.

Die Furche (12.09.2002): Eine selbstbewusste Kirche. Nr. 37, 8.

Festgabe der Wiener Zeitung (1933): Allgemeiner deutscher Katholikentag in Wien, 7. bis 12. September 1933. Wien.

Grauer, Karl Johannes/ Winter, Ernst Karl/ Zessner-Spitzenberg, Hans Karl von (Hg.) (1933): Marco d’Aviano. Sein Werk und seine Zeit. Eine Festschrift zum 250. Jahrestag der Türkenbefreiung. Wien.

Hübner-Marton, Alexander (1935): Zum Gedenken an Markus von Aviano. Zur Weihe des Denkmals für Markus von Aviano am 9. Juni 1935 in Wien. Wien.

Ludwig, Vinzenz Oskar (1935): Markus von Aviano. Der Retter Europas. Kleine Historische Monographien, Nr. 49. Wien.

Luksan, Martin/ Schlösser, Hermann/ Szanya, Anton (2007): Heilige Scheine. Marco d’Aviano, Engelbert Dollfuß und der österreichische Katholizismus. Wien.

Markus von Aviano Denkmal-Komitee (Hg.) (1934): Denkschrift herausgegeben für die Errichtung eines Ehrenmales für Pater Markus v. Aviano O.M. Cap. in Wien. Wien.

Reichspost (12.09.1933): Aufbruch zum neuen Oesterreich, 1–3, 21.09.2009.

Reichspost (12.09.1933): Prozession zur Grabstätte von Marco d’Aviano, 13, 21.09.2009.

Reichspost (12.09.1934): Die Marco-d’Aviano-Feier, 5, 21.09.2009.

Reichspost (13.09.1934): Höhepunkt und Abschluß der Marco-d’Aviano-Feier, 6, 21.09.2009.

Reichspost (13.09.1934): Weihestunde im Konzerthaussaal, 6–7, 25.09.2009.

Suppanz, Werner (1998): Österreichische Geschichtsbilder. Historische Legitimationen in Ständestaat und Zweiter Republik. Köln/Weimar/Wien.

Wiener Zeitung (03.06.1935): Die große Marco-d’Aviano-Feier, 3, 21.09.2009.

Zessner-Spitzenberg, Hans (1933): Marco d’Aviano und der Entsatz von Wien 1683. In: Grauer, Karl Johannes/ Winter, Ernst Karl/ Zessner-Spitzenberg, Hans Karl von: Marco d’Aviano, Ord. M. Cap. Sein Werk und seine Zeit. Eine Festschrift zum 250. Jahrestag der Türkenbefreiung. Wien, 11–21.