Krakau, Marienbild in der Karmelitenkirche in Piasek

Text: Anna Ziemlewska, Simon Hadler

Ehe sich der polnische König Jan III. Sobieski im Jahr 1683 auf den Weg nach Wien machte, um am Entsatz der Stadt teilzunehmen, besuchte er in Piasek bei Krakau das Bildnis der hl. Maria mit Kind in der Karmelitenkirche. Dieses Gemälde wurde bereits seit dem 16. Jahrhundert verehrt und im September 1883 – in zeitlicher und inhaltlicher Nähe zum 200-Jahr-Jubiläum des Wiener Entsatzes – feierlich gekrönt.

» Sobieski besucht Krakau

Bevor Jan III Sobieski weiterzog, um sich am Entsatz Wiens zu beteiligen, hielt er sich gemeinsam mit seiner Gattin Maria Kazimiera für einige Tage in Krakau auf. Während dieser Zeit besuchte das königliche Ehepaar zahlreiche Gotteshäuser der Stadt und nahm an mehreren Messen teil, um für den Kriegserfolg zu beten. So auch am 10. August 1683, als sie einer Pontifikalmesse beiwohnten, die vom päpstlichen Nuntius Optimus Pallavicini in der Wawel-Kathedrale zelebriert wurde. Der König betete ebenso am „Ara Patriae” – am Grab des hl. Stanisław, dem polnischen Schutzpatron. In den folgenden Tagen pilgerte das Paar zu weiteren Kirchen: Zur St.-Peter-und-Paul-Kirche, der Dominikanerkirche, der Franziskanerkirche, der St.-Anna-Kirche und schließlich in die Marienkirche zum Bildnis der Madonna von Loreto. Vor der Abfahrt am 15. August begab sich die königliche Familie noch zum Kamaldulenserkloster in Bielany und in die Karmelitenkirche in Piasek – damals noch eine Vorstadt Krakaus – zur Kultstätte der Muttergottes von Piasek.

Die Verehrung dieses Marienbildes entwickelte sich seit dem 16. Jahrhundert. Das zweimalige Gelingen der Rettung des Gemäldes vor dem Feuer in den Jahren 1587 und 1655 verstärkte noch den Glauben an die Wundertätigkeit des Bildes. Der Hetman Jan Zamoyski (1542–1605) dankte hier für seinen Sieg über die Truppen des habsburgischen Erzherzogs Maximilians III. (1587). Es wird überliefert, dass Jan III. und seine Gattin Maria Kazimiera vor dem Bild der Muttergottes das Versprechen abgaben, sie würden zwei Klöster stiften – eines für den Orden der Kapuziner und eines für die Benediktinerinnen. Der Bekanntschaftsgrad der Mariendarstellung bewirkte, dass sich die Karmeliten bereits im 18. Jahrhundert darum bemühten, das Marienbild feierlich zu krönen. Diese Krönung fand damals, trotz offizieller Einwilligung, nicht statt. Im Jahr 1882 griff man die Idee schließlich wieder auf und ein Jahr später kam sie zur Ausführung. (Rożek 2008: 18f, 101f)

» Die Krönung des Marienbildes 1883

Ein erster Höhepunkt der Feierlichkeiten zur Krönung des Marienbildes war die Übertragung der vom historistischen Maler Jan Matejko (1838–1893) gestalteten Krone mittels einer Prozession vom Bischofspalast zur Kirche des Karmelitenklosters. In den nächsten Tagen traf eine ungefähr 12.000 Menschen umfassende Pilgergruppe in der Stadt ein. Sie wurde von Stanisław Stojałowski (1845-1911) angeführt, einem katholischen Priester, Zeitungsherausgeber und späteren Gründer diverser agrarklerikaler und antisemitischer Parteien. Viele Teilnehmer stammten aus den ländlichen Gebieten des überwiegend ruthenisch (ukrainisch) besiedelten Ostgalizien, aber auch aus der Bukowina, Schlesien und Ungarn. Ihre Reise hatte jedoch nicht nur religiöse Motive, die Pilger besuchten auch die nationalen Kultstätten und wurden mit den geschichtlichen Ereignissen rund um den Entsatz Wiens vertraut gemacht, der nicht zufällig einige Tage später groß gefeiert werden sollte. (Sierżęga 2002: 82–88)

Am 8. September fand schließlich die Krönung des Marienbildes statt. Die große Zahl an Ehrengästen in der Kirche verhinderte eine nennenswerte Teilnahme der angereisten Pilger beim Festgottesdienst. Auch ein geplanter Umzug fiel wegen des schlechten Wetters ins Wasser. Ein Festbankett mit 250 Gästen fand jedoch statt. Dabei soll es zu einem Eklat zwischen dem römisch-katholischen Bischof Krakaus Albin Dunajewski (1817–1894) und dem Vorstand der kleinen ruthenischen (griechisch-katholischen) Gemeinde in der Stadt, Józef Czerlunczakiewicz (1829–1911), gekommen sein. (Neue Freie Presse (Abendblatt) 11.9.1883: 3) Während aber an diesem Ort die polnisch-ruthenischen Spannungen zutage traten, bemühte man sich während der Marien- und der folgenden Sobieski-Feiern um demonstrative Brüderlichkeit. So wurde etwa beim Volksfest am 11. September auf die ruthenischen Wurzeln Sobieskis verwiesen (Pamiątka pielgrzymki ludowej 1883: 58f) und beim anschließenden gemeinsamen Essen wurde gar eine den angereisten Pilgern gewidmete Erinnerungstafel enthüllt. Darauf wurden die anwesenden ruthenischen Gäste jedoch als Teil der „polnischen Landbevölkerung“ national vereinnahmt:

Am 11. September 1883 feierte in Krakau die polnische Landbevölkerung das 200-jährige Jubiläum des Entsatzes von Wien durch Jan Sobieski. Zur Erinnerung wurde diese Gedenktafel gestiftet.

» Literatur

Neue Freie Presse (Abendblatt) (11.9.1883): Krakau , 3. 9.11.2011.

Pamiątka pielgrzymki ludowej do Krakowa urządzonej staraniem Redakcyi pism ludowych „Wieńca“ i „Pszczółki“ w wrześniu 1883 na uroczystość koronacyi cudownego obrazu N.P. Maryi na Piaskach i na uroczystość obchodu dwuchsetnej rocznicy zwycięstwa króla polskiego Jana III pod Wiedniem (1883), Lwów.

Rożek, Michał (2008): Zwycięstwo Jana III Sobieskiego pod Wiedniem. Echa wiktorii, Kraków.

Sierżęga, Paweł (2002): Obchody 200. Rocznicy odsieczy wiedeńskiej w Galicji (1883 r.) (= Galicja i jej dziedzictwo, tom 17), Rzeszów.