Löwelstraße, Gedenktafeln am Burgtheater

Text: Simon Hadler

Gedenktafel an der Rückseite des BurgtheatersAn der Rückseite des Burgtheaters befinden sich zwei Gedenktafeln, die daran erinnern, dass sich an dieser Stelle bis zum Abriss der Stadtmauern die Löwelbastei befand. Hier war es in den letzten Tagen vor dem Entsatz Wiens im September 1683 zu heftigen Kämpfen zwischen osmanischen Truppen und den Verteidigern der Stadt gekommen.

» Erinnerung an Mauer und Abwehr

Gedenktafeln am BurgtheaterIm September 1887, ein Jahr vor der offiziellen Eröffnung des neuen k.k. Hofburgtheaters an der Wiener Ringstraße mit Stücken von Grillparzer und Schiller am 14. Oktober 1888, wurden zwei Gedenktafeln angebracht. Sie erinnern an die „historisch denkwürdige Stätte der Löwel=Bastei, wo während der Türken=Belagerung von 1683 die blutigsten Kämpfe stattgefunden hatten.“ (Neue Freie Presse 17.09.1887) Der Wortlaut der beiden Inschriften stammt laut Peter Csendes (Csendes 1983: 11) von Albert von Camesina, aus dessen 1868 erschienenen zweibändigen Werk „Wien’s Bedrängniß im Jahre 1683“. (Camesina 1868)

Der Text der linken Tafel lautet:

Vom
8ten bis 11ten Sept. 1683
wiesen von hier aus
die tapferen
Vertheidiger Wiens
die heftigsten und
letzten Angriffe der
Türken zurück

Auf der rechten Tafel befindet sich folgende Inschrift:

An
dieser Stelle
erhob sich die
im Jahre 1546
erbaute und
im Jahre 1872
abgebrochene
Löwelbastei

» Burgtheater statt Türkenhaus

Rund um die aus dem 16. Jahrhundert stammende Löwelbastei fanden während der Zweiten Wiener Türkenbelagerung heftige Auseinandersetzungen statt. Ob der zähen Verteidigung dieses Festungsabschnittes wurde er von den Osmanen angeblich „Zauberhaufen“ genannt.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Löwelbastei im Zuge der Errichtung der Ringstraße abgerissen und an ihrer Stelle das Burgtheater errichtet. Davor hatte sich an diesem Ort auch das so genannte Türkenhaus befunden. Dieses Gebäude im Besitz der adeligen Familie Hoyos hatte seine umgangssprachliche Bezeichnung von einem steinernen Türkenkopf mit der Jahreszahl 1683 unter dem Rand des Daches und einer eingemauerten Kanonenkugel. (Schimmer 1845: 260f.)

Mit diesem Türkenkopf verbindet sich auch eine türkische Legende, die bei Karl Teply abgedruckt ist: Demnach soll ein junger Ägypter das Gebäude eine Woche lang besetzt gehalten haben, ehe er im Zuge des Entsatzes ums Leben kam. „An der Mauer dieses Hauses errichtete man sein Bildnis aus Stein. Es steht noch dort, und man lobt es.” (Teply 1980: 122)

» Literatur

Camesina, Albert (1868): Wien’s Bedrängniß im Jahre 1683. Band 1: Wien und seine Bewohner während der zweiten Türkenbelagerung 1683. Band 2: Begebenheiten ausserhalb Wien [sic!] während der zweiten Türkenbelagerung 1683. Wien.

Csendes, Peter (1983): Erinnerungen an Wiens Türkenjahre. Wien.

Neue Freie Presse (17.09.1887): Gedenktafeln am neuen Burgtheater.

Schimmer, Karl August (1845): Wien’s Belagerungen durch die Türken und ihre Einfälle in Ungarn und Oesterreich. Mit einer kurzen, aber vollständigen Geschichte des Ursprunges, der wachsenden Macht der Osmanen, ihres Eindringens in Europa, der Eroberung von Konstantinopel, und ihrer Kriege mit Oesterreich von der frühesten bis auf die neuere Zeit. Wien.

Teply, Karl (1980): Türkische Sagen und Legenden um die Kaiserstadt Wien. Wien, Köln, Weimar.