Kahlenberg, Bronzerelief der Aviano-Messe (nicht realisiert)

Text: Silvia Dallinger

Anlässlich des Ausbaus der Wiener Höhenstraße wurde vom Kunstbeirat der Gemeinde Wien Mitte der 1930er Jahre ein Wettbewerb für die Errichtung eines Denkmals am Kahlenberg ausgeschrieben, das an die Messe Marco d’Avianos am Kahlenberg erinnern sollte. Karl Fiala gewann den Wettbewerk, das Denkmal wurde jedoch nie realisiert.

» Prestigeprojekt Höhenstraße

Der Bau einer ‚Höhen- und Aussichtsstraße’ zwischen Grinzing und dem Cobenzl war vom Wiener Gemeinderat bereits im Jahr 1905 beschlossen worden. Der weitere Ausbau verzögerte sich jedoch aufgrund finanzieller Engpässe. Erst im Zuge ‚ständestaatlicher’ Maßnahmen der ‚Arbeitsbeschaffung’ unter Dollfuß wurde 1934/35 die Strecke zwischen dem Cobenzl und dem Kahlenberg ausgebaut. Bis 1940 war auch das letzte Teilstück zwischen Leopoldsberg und Klosterneuburg fertig gestellt. Eines der Ziele des Prestigeprojekts Höhenstraße war es, den Kahlenberg als Aussichtspunkt und ‚Schaukasten’ für Wien aufzuwerten und damit für die Stärkung der österreichischen Identität zu instrumentalisieren.

» Ein Relief zur Erinnerung an die Aviano-Messe

Für die Abschlussmauer der Höhenstraße am Kahlenberg war ein Bronzerelief vorgesehen, das die berühmte Messe Marco d’ Avianos am Kahlenberg 1683 darstellen sollte. Damit fiel dieses Vorhaben in eine lange Reihe von Gedenkinitiativen für den Kapuzinermönch Marco d’Aviano durch den politischen Katholizismus der Dollfuß- und Schuschnigg-Ära, z.B. im Rahmen des 250-jährigen Jubiläums der Zweiten Wiener Türkenbelagerung 1933 (siehe dazu auch “Der ‚Aviano-Dollfuß-Kult‘” oder “Marco d’Aviano-Feiern 1933–1935″).

Der Künstler Karl Fiala, ein Schüler von Edmund von Hellmer, wurde 1937 als Sieger der Ausschreibung für das Bronzerelief gekürt. Sein Entwurf zeigt im Vordergrund Aviano beim Feiern der Messe. Er hebt den Kelch zur Wandlung, neben ihm kniet Jan III. Sobieski, dahinter stehen die übrigen Heerführer. Links wird ein Blick auf Wien geboten, über der Szene schwebt Gottvater.

Doch Fialas Entwurf wurde nie realisiert – interessanterweise wurde das Gipsmodell des Reliefs jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört. Die näheren Umstände sind nicht bekannt.

Ähnliche Darstellungen wurden von anderen Künstlern wie z.B. von Josef Franz Riedl eingereicht, der auch Prinz Eugen in die Szene einfügte, was bis dahin unüblich war. Das Gedenken an Prinz Eugen gewann in den 1930er Jahren an Bedeutung: So gab es zum Beispiel anlässlich des 250-jährigen Jubiläums 1933 eine Prinz-Eugen-Sonderausstellung im Oberen Belvedere. Besonders 1936 wurde er anlässlich seines 200. Todestages zu einer Symbolfigur stilisiert (vgl. Krasa, in: Historisches Museum der Stadt Wien 1983: 387f).

» Literatur

Böhm, Jasmine (2001): „Türken-Images“ im öffentlichen Raum. Eine ethnologische Spurensuche in Wien. Diplomarbeit der Universität Wien.

Czerny, Wolfgang/ Kastel, Ingrid (1996): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Wien X. bis XIX. und XXI. Bis XXIII. Bezirk. Wien.

Historisches Museum der Stadt Wien (Hg.) (1983): Die Türken vor Wien. Europa und die Entscheidung an der Donau 1683. Katalog zur 82. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 5. Mai bis 30. Oktober 1983. Wien.

Krasa, Selma (1982): Das historische Ereignis und seine Rezeption. Zum Nachleben der Zweiten Türkenbelagerung Wiens in der österreichischen Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. In: Historisches Museum der Stadt Wien (Hg.): Die Türken vor Wien. Europa und die Entscheidung an der Donau 1683. Salzburg/Wien, 304–317.

Rigele, Georg (1993): Die Wiener Höhenstraße. Autos, Landschaft und Politik in den dreißiger Jahren. Wien.

Tomenendal, Kerstin (2000): Das türkische Gesicht Wiens. Auf den Spuren der Türken in Wien. Wien/Köln/Weimar.

Wikipedia: Kahlenberg, 19.08.2009.