Kapuzinerkirche

Text: Silvia Dallinger, Martina Bogensberger

Die Kapuzinerkirche am Neuen Markt in der Wiener Innenstadt wurde im Jahr 1618 von Kaiserin Anna, der Gemahlin von Kaiser Mathias, testamentarisch gestiftet. Nach der Grundsteinlegung durch Ferdinand II. 1622 wurde die vom Gegenreformator Ferdinand finanzierte Kirche schließlich im Jahr 1632 vollendet. Bekannt ist sie vor allem wegen der so genannten ‚Kaisergruft’, auch ‚Kapuzinergruft‘ genannt, die sich unter der Kirche befindet. Sie wurde zugleich mit der Kapuzinerkirche eingeweiht. 1633 wurden die Leichname der Stifter – Kaiser Mathias und Kaiserin Anna – in die Kapuzinerkirche überführt. Seither wurden nahezu 150 Mitglieder der Häuser Habsburg und Habsburg-Lothringen in ihrer Gruft beigesetzt (Czeike 1994: 449; Pötschner 2009: 134–140; Tomenendal 2000: 164f.).

» Erinnerungen an die Zweite Türkenbelagerung Wiens

Auf dem Sarkophag von Kaiser Leopold I., der ebenfalls in der ‚Kaisergruft‘ beigesetzt ist, wurde eine Inschrift angebracht, die an seine Regentschaft während der Zweiten Wiener Türkenbelagerung erinnert. Die Inschrift befindet sich jedoch auf jener Seite des Sarges, die für Besucher und Besucherinnen nicht sichtbar ist. Die deutsche Übersetzung aus dem Lateinischen lautet:

Der als erster unter den Kaisern so viele wunderbare Siege erfochten und selbst die Türken zwang, um Frieden zu bitten, ruht in diesem Sarge, Leopold, durch den Zuruf der Welt der Große genannt. Er starb im Jahre 1705, am 5. April im 65. Altersjahr. (Tomenendal 2000: 166)

Auch der Kapuzinermönch Marco d’Aviano, der 1699 in Anwesenheit des Kaiserpaares in der Kapuzinerkirche starb, ist hier bestattet. Bei seinem Grabmal in der Pietà-Kapelle ist ein Medaillonbild Marco d’Avianos angebracht, das von Michael Rieser gefertigt wurde (1891) und von einer Marmorumrahmung des Architekten Richard Franz Jordan umgeben wird (siehe Marco d’Aviano-Gedenktafel).

Weitaus imposanter ist hingegen das Marco d’Aviano-Denkmal links neben dem Kircheneingang, das durch die Marco d’Aviano-Gasse von der Kärntnerstraße aus sichtbar ist. Es zeigt den Kapuzinermönch mit erhobenem Kreuz.

Im Kirchenraum befindet sich auch eine Gedenktafel des 13. k.u.k. Dragoner Regiments ‚Eugen Prinz von Savoyen‘ (1930).

» Literatur

Czeike, Felix (1994): Historisches Lexikon Wien. Band 3. Wien.

Pötschner, Angelina (2009): Wien, die kaiserliche Residenzstadt. Ein Führer durch das imperiale Wien: Hofburg, Schönbrunn, Belvedere, Ringstraße. Von Maria Theresia bis zu Franz Joseph und dem Mythos ‚Sisi’. Wien.

Kapuziner Kloster Wien: Geschichte, 31.08.2009.

Tomenendal, Kerstin (2000): Das türkische Gesicht Wiens. Auf den Spuren der Türken in Wien. Wien/Köln/Weimar.