Graz, ehemaliges ‚Türkenloch‘ in der Sporgasse

Text: Zsuzsa Barbarics-Hermanik

In der oberen Sporgasse in Graz – in unmittelbarer Nähe des ‚Türken‘ am Palais Saurau – ist eine schmiedeeiserne Figur eines ‚türkischen Reiters‘ oberhalb des heutigen Lokals Café-Bar-Lounge Stern zu finden, denn die ehemalige Gaststätte „Zum Stern“ wurde in der Zwischenkriegszeit in „Zum Türkenloch“ umbenannt (vgl. Tagespost 02.04.1936: 5).

» Übertragung von Feindbildern

Gerade damals wurde das ‚Türkengedächtnis‘ der Stadt in den Grazer Zeitungen und durch die damals aktive deutschnational gesinnte Propaganda immer stärker aktualisiert und instrumentalisiert und es wurden Merkmale des bereits vorgeformten ‚Türkenbildes‘ auf Juden und Slawen übertragen, gegen die man mit dieser „Aktualisierung der Erinnerung“ mobilisieren wollte (vgl. Barbarics-Hermanik 2010:16). Dieser Prozess erreichte dann mit der Errichtung des so genannten ‚Türken-Gobelins‘ im Jahre 1941 als Produkt der nationalsozialistischen Propaganda seinen Höhepunkt.

» Deutschnationaler Treffpunkt

In diesem Kontext muss darauf hingewiesen werden, dass die Gaststätte „Zum Stern“ bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts Versammlungsort und Treffpunkt für Mitglieder deutschnational gesinnter Studentenvereine (z.B. Corps Tartarus, Burschenschaften Styria und Tauriska, Gothia, Akademischer Turnverein) war (vgl. Reimann 1983). Auch der deutschnational gesinnte Arzt, Dichter sowie überzeugte Südmarkaktivist Hans Kloepfer (1867–1944) – der in der damaligen Zeit die Bedeutung der Grazer und Steirer in der „Grenzarbeit“ in Bezug auf das ‚Gottesplagenbild‘ betonte –, war häufig unter den Gästen zu finden.

Die Figur des ‚türkischen Reiters‘ stammt ebenfalls aus der Zwischenkriegszeit, als die Gaststätte bereits „Zum Türkenloch“ hieß. Sie wurde auch nicht entfernt, als das Lokal in den 1990-er Jahren ihren heutigen Namen erhielt.

Mangels entsprechender Quellen kann nach dem jetzigen Stand der Forschung die Frage nicht mit Sicherheit geklärt werden, ob die Figur des ‚türkischen Reiters‘ als Hauszeichen angedacht war, das das Böse oder Feinde fernhalten sollte. Damit hätte man eine Tradition fortgesetzt, die es – wie das Beispiel des ‚Türken‘ am Palais Saurau zeigt – bereits seit dem 16. bis 17. Jahrhundert gab.

» Literatur

Reimann, Reinhold (Hg.) (1983): Die Alte Steinkneipe zu Graz. Über die Geschichte eines Alt-Grazer Studentenlokals sowie über die Enthüllung einer Tafel zum Gedenken daran. Graz.

Tagespost (02.04.1936): Türkenloch (Graz), 5.