Türkenschanzpark, Kosaken-Denkmal

Text: Silvia Dallinger

Das Kosaken-Denkmal – ein Pfeife rauchender Kosake auf einem Stein und sein grasendes Pferd – wurde am 15. September 2003 im Wiener Türkenschanzpark zur Feier des 320-jährigen Jubiläums der Zweiten Wiener Türkenbelagerung enthüllt. Es erinnert an den Anteil der ukrainischen Kosaken-Armee an der Entsatzschlacht vom 12. September 1683. Zugleich dient es auch als Identifikationssymbol der jungen ukrainischen Nation und als Zeichen ihrer Hinwendung zu Europa.

» Die Kosaken und der Entsatz von 1683

Das Entsatzheer, das 1683 gegen die osmanischen Truppen kämpfte, bestand aus österreichischen, deutschen und polnisch-litauischen Truppen, die unter dem Oberbefehl des polnischen Königs Jan III. Sobieski standen. Die Orientalistin Kerstin Tomenendal (2000: 128f.) geht davon aus, dass sich das vereinigte Entsatzheer aus ca. 65 000 Mann zusammensetzte. Die tatsächliche Truppenstärke ist im Nachhinein jedoch kaum rekonstruierbar, da die Zahlen in den Quellen erheblich variieren. Sieben Kosakenregimenter bzw. rund 3000 Kosaken bildeten am rechten Flügel den Kernteil des polnischen Entsatzheeres (Jaminskyj, in: Sawtschak 2003: 16). Darüber hinaus kämpften zahlreiche Ukrainer in weiteren Einheiten. Zum Gedenken an die gefallenen Kosaken wurde schon 1983 eine Tafel an der Leopoldskirche am Leopoldsberg angebracht.

Ein Ziel der Denkmalserrichtung war es, darauf aufmerksam zu machen, dass die Rolle der ukrainischen Kosaken als Teil des Entsatzheeres in Vergessenheit geraten war und die Erfolge hauptsächlich dem Polenkönig Sobieski zugesprochen wurden. 1683 waren die westlichen ukrainischen Gebiete, aus denen die Kosakentruppen rekrutiert worden waren, der polnischen Krone unterstellt. Die militärischen Leistungen der Kosaken wurden daher lange nicht eigens gewürdigt, sondern unter jene des Königreichs Polen subsumiert. Vor dem Hintergrund der seit 1991 bestehenden Unabhängigkeit des jungen ukrainischen Staates spielte die Konstruktion einer nationalen Identität eine besondere Rolle. In diesem Zusammenhang sollte durch die Errichtung eines Kosaken-Denkmals der „außerordentliche Mut“, die „große Tapferkeit“ und der Verdienst der Ukrainer um „die Rettung Europas vor dem Islam“ hervorgehoben werden (s. Gedenkinschrift beim Denkmal; Jaminskyj: Österreichisch-Ukrainische Gesellschaft). Auch die Rolle eines weiteren ‚ukrainischen Helden’ von 1683, des vermeintlich ersten Kaffeesieders Wiens, Georg Franz Kolschitzky , wurde in Erinnerung gerufen.

Laut dem geschäftsführenden Präsidenten der Österreichisch-Ukrainischen Gesellschaft Borys Jaminskyj sei die Beteiligung der Kosaken am christlichen Koalitionsheer der diplomatischen und finanziellen Initiative des Papstes Innozenz XI. zu verdanken gewesen. Er habe als Erster erkannt, dass Europa ohne die Ukraine nicht zu halten sei. Die ukrainischen Kosaken seien für ihre Tapferkeit gerühmt worden. So habe etwa der französische Höfling François d’Aleyrac, ein Gefolgsmann von Sobieski, in sein Tagebuch notiert:

Ich hörte des öfteren wie der König diese Truppen der Kosaken lobte, und bei seinem Aufbruch ins Feld der Königin einschärfte, unverzüglich die neu angeworbenen Abteilungen ihm nachzuschicken […] Kurz, man musste glauben, dass die Rettung Wiens einzig und allein von den Kosaken abhing! (D’Aleyrac, zit. nach: Sawtschak 2003: 16f)

Die Kosakenregimenter kämpften am wichtigsten Frontabschnitt, der sich über zehn Kilometer erstreckte. Ihnen soll es schließlich am 12. September 1683 gelungen sein, das Hauptzelt des türkischen Großwesirs Kara Mustapha zu erobern.

In ihrer Treue zu den Koalitionsvereinbarungen verfolgten die Kosakenregimenter (20.000 Kämpfer) bis zum Jahresende 1683 das türkische und tatarische Heer bis an das Ufer des Schwarzen Meeres, wobei sie mehrere Siege erringen konnten. Europa war somit von der türkischen Gefahr befreit! Am 2. Februar 1684 wurde im Vatikan, in der päpstlichen Kapelle, ein feierlicher Gottesdienst zum Dank für ‚die Siege der Kosaken über die Türken und Tataren’ abgehalten. Somit können die Ukrainer auf ihre Teilnahme an einem der wichtigsten Ereignisse der europäischen Geschichte stolz sein. (Jaminskyj, in: Sawtschak 2003: 17)

» Die Finanzierung des Denkmals

Die Idee, ein Kosaken-Denkmal im Türkenschanzpark zu errichten, stammte von der Österreichisch-Ukrainischen Gesellschaft, die im Jahr 1999 die Bildung eines Denkmalkomitees initiierte. Als Mitglieder dieses Komitees fungierten der damalige Finanzminister Rudolf Edlinger (Präsident) sowie Borys Jaminskyj (geschäftsführender Präsident). Der stellvertretende Bezirksvorsteher des 18. Wiener Gemeindebezirks Ferdinand Glatzl war Obmann des Komitees. Ein weiteres Mitglied war der damalige österreichische Botschafter in der Ukraine Klaus Fabjan.

Infolge längerer Diskussionen mit Gemeindevertretern und -vertreterinnen über Form und Finanzierung des Monuments konnte das Denkmal schließlich erst vier Jahre später, im Jahr 2003, anlässlich des 320-jährigen Jubiläums der Zweiten Wiener Türkenbelagerung realisiert werden. Um die Bedenken des Magistrats gegenüber einem weiteren Denkmal, das den Sieg über die Türken 1683 feiert, auszuräumen, wurde bewusst eine „friedliche Darstellung“ und keine kämpferische Pose gewählt (Telefongespräch mit Borys Jaminskyj, 30.05.2008): Ein Kosake, der auf einem Stein sitzt und in Ruhe eine Pfeife raucht.

Die Denkmalserrichtung wurde schließlich durch die ukrainische Botschaft in Österreich und die Währinger Bezirksvorstehung ermöglicht, die hiefür eine großzügige Summe zur Verfügung stellte. Das Interesse der Bezirksvorstehung, den Kontakt zwischen Österreich und der Ukraine weiter zu pflegen, hat seinen Ursprung in der seit 1997 bestehenden Bezirkspartnerschaft zwischen dem Bezirk Schewtschenkiwsky in Kiew (Sitz der österreichischen Botschaft) und dem 18. Wiener Gemeindebezirk Währing, in dem die ukrainische Botschaft angesiedelt ist.

Die größten Spenden stammten von der UTA Telekom AG (Österreich) und der Ukrtelekom (Ukraine), die im Jahr 2003 bereits seit rund einem Jahr geschäftliche Beziehungen gepflegt hatten.

Auch die Österreichische Nationalbank und der Ukrainische Briefmarken-Sammler-Verein in Österreich werden auf einem Gedenkstein vor dem Denkmal in der Reihe der Unterstützer und Unterstützerinnen genannt. Der Ukrainische Briefmarken-Sammler-Verein wurde bereits 1967 gegründet und initiierte 1992 die Konstituierung der Österreichisch-Ukrainischen Gesellschaft.

» Der Pfeifen rauchende Kosake und sein Pferd

Die Bronzestatue beim Eingang Feistmantelstraße/ Dänenstraße zum Türkenschanzpark stellt einen auf einem Stein sitzenden und Pfeife rauchenden ukrainischen Kosaken dar.

Er ist in der Kosakentracht gekleidet und trägt einen Krummsäbel sowie ein traditionelles Lauteninstrument, eine Bandura. In seiner unmittelbaren Nähe grast ein Pferd.

Die Skulpturen stammen vom Bildhauer Volodymyr Chepelyk, Präsident der Nationalen Vereinigung der Künstler der Ukraine, und dessen Bruder Oleksiy Chepelyk und wurden im Kiewer Kombinat ‚Chudozhnyk‘ (‚Künstler‘) gefertigt. Als Architekt wird Volodymyr Skulskyy genannt.

Vor dem Denkmal befindet sich ein Gedenkstein mit folgender Inschrift:

DAS KOSAKENTUM
WAR EINE HEERESORGANISATION,
DIE IM 15. JAHRHUNDERT IN DER UKRAINE
ENTSTANDEN IST. IM 17. JHDT. GRÜNDETEN DIE KOSAKEN
EINEN UNABHÄNGIGEN UKRAINISCHEN KOSAKENSTAAT.
Die ukrainische Kosakenarmee leistete am 12. September 1683 in der Entscheidungsschlacht einen bedeutenden Beitrag zur Befreiung Wiens
von der Türkenbelagerung. Der polnische König Jan III. Sobieski, der
Oberbefehlshaber des Entsatzheeres, setzte große Hoffnungen auf
die Hilfe der Kosaken. Augenzeugen berichteten von ihrem
außerordentlichen Mut und ihrer großen Tapferkeit.
Am 2. Februar 1684 fand in Rom in Anwesenheit
des Papstes ein festlicher Gottesdienst statt
zum Dank ‚für den Sieg, den
die ukrainischen Kosaken über
die Türken und Tartaren
errungen hatten’.

Ein weiterer Gedenkstein liefert auf Deutsch und Ukrainisch Informationen über Unterstützer des Projekts, Bildhauer und Architekten.

Rund um das Kosaken-Denkmal wurde der rote Schneeballstrauch, ein Nationalsymbol der Ukraine, gepflanzt.

» Die Enthüllungsfeier am 15. September 2003

Die Enthüllung des Kosaken-Denkmals erfolgte am 15. September 2003 durch den ukrainischen Botschafter Dr. Volodymyr Ohrysko, den Währinger Bezirksvorsteher Karl Homole und den Präsidenten der Österreichisch-Ukrainischen Gesellschaft Borys Jaminskyj.

Die Feier sollte ursprünglich am Tag der Entsatzschlacht, dem 12. September, stattfinden, wurde allerdings auf den 15. September verschoben, da sich terminliche Schwierigkeiten aufgrund der Anreise einiger Ehrengäste ergaben.

Die Feierlichkeiten begannen um 12:00 Uhr mit der Weihe des Kosaken-Denkmals durch den Generalvikar der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche in Österreich, Prälat Dr. Alexander Ostheim-Dzerowycz und einen Vertreter der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats. Nach einer musikalischen Einlage der Gardemusik wurde die Briefmarkenausstellung des Ukrainischen Briefmarken-Sammler-Vereins (UBSV) mit ‚Post Mobil‘ im Wohnhaus für Senioren und Seniorinnen ‚An der Türkenschanze‘ um 12:45 Uhr eröffnet. Dabei wurde u.a. ein UBSV-Sonderkuvert mit Sonderstempel der Österreichischen Post sowie eine Briefmarke mit der Darstellung des Kosaken-Denkmals nach einem Entwurf von Iwan Turetzkyj präsentiert. Beim anschließenden Empfang in der ukrainischen Botschaft wurde der ukrainische Botschafter von einer Delegation ukrainischer Kosaken ehrenhalber zum Oberst ernannt.

Im Zuge der Enthüllungsfeierlichkeiten wurden mehrere Reden gehalten, u.a. von folgenden Personen:

  • Dr. Volodymyr Ohrysko, ao. und bev. Botschafter der Ukraine in Österreich
  • Karl Homole, Bezirksvorsteher des 18. Wiener Gemeindebezirks
  • Rudolf Edlinger, Finanzminister a. D., Präsident der Österreichisch-Ukrainischen Gesellschaft
  • Borys Jaminskyj, Geschäftsführender Präsident der Österreichisch-Ukrainischen Gesellschaft
  • Oleksandr Lawrynowytsch, ukrainischer Justizminister
  • S. Sitschkarenko, Aufsichtsratsvorsitzender der Ukrtelekom
  • Romed Karré, Direktor der Firma UTA Telekom AG
  • Prof. Anatolij Schewtschenko, Leiter einer der Organisationen des heutigen Kosakentums in der Ukraine
  • Mychajlo Sendak, Vorsitzender des Gebietsrates von Lemberg
  • Prälat Dr. Alexander Ostheim-Dzerowycz, Generalvikar der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche in Österreich

Karl Homole, Bezirksvorsteher des 18. Wiener Gemeindebezirks, betonte in seiner Ansprache den völkerverbindenden Charakter der Bronzeskulpturen im Türkenschankpark:

Ich hoffe […] dass die Errichtung des Denkmals für die ukrainischen Kosaken einen weiteren Schritt für das gegenseitige Verständnis und die Zusammenarbeit der Völker darstellen wird. (Homole, zit. nach: Hamota 2003: 21)

Der ukrainische Botschafter in Österreich, Dr. Volodymyr Ohrysko, sprach nicht nur von der historischen Dimension des Entsatzes von Wien, sondern auch über eine Annäherung der Ukraine an die europäische Staatengemeinschaft:

Von heute an sind die Kosaken jedoch für ewige Zeiten in die Geschichte Wiens eingetreten, als Anerkennung für die vor 320 Jahren bewiesene Tapferkeit und den errungenen Sieg sowie als Symbol für die Aufnahme der Ukraine in die Familie der europäischen Völker auf der gegenwärtigen Etappe. (Ohrysko, zit. nach: Hamota 2003: 21)

Prälat Dr. Alexander Ostheim-Dzerowycz, Generalvikar der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche in Österreich, unterstrich hingegen in seiner Rede die religiöse Bedeutung des ukrainischen Kampfgeistes von 1683:

Die Regimenter des orthodoxen ukrainischen Kosakentums gingen auf Ersuchen des Römischen Papstes eine Koalition mit den europäischen Völkern ein. Die Ukrainer leisteten also bereits damals einen Beitrag für die Entwicklung der ökumenischen Bewegung zur Einheit des Christentums. (Ostheim-Dzerowycz, zit. nach: Hamota 2003: 21)

Der Vorsitzender des Gebietsrates von Lemberg, Mychajlo Sendak, der bereits im September 2003 mit einer Delegation (bestehend aus Wolodymyr Herytsch, stellvertretender Gouverneur für kulturelle Angelegenheiten des Gebietes Lemberg, Lubomyr Bunjak, Bürgermeister der Stadt Lemberg, und Jaroslaw Nakonetschnyi, Honorarkonsul der Republik Österreich in Lemberg) nach Wien gereist war, um die bilateralen Beziehungen zwischen Lemberg und Wien zu vertiefen, plädierte in seiner Ansprache für eine Intensivierung der bisherigen Kontakte:

In den 150 Jahren der gemeinsamen Geschichte unserer beiden Völker bildeten sich enge wirtschaftliche, soziale und kulturelle Beziehungen. Diese Errungenschaften der beiden Völker sollten wir unter den gegenwärtigen Umständen weiter entwickeln, da die Ukraine ihre Unabhängigkeit erreicht hat und in ihrer geopolitischen Richtung nach Europa strebt. (Sendak, zit. nach: Hamota 2003: 21)

Es fällt auf, dass anlässlich der Enthüllung des Kosaken-Denkmals die gemeinsame Geschichte Österreichs und der Ukraine besonders betont wurde, vor allem seitens der Vertreter und Vertreterinnen ukrainischer Vereine in Österreich. Nicht nur die Erinnerung an die proklamierte Rettung Europas durch die Kosaken stand dabei im Vordergrund, sondern auch die Erinnerung an jene 150 Jahre, in denen die Westukraine zum Habsburgerreich gehörte. Diese gemeinsame Geschichte sollte als Ausgangspunkt dazu dienen, die Ukraine nicht nur als Teil Europas zu sehen, sondern als zukünftigen Teil der EU.

Wir Ukrainer sollten darauf stolz sein, dass unsere Vorfahren in diesem Völkerkrieg, in der heutigen politischen Diktion, die richtige Position eingenommen, und sich für die Verteidigung des Christentums und der europäischen Zivilisation entschieden haben. Es war keine Übertreibung als der damalige Patriarch der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche Kardinal Josyf Slipyj vor 20 Jahren anlässlich des 300. Jahrestages der Befreiung Wiens von der 2. Türkenbelagerung in Rom feststellte: ‚Obwohl dieses Ereignis von großer Bedeutung war, sind sich leider nicht alle dessen bewusst, dass wir, das ukrainische Volk, durch unseren Mut und das militärische Geschick der Kosaken, damals Europa gerettet haben’. (Jaminskyj, in: Sawtschak 2003: 15)

Dr. Volodymyr Ohrysko, ukrainischer Botschafter in Österreich, erklärte in seiner Rede anlässlich der Denkmalsenthüllung,

dass obwohl es sich um Ereignisse handle, die vor mehr als 300 Jahren stattgefunden haben, diese auch heute noch eine symbolische Bedeutung hätten, weil sie die Teilnahme der Ukraine an jenen globalen historischen Prozessen bezeugen, die in unserer Zeit mit der Schaffung eines demokratischen und vereinten Europa ihr Ende finden würden. Er verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, dass die Ukraine mit der Zeit ein vollwertiges Mitglied der EU werden würde. (Hamota 2003: 20)

Nicht nur in politischer, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht war die Errichtung des Kosaken-Denkmals ein Symbol für die wachsenden österreichisch-ukrainischen Beziehungen. Dies lässt sich aus der Tatsache schließen, dass die UTA Telekom AG (Österreich) und die Ukrtelekom (Ukraine) als die beiden größten Geldgeber für die Errichtung des Denkmals fungierten.

» Medienberichte über das Kosaken-Denkmal

In der medialen Berichterstattung über die Errichtung des Kosaken-Denkmals kam es teilweise zu einer unreflektierten Übernahme alter Feindbilder und zur Huldigung der eigenen ‚Helden’, wie sie bereits im 18. und 19. Jahrhundert üblich waren. So beschrieb etwa die Kronenzeitung Szenen aus der Entsatzschlacht 1683 in ihrer Ausgabe vom 21. September 2003:

Die Situation war mehr als dramatisch – geradezu schaurig, was Großwesir Kara Mustapha Pascha dem heldenhaften Verteidiger Rüdiger Graf Starhemberg laut einer Ballade von Guido Görres zurief: ‚Ich mache Wien zur Türkenstadt, St. Stephan zur Moschee; Ich reiß die Maid aus Mutterarm Und bring dem Bruder Weh.’ Die Osmanen gingen vor wie immer: Plündernd und mordend zogen sie durchs Land. (Schmitt/Strasser 21.09.2003: 40)

Der Währinger Bezirksvorsteher Karl Homole wiederum versuchte kritische Stimmen präventiv mit einem Verweis auf den Yunus-Emre-Brunnen , den „Freundschaftsbrunnen“, zu beruhigen. Im Kurier vom 11. September 2003 wird er folgendermaßen zitiert:

Im Türkenschanzpark gibt es auch einen türkischen Brunnen. So sind zum 320. Jahrestag des Entsatzes beide Länder friedlich vereinigt. (Rietveld 11.09.2003: 10)

Der ukrainische Botschafter Volodymyr Ohrysko wiederum bezeichnete die Denkmalsenthüllung als einen „symbolischen Akt im Sinne der Vereinigung Europas, weil die Ukraine jetzt zur europäischen Völkerfamilie zurückkehrt“ (ebd.).

Kritischer setzten sich die Währinger Grünen mit dem Kosaken-Denkmal auseinander. Die Intentionen hinter der Errichtung dieses „Kriegerdenkmals“, das sich auf den Sieg in einer kriegerischen Auseinandersetzung vor 320 Jahren bezieht, wurden zu erklären versucht:

Erster Erklärungsversuch: Sich im historischen Rückblick als Opfer darzustellen und nicht als Täter, gilt spätestens nach 1945 als opportun. Und besonders toll ist es natürlich, wenn man dann auch noch siegreiches Opfer ist. Da lohnt es sich für die Stadt Wien schon, 320 Jahre zurückzugehen, die dazwischen gelegene Geschichte auszublenden und bei einer Zeit anzusetzen, wo man nicht Gefahr läuft, Ehre wieder aberkennen zu müssen.

Zweiter Erklärungsversuch: Für die an den Kosten beteiligten Telekom-Unternehmen – ein österreichisches und ein ukrainisches – war es einfach eine nette Gelegenheit, Kontakte zu vertiefen und Geschäfte zu besiegeln.

Dritter Erklärungsversuch: Kaiser Karl, der Untätige, Homole wollte endlich wieder mal einen ihm würdigen offiziellen Auftritt haben – und was gibt es da Schöneres, als gemeinsam mit dem ukrainischen Botschafter ein Denkmal zu enthüllen. (Nossek 2003)

» Literatur

Hamota, Jaroslaw (2003): Die Ukraine ist mit dir, Kosak! In: Österreichisch-Ukrainische Rundschau, 2003, Jg. 45, Heft 16: 15.09.2003. Enthüllung des ukrainischen Kosakendenkmals in Wien. Wien, 20-22.

Jaminskyi, Borys: Die Ukrainer in Wien. Österreichisch-Ukrainische Gesellschaft, 10.06.2009.

Nossek, Silvia (2003): Denkmal Türkenschanzpark, 10.06.2009.

Österreichisch-Ukrainische Rundschau, 2003, Jg. 45, Heft 16: 15.09.2003. Enthüllung des ukrainischen Kosakendenkmals in Wien. Wien.

Rietveld, Josef (11.09.2003): Späte Ehre für die Kosaken aus der Ukraine. Türkenschanzpark: Denkmal zur Erinnerung an Türkenbelagerung. In: Kurier, Wien, 10.

Sawtschak, Wasyl (2003): Unsere gemeinsame Geschichte. Vor 320 Jahren retteten die Ukrainer Europa in Wien. In: Österreichisch-Ukrainische Rundschau, 2003, Jg. 45, Heft 16: 15.09.2003. Enthüllung des ukrainischen Kosakendenkmals in Wien. Wien, 14-17.

Schmitt, Richard/ Strasser, Peter (21.9.2003): Auf, auf, Ihr Christen. In: Kronenzeitung. Rot-Weiß-Rote Schicksalstage. Eine Serie von Richard Schmidt und Peter Strasser. Wien, 40-41.

Telefongespräch der Verfasserin mit Borys Jaminskyj, 30.05.2008.

Tomenendal, Kerstin (2000): Das türkische Gesicht Wiens. Auf den Spuren der Türken in Wien. Wien/Köln/Weimar.