Klosterneuburg, Türkenmarterl in Maria Gugging

Text: Simon Hadler

In der Klosterneuburger Kastralgemeinde Maria Gugging, beim Kreisverkehr nahe der früheren Landesnervenheilanstalt (heute: Institute of Science and Technology Austria), befindet sich ein Marterl, das mit den Ereignissen rund um die Zweite Wiener Türkenbelagerung im Jahr 1683 in Zusammenhang gebracht wird. An seinem früheren Standort in der Lenaugasse in Kierling sollen menschliche Überreste gefunden worden sein, die von Opfern osmanischer Überfälle stammen sollen. Es könnte sich jedoch auch um Pestopfer gehandelt haben, weshalb für das Denkmal auch die Bezeichnung „Pestkreuz“ geläufig ist.

» Geschichte

Die Inschrift auf der Tabernakelsäule gibt bereits einen Gutteil jenes Wissens, das man von der Entstehungsgeschichte des Denkmals hat, wieder:

Diese Denksäule wurde zur
Erinnerung an die Ermordung
einer Wiener Familie durch
die Türken im Jahre 1683
errichtet, stand ursprünglich
in der Lenaugasse, wurde 1912
hierher übertragen und 1936
renoviert, erneuert 1980.

Entstanden dürfte der quadratische Pfeiler mit Tabernakelaufsatz und Eisenkreuz im Jahr 1693 (Neugebauer 1989: 79) sein, über die im Text angesprochene Wiener Familie weiß man jedoch nichts. In der Nähe des früheren Standortes in der Lenaugasse in Kierling sollen menschliche Gebeine gefunden worden sein, die vom Ende des 17. Jahrhunderts stammen. Das Alter der Knochen ist jedoch heute ebenso wenig nachprüfbar wie der Zusammenhang zwischen diesen und dem Marterl. Dazu kommt, dass für den Bildstock neben der Bezeichnung „Türkenmarterl“ auch der Name „Pestkreuz“ verwendet wird. Da die Gegend um Klosterneuburg im Jahr 1679 von einer Pestepidemie betroffen war, könnte das Marterl also ursprünglich auch daran erinnert haben. (Vogel 1991: 135)

1912 wurde das Denkmal nach Gugging versetzt, wo es ab 1913, nach der Einweihung der neuen Wallfahrtskirche Maria Gugging, zu einer Station für Pilger wurde. (Stadtgemeinde Klosterneuburg 1993: 260) Seine Bedeutung lässt sich auch daran ablesen, dass es nach Abschluss diverser Restaurierungsarbeiten stets in einer feierlichen Zeremonie und unter Anteilnahme der Bevölkerung wieder eingeweiht wurde. (Vogel 1991: 135f) So auch 1981, als es um einige Meter versetzt wurde. (Stadtgemeinde Klosterneuburg 1993: 260)

» Beschreibung

Beim Türkenmarterl handelt es sich um einen Bildstock mit quadratischem Grundriss. Auf dem Postament befindet sich ein Bildstock mit vier Abbildungen. Sie zeigen die hl. Dreifaltigkeit, den Guten Hirten, die hl. Maria und den hl. Leopold. Den Abschluss bildet heute ein eisernes Kreuz, früher in Form eines Patriachenkreuzes.

» Literatur

Neugebauer, Johannes-Wolfgang (1989): Klosterneuburger Kulturwanderwege. Klosterneuburg.

Stadtgemeinde Klosterneuburg (Hg.) (1993): Klosterneuburg. Geschichte und Kultur. Band 2 – die Kastralgemeinden. Klosterneuburg, Wien.

Vogel, Waltraud (1991): Sakrale Kleindenkmäler als Zeichen des Glaubens und christlicher Tradition am Beispiel Klosterneuburgs. Diplomarbeit. Klosterneuburg.