Kapuzinerkirche, Marco d’Aviano-Denkmal

Text: Silvia Dallinger

Das Marco d’Aviano-Denkmal vor der Wiener Kapuzinerkirche ist jenem Mönch gewidmet, der die christlichen Heerführer geeint und die Soldaten mit dem Kreuz in der Hand anfeuernd in die Schlacht am Kahlenberg (1683) geschickt haben soll. Engelbert Dollfuß, der die Idee zur Denkmalsetzung hatte, erlebte die Enthüllung der überlebensgroßen Bronzestatue durch Theodor Kardinal Innitzer am 9. Juni 1935 jedoch nicht mehr. Er war am 25. Juli 1934 von Nationalsozialisten ermordet worden. Doch selbst nach seinem Tod wurde der Kult um Marco d’Aviano (1631–1699), den ‚Retter des Christentums‘, dazu verwendet, zwischen dem autoritären Ständestaat und Kirche Verbundenheit zu demonstrieren (siehe ‘Aviano-Dollfuß-Kult’) .

» Marco d’Avianos Monumentaldenkmal mitten in Wien

Das überlebensgroße Marco d’Aviano-Denkmal befindet sich in einer Art Wandnische in der Kapuzinerkirche mitten in Wien. Das aus Bronze gegossene Monument ist 3,50 Meter hoch und zeigt den Kapuzinerpater in Schrittposition mit Kutte, Bart und Sandalen. In der rechten ausgestreckten Hand hält er das Kreuz. Am Sockel des Denkmals ist folgender Text eingemeißelt: „Die Seele der Befreiung Wiens – 12. September MDCLXXXIII“. Seitlich vom Denkmal sind zwei Marmorreliefs angebracht: Das eine zeigt „Das befestigte Wien“ von 1683, das andere den „Abstieg des Entsatzheeres“.

Die Enthüllung und Weihe des Denkmals durch Theodor Kardinal Innitzer fand im Rahmen der Wiener Festwochen (2. bis 15. Juni) am 9. Juni 1935 statt.

In der Kapuzinerkirche befindet sich auch das Grabmal Marco d’Avianos. Dieser ‚wundertätige’ Massenbekehrer und Verteidiger des ‚christlichen Abendlandes’ war hier im Beisein von Kaiser und Kaiserin verstorben.

» Marco d’Aviano wird von Dollfuß neu entdeckt

Die Idee, dem Kapuzinermönch Marco d’Aviano ein Denkmal zu errichten, geht auf Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (1892–1934), den Begründer des autoritären Ständestaates, zurück. In einem Spendenaufruf aus dem Jahr 1934 zur Finanzierung des Denkmals wird Dollfuß mit folgenden Worten zitiert:

Es ist mein Wunsch, daß Wien seinem Retter zur Zeit schwerster Not und Bedrängnis, Pater Markus von Aviano, ein würdiges Denkmal errichte.

Auch Theodor Kardinal Innitzer betonte diesen Wunsch des Bundeskanzlers in seiner Ansprache im Rahmen der Aviano-Dollfuß-Sühneandacht am 11. September 1934. Es sei Dollfuß gewesen, der nach langen Jahren des Vergessens die Bedeutung Marco d’Avianos erkannt habe. Ein noch größeres Denkmal wäre laut Innitzer jedoch dessen Seligsprechung, die nun weiter vorangetrieben werden solle.

» Arbeitslose und Religionslehrer sammeln Spenden

Im Rahmen der Marco d’Aviano-Feiern am 11. und 12. September 1934 kam es zu zahlreichen Spendenaufrufen in Zeitungen und auf Plakaten. Die Wiener Arbeitslosen wurden etwa dazu aufgefordert, auf den Straßen Spenden für die Finanzierung des geplanten Marco d’Aviano-Denkmals zu sammeln. Die Kosten für das Monument waren allerdings weit höher als ursprünglich erwartet. Daher sollte die gewünschte Gestaltung durch Spendensammlungen von Religionslehrern bei Schülern und Schülerinnen finanziert werden. Dabei sollte auch das Leben und Wirken d’Avianos auch im Unterricht zur Sprache kommen.

Mit den Spenden, die in den Jahren 1935/36 gesammelt wurden, konnte das Marmorrelief „Der Abstieg der vereinigten Heere vom Kahlenberg“ finanziert werden. Das zweite Relief, das das befestigte Wien von 1683 darstellt, wurde von den Innungen gestiftet.

Weitere finanzielle Unterstützung erhielt das Denkmal-Projekt von:

  • Papst Pius XI.
  • Bundespräsident Miklas
  • Viktor Emanuel III., dem König von Italien
  • Ignacy Mościcki, dem Präsidenten der Republik Polen
  • Kardinal-Erzbischof Dr. Theodor Innitzer
  • Kardinal-Erzbischof August Hlond, dem Primas von Polen
  • Kardinal-Erzbischof Justinian Serédi, dem Fürstprimas von Ungarn
  • den Bischöfen Österreichs, den Regierungen Österreichs, Italiens und Polens
  • dem Bürgermeister von Wien, Vizekanzler a. D. Richard Schmitz (vgl. Hübner-Marton 1935: 13)

» Ein Wettbewerb wird ausgeschrieben

Die Planungsphase des Marco d’Aviano-Denkmals war geprägt von mehreren Ausschreibungen und Auftragserteilungen an verschiedene Bildhauer. Dabei wechselten sowohl die Auftraggeber als auch die Vorstellungen über die Darstellung des Kapuzinerpaters.

Der Kapuzinerkonvent hatte ursprünglich ein Relief an der Fassade der Kapuzinerkirche geplant, für dessen Gestaltung der aus dem Trentino stammende Künstler Prof. Julius Trautzl (1859–1958) beauftragt wurde. Im weiteren Verlauf der Planungen sollte jedoch die Relief-Idee zugunsten der Errichtung einer Freiplastik fallen gelassen werden. Trautzls Relief stellte den Kapuzinermönch mit hocherhobenem Kreuz dar, und es ähnelte somit in seiner Komposition Michael Riesers Medaillonbild aus dem Jahr 1891, das sich auf der Marco d’Aviano-Gedenktafel in der Kapuzinerkirche befindet. Trautzls Darstellung wurde schließlich als Plakette verwendet, die im Jahr 1934 als Anerkennungszeichen verteilt wurde.

Am 25. Jänner 1934 wurde unter Einbeziehung des Unterrichtsministeriums eine Konkurrenz für den Entwurf des Marco d’Aviano-Denkmals ausgeschrieben; möglicherweise deshalb, um der Denkmalsplanung durch die Ausschreibung einen offiziellen Charakter zu verleihen. Vielleicht sollte aber auch die Position des Unterrichtsministeriums, in dem die Zentralstelle für Denkmalschutz angesiedelt war, gegenüber dem Kapuzinerkonvent gestärkt werden.

Wieder war ein Relief geplant, das an der Kirchenfassade angebracht werden sollte. Die Jury entschied sich am 2. März für den Entwurf von Wilhelm Frass, der, ebenfalls 1934, den roten Marmor-Soldaten in der Krypta des Heldendenkmals anfertigte. Vor der Realisierung des Reliefs sollte allerdings die Kirchenfassade neu gestaltet werden.

Im April 1934 wurden die Architekten Prof. Ludwig Tremmel und Reg.-Rat Prof. Otto Wytrlik damit beauftragt; die Arbeiten begannen bereits im Mai. Im Zuge der aufwendigen Umgestaltungs- und Renovierungstätigkeiten wurden u.a. der südliche und nördliche Hof des Kapuzinerklosters, die von einer Umfassungsmauer umgeben waren, geöffnet und neu gestaltet. Das Denkmal befindet sich im früheren südlichen Hof, dessen Umfassungsmauer nun fehlt. Weiters wurde der Zugang zum Kloster und zur Kaisergruft renoviert und den neuen Verhältnissen angepasst.

Ende Juni 1934 kam es neuerlich zu einer Revision der bisherigen Pläne: Das Unterrichtsministerium entschied sich nun doch gegen die Anfertigung eines Reliefs; stattdessen sollte eine Statue zu Ehren des Kapuzinermönchs errichtet werden.

In der Ausschreibung hieß es, das anfeuernde Wirken Marco d’Avianos und sein moralischer Anteil am Sieg der Christenheit solle monumental zum Ausdruck gebracht werden. Bis zum 14. Juli konnten zu diesem Zweck eingeladene Bildhauer ihre Entwürfe einsenden. Bundeskanzler Dollfuß sah vor, das Denkmal bis zum 12. September 1934 fertig zu stellen und es als Höhepunkt der Marco d’Aviano-Feiern zu enthüllen. Wie zu erwarten, konnte das Denkmal in diesem kurzen Zeitraum allerdings nicht vollendet werden.

Folgende Bildhauer übermittelten ihre Entwürfe: Gustav Jekel, Edwin Grienauer, Alfons Riedel und Franz Santifaller. Die Jury entschied sich einstimmig für das Modell des Tirolers Santifaller. Trotz dieses Beschlusses und obwohl der Bildhauer Hans Mauer seinen Denkmalentwurf außer Konkurrenz eingereicht hatte, bestand Theodor Kardinal Innitzer am 20. Juli 1934 darauf, den Entwurf Mauers umzusetzen. Dieser schien den Vorstellungen Innitzers eher zu entsprechen: Statt gesenktem Blick und nach unten gerichteter Handhaltung – wie beim Entwurf Santifallers – sah das Modell von Mauer einen Marco d’Aviano mit empor gerichtetem Blick und erhobener rechter Hand vor. Der Vertrag mit dem Absolventen der Akademie für Bildende Künste Hans Mauer (1879–1962) wurde fünf Tage später abgeschlossen. Das Marco d’Aviano-Denkmal sollte sein bekanntestes Werk bleiben.

Das Modell wurde in Anpassung an den Aufstellungsort allerdings etwas verändert. So wurden Änderungen am Schrittwechsel der Statue sowie an der Darstellung des Palliums (Umhang) vorgenommen, mit dem Ziel, eine breitere Gesamterscheinung der Statue zu erreichen.

» Das d’Aviano-Denkmalkomitee

Zur Errichtung des Marco d’Aviano-Denkmals wurde ein Denkmal-Komitee gebildet, das u.a. führende Persönlichkeiten der Erzdiözese und des Kapuzinerordens sowie Vertreter der Bundesregierung vereinte. Im Ehrenschutz des Komitees waren sowohl Bundespräsident Miklas als auch Bundeskanzler Schuschnigg, Theodor Kardinal Innitzer, Ernst Rüdiger Fürst Starhemberg u.v.a. vertreten.

Das Ehrenpräsidium bestand aus folgenden Mitgliedern:

  • Präsident: Prof. Dr. Karl Lugmayer, Bundeskulturrat
  • Revisoren: Heinrich Frh. V. Raabl-Werner, General-Intendant; Dr. Vinzenz Rabenlechner, Rechtsanwalt

Ein zusätzlicher Arbeitsausschuss umfasste folgende Personen:

  • Vorsitzender: Prof. Dr. Vinzenz Oskar Ludwig, Stadtpfarrer
  • Organisatorische Leitung: Otto Wiesinger, General der Infanterie
  • Künstlerische Leitung: Johanna Gräfin Hartenau-Battenberg
  • Presse- und Propagandareferent: Alexander Hübner-Marton, Generalmajor
  • Finanzreferent: Josef Wild, Kommerzialrat
  • Generalsekretär: Fr. Urban Roubal, O. M. Cap.
  • Sekretär: Emil Koschak; Karl Fendrich (Hübner-Marton 1935: 65)

» Ein Denkmal, das ins Auge sticht

Das Marco d’Aviano-Denkmal befindet sich in einer Art Freilichtkapelle vor der Kapuzinerkirche am Neuen Markt im 1. Wiener Gemeindebezirk, gleich neben dem Portal zur Kaisergruft. Die dreieinhalb Meter hohe Bronzeskulptur steht auf einem quadratischen Sockel aus Lindabrunner Stein und zeigt den Kapuzinerpater mit Kutte, Bart und Sandalen in Schrittposition. In der rechten hocherhobenen Hand hält er ein Kreuz – eine Darstellung, die schon kurz nach der Entsatzschlacht verwendet wurde und seither immer wieder zum Einsatz kam. Am Sockel des Denkmals ist folgender Text eingemeißelt:

Die Seele der Befreiung Wiens – 12. September MDCLXXXIII

Die Wände und der Fußboden der nach oben offenen Freilichtkapelle sind mit Untersberger Forellenmarmor verkleidet. An den beiden Seitenwänden sind Marmorreliefs nach Entwürfen von Hans Essinger angebracht.

Ein Relief stellt das „Das befestigte Wien zur Zeit der Belagerung 1683“ dar und wurde 1936 von den Innungen Österreichs gestiftet. Das zweite Relief zeigt den „Abstieg des Entsatzheeres vom Kahlenberg, gewidmet von der Schuljugend Österreichs 1935“.

Das Denkmal wird von einem Rundbogentor gerahmt, die Abgrenzung zur Straße bildet ein Renaissance-Kunstschmiedeeisengitter aus Fragmenten von Schönbrunner Beständen, versehen mit Türkenfiguren.

Das Grabmal von Marco d’Aviano befindet sich in der rechten Seitenkapelle der Kapuzinerkirche.

Dieser Raum, der durch seine strengen und klaren Formen und die schlichte Einfachheit die mächtige und zugleich einfache Person des P. Markus von Aviano symbolisieren soll, erscheint hierdurch vollkommen erfüllt (Hübner-Marton 1935: 34).

Die Statue selbst ist „mit direkter Belichtung versehen, so daß es den Anschein hat, daß P. Markus Aviano nur Gott über sich als einzigen Beschützer und Gestalter alles Irdischen anerkannte“ (ebd). „Das Denkmal sollte so zur Aufstellung gelangen, daß es nicht nur im beschränkten Maße zur Schau gebracht wird, sondern daß es selbst von der Kärntnerstraße aus dem Beschauer direkt ins Auge fällt“ (ebd.: 33), was es tatsächlich auch tut.

Anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Zweiten Türkenbelagerung (1983) wurde das Marco d’Aviano-Denkmal renoviert.

» Der furchterregende ‚Türkenbezwinger‘

Marco d’Aviano wurde seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bevorzugt mit hocherhobenem Kreuz in der rechten Hand dargestellt und somit zum voranstürmenden ‚Retter des christlichen Abendlandes‘ stilisiert.

Die erste schriftliche Beschreibung dieser Pose findet sich in einem Geschichtswerk zu 1683 von Onno Klopp aus dem Jahr 1882. Darin schilderte der Historiker erstmals eine Episode der Entsatzschlacht am 12. September 1683, in der Marco d’Aviano mit einem Kreuz in der Hand die Soldaten von einem Hügel aus angefeuert haben soll.

Auch 1891 wurde eben diese Darstellung für ein Medaillonbild von Michael Rieser gewählt, das beim Grabmal Marco d’Avianos, an der linken Wand der rechten Seitenkapelle der Kirche, angebracht wurde. Seither wurde diese Pose zum Standard der Ikonographie d’Avianos.

Das von Hans Maurer [sic] geschaffene Denkmal, das 1935 enthüllt wurde, trägt denn auch deutlich die Züge eines fast furchterregend heranstürmenden ‚Türkenbezwingers‘. (Mayerl 2003)

» Die Bedeutung des Kapuzinermönchs

Der Kapuzinerpater Marco d’Aviano (1631–1699) gilt als ‚Beschützer und Retter des Christentums‘. Zur Zeit der Zweiten Wiener Türkenbelagerung fungierte er als Berater und Seelsorger des Kaisers Leopold I. sowie als päpstlicher Legat.

Er soll 1683 die verbündeten Heerführer Karl V. von Lothringen und Jan III. Sobieski geeint und überlieferungsgemäß am Morgen des Tages der Entsatzschlacht, am 12. September 1683, am Kahlenberg eine Heilige Messe zelebriert haben, die zum Sieg beigetragen haben soll. Es heißt, er sei mit hocherhobenem Kreuz den Soldaten ‚vorangestürmt‘ und habe sie durch seine Predigten motiviert und angefeuert.

D’Aviano nahm auch an weiteren Türkenschlachten teil und er soll dem Kaiser anempfohlen haben, das Marienbild ‘Maria Pócs’ nach Wien zu überführen.

Die Bedeutung Marco d’Avianos wurde v.a. anlässlich von Jubiläen betont und je nach Bedarf unterschiedlich interpretiert – sei es als einigende Kraft zwischen Kirche und Politik, als Beschützer des ‚christlichen Abendlandes‘ und Bezwinger ‚der Türken‘ oder als Symbol für die gemeinsamen ‚christlichen Wurzeln Europas‘ (Mayerl 2003).

» Die Denkmalsenthüllungsfeier am 9. Juni 1935

Das Marco d’Aviano-Denkmal wurde am Pfingstsonntag, den 9. Juni 1935, im Rahmen der Wiener Festwochen (2. bis 15. Juni) feierlich enthüllt. Am Neuen Markt war zu diesem Zweck zwischen der Tegetthoffstraße und der Schwangasse (jetzt neu benannt in Marco-d’Aviano-Gasse) auf einer großen Tribüne ein Feldaltar errichtet worden.

Nach der Begrüßung der Festgäste durch die Mitglieder des Denkmalkomitees, bestehend aus Johanna Hartenau, dem päpstlichen Kämmerer und General der Infanterie Otto Wiesinger und dem Generalmajor Hübner-Marton, wurde die eigens für die Denkmalsenthüllung komponierte Markushymne um 11 Uhr gespielt.

Der Text stammte von Else Anna Kohl, die Musik von Fritz Leeder. Anschließend feierte Theodor Kardinal Innitzer die Festmesse. Danach hielt Bundespräsident Miklas eine Ansprache, in der er die Bedeutung des christlichen Kreuzes angesichts des erstarkenden Nationalsozialismus betonte:

Nun erhebt sich in unserem 20. Jahrhundert eine heidnische Bewegung von Norden her, die uns das Kreuz als unheldisch verekeln, es von den Altären und Türmen verweisen und dem Gespött der Welt preisgeben und verächtlich machen will. Nie und nimmer! Die heutige Feier zu Ehren Markus von Aviano, die zugleich ein Fest der Verehrung des heiligen Kreuzes geworden ist, soll darauf der Welt die klare Antwort geben: Wir lassen nicht vom Kreuze Christi! […] Auch du, Österreich, in diesem Zeichen, und nur in diesem, wirst du siegen. (zit. nach: Wiener Zeitung 11.06.1935: 3)

Damit zitierte der Bundespräsident ein Ereignis aus dem Jahr 312, als Kaiser Konstantin (der Große, 306–324 römischer Kaiser, 324–337 byzantinischer Kaiser) vor der Schlacht an der Milvischen Brücke ein leuchtendes Kreuz erschienen sein soll, das die Inschrift „In hoc signo vinces“ (oder im griechischen Original: τούτῳ νίκα, „damit siege!”) trug. Konstantin soll daraufhin Christus in einem Traum die Anweisung gegeben haben, das Kreuz in der Schlacht gegen seine Feinde als Zeichen zum Einsatz zu bringen. (Darüber berichtet Eusebius, ab 313 Bischof von Cäsarea, in seiner Biographie Konstantins, 1. Buch, Kap. 28–30).

In der Rede des Bundespräsidenten wird daher Marco d’Aviano, der das Christentum errettete und ihm zum Sieg verhalf, auf eine Stufe gestellt mit Konstantin, der dem Christentum zur späteren Durchsetzung verhalf, indem er es zu einer gleichberechtigten Religion machte.

Nach der Rede des Bundespräsidenten wurde das Denkmal feierlich enthüllt und von Kardinal Innitzer geweiht. Vizebürgermeister Dr. Josef Kresse übernahm das Denkmal daraufhin in die Obhut der Gemeinde. Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete die Kranzniederlegung durch das Denkmalkomitee und den Festausschuss, „Dem großen Freund und Helfer Oesterreichs“. Danach ertönte die Bundeshymne.

Neben Bundespräsident Wilhelm Miklas und seiner Gemahlin Leopoldine nahmen folgende hochrangige Personen an der Enthüllungsfeier statt:

  • der Bundesminister Emil Fey
  • die Staatssekretäre Dr. Hans Pernter und Hans Hammerstein-Equord
  • Vizebürgermeister Dr. Josef Kresse
  • die Gesandten Preziosi und von Papen
  • der Landesleiter der Vaterländischen Front Oberstleutnant Seifert
  • eine sechzigköpfige Abordnung aus Aviano und aus Pardenone unter Führung von Podesta Luigi Trevisani.

Zwei Tage vor der Enthüllung des Denkmals, am 7. Juni 1935, wurde die Gasse zwischen dem Neuen Markt und der Kärntnerstraße von ‚Schwangasse‘ in ‚Marco-d’Aviano-Gasse‘ umbenannt.

» Gedenkschriften für Marco d‘Aviano

Bereits 1934 hatte das ‚Markus von Aviano Denkmal-Komitee‘ eine „Denkschrift herausgegeben für die Errichtung eines Ehrenmales für Pater Markus v. Aviano O. M. Cap. in Wien“, um „dem vergessenen geistlichen Führer und Helden der 2. Türkenbelagerung Wiens und dem Retter westeuropäischer Kultur“ „eine alte Ehrenschuld abzutragen“. In dem Aufruf für die Errichtung des Denkmals heißt es:

Dem weisen Mittler,
dem Mitbefreier,
dem Glaubenshelden.

Aufruf.

Anläßlich der 250. Jahrfeier der Türkenbefreiung von 1683 lebte das Andenken an einen Mann wieder auf, der mit heldenmütigem Einsatze seines Lebens einen gewaltigen Anteil hatte an der Sprengung der türkischen Umklammerung Wiens, das Andenken an den einst an allen Höfen Europas bekannten Markus von Aviano, dem Pater im schlichten Kleide des Kapuzinerordens.

Es mag fast unglaublich scheinen, daß der päpstliche Legat der Befreiungsheere, der Berater des Kaisers und der Fürsten, der den guten Ausgang der fürchterlichen Schlachten vorausgesagt hatte und mit einem Kreuze in der Hand an der Spitze der Soldaten dem Halbmonde die Stirne bot, daß dieser Retter westeuropäischer Kultur vergessen werden konnte!

An der großen Erinnerungstafel an der Kirche am Kahlenberge, wo Pater Markus v. Aviano die hl. Messe las, bei der ihm König Sobieski von Polen ministrierte, finden wir nicht einmal seinen Namen. Und als man im Stefansdome das Türkenbefreiungsdenkmal schuf, hatte man dieses Heros – wieder vergessen!

Unter dem Ehrenschutz Sr. Eminenz des hochwürdigsten Herrn Kardinal-Erzbischofs Dr. Theodor Innitzer und des Herrn Bundeskanzlers Dr. Engelbert Dollfuß hat sich ein Denkmalkomitee gebildet, das sich die Ehrenaufgabe stellt, dem einst um unser liebes Vaterland so verdienten Helden bei der Kirche, in der er begraben liegt, ein
EHRENMAL
zu setzen.

Das Markus von Aviano-
Denkmalkomitee
1934.
(Markus von Aviano Denkmal-Komitee 1934: 8)

Darüber hinaus sind in der Denkschrift Statements zur Person Marco d’Avianos und der geplanten Denkmalserrichtung von folgenden wichtigen Persönlichkeiten aus Politik und Kirche enthalten:

  • Kardinal-Erzbischof Dr. Theodor Innitzer
  • Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß
  • Vizekanzler Major Emil Fey
  • Bundesminister für Justiz und Unterricht Dr. Kurt von Schuschnigg
  • Wiener Bürgermeister Richard Schmitz
  • Bundesminister für soziale Verwaltung Odo Neustädter-Stürmer
  • Bundesminister für Finanzen Dr. Heinrich Buresch
  • Bundesminister für Handel und Verkehr Fritz Stockinger
  • Bundesminister für Landesverteidigung Fürst Schönburg-Hartenstein
  • Bundesminister für Verfassung Dr. Otto Ender
  • Bundesführer der Heimwehren Fürst Ernst Rüdiger von Starhemberg
  • Provinzial des Kapuzinerordens Pater Albin Fetzel

Weiters überreichte das d’Aviano-Denkmalkomitee im Jahr 1934

  • Plaketten mit dem Portrait des Kapuzinermönchs (nach dem Entwurf von Julius Trautzl)
  • eine goldene Plakette an den Papst Pius XI., der für Österreich in den Jahren 1919 bis 1923 ein Kinderhilfswerk gestiftet hatte
  • Plaketten in einer silberähnlichen Legierung an alle Denkmalförderer
  • Plaketten aus Bronze, montiert auf kostbarem Onix an den Bundespräsidenten, den Ehrenschutz und das Ehrenpräsidium des Denkmal-Komitees

Auf einer der Plaketten steht zu lesen: „Oesterreichs Dank an die italienische Nation für das großherzige Hilfswerk und dem Gedenken Benito Mussolinis befreiender Tat 1919–1933“ (ebd.: 28).

Im Jahr der Denkmalsenthüllung veröffentlichte Vinzenz Oskar Ludwig, Priester und Mitglied des Marco d’Aviano-Denkmalkomitees, die Biografie „Markus von Aviano. Der Retter Europas“. Die Schrift wurde von Papst Pius XI. in einer Audienz der Abgeordneten des Komitees am 11. April 1935 gesegnet. Ludwig schreibt darin:

Wenn sich in den gegenwärtigen gewitterschweren Zeitläufen nicht nur Wien und Österreich, sondern auch das ganze christliche Europa eines Mannes erinnert, der mit einer gottbegnadeten Sendung betraut und durch die Vorsehung auserwählt erschien, ein wahrhafter Retter dieses Europas zu werden, so lenkt sich die Aufmerksamkeit weitester Kreise auf die Erkenntnis des großen Lebenswerkes, aber auch auf die Erkenntnis der säkularen Bedeutung dieses Mannes zumal für unsere Zeit hin. Es muß deshalb geradezu als zeitnotwendig empfunden werde, daß man in diesen Tagen darangeht, eine Dankesschuld endlich abzutragen, die man gegenüber diesem ‚Retter‘ bis heute noch immer zu erstatten versäumt hat. (Ludwig 1935: 15f.)

Ein weiteres Mitglied des Denkmalkomitees, Alexander Hübner-Marton, gab 1935 eine Gedenkschrift mit dem Titel „Zum Gedenken an Markus von Aviano. Zur Weihe des Denkmals für Markus von Aviano am 9. Juni 1935 in Wien“ heraus. Darin enthalten sind sowohl biografische Informationen über Marco d’Aviano sowie seine Bedeutung von 1683 bis heute u.a. vom Bundeskulturrat Dr. Hans Freiherr von Zessner-Spitzenberg, Dr. Vinzenz Oskar Ludwig, dem Fürsterzbischof Dr. Adam Hefter, dem Bildhauer des Marco d’Aviano-Denkmals Hans Mauer und Alexander Hübner-Marton selbst. Papst Pius XI. bezeichnet den Kapuzinermönch in seinem Text als großes Vorbild, indem er schreibt:

Möge Markus von Aviano die Österreicher, die er trotz schwerster Not im Kampfe für Altar und heimischen Herd zum glorreichen Sieg befeuerte und die ihm jetzt zu Wien ein Ehrenmal errichten, gleiche Hochherzigkeit in allen Schwierigkeiten lehren, damit ihr in ernster Zeit ungebrochener Mut gute Früchte für Kirche und Staat zeitige. Pius XI., aus dem Vatikan, 28. April 1935 (ebd.: 3)

Weitere Kurz-Statements zum Thema stammen von:

  • Ignacy Mościcki, Präsident der Republik Polen
  • Kardinal-Erzbischof Justinian Serédi, Fürstprimas von Ungarn
  • Kardinal-Erzbischof Dr. Theodor Innitzer
  • Richard Schmitz, Bürgermeister von Wien, Vizekanzler a. D.

Marco d’Avianos Wirken war seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert in zahlreichen Erinnerungsschriften gewürdigt worden (u.a. Stock 1899; Héyret 1931) und sein Andenken sollte bis zuletzt in Wien hochgehalten werden.

» Die Marcus-von-Aviano-Hymne

Vinzenz Oskar Ludwig verfasste nicht nur eine Biografie über das Leben und Wirken Marco d’Avianos, sondern widmete dem Kapuzinermönch 1935 auch eine eigene Hymne, die von Max Egger vertont wurde. Der Text lautet folgendermaßen:

Aviano, auserkoren
in Italias Wunderland,
dir ward jener Held geboren,
uns zum Heil von Gott gesandt!
Kühn auf Gottes Gnadenwegen,
kämpfend unterm Kreuzpanier,
führt das Heer dem Feind entgegen
Markus, aller Helden Zier.
Hilft den Schwachen, lehrt die Großen,
leitet sonder Rast und Ruh’
betend, mahnend, unverdrossen
Seelen dem Christkönig zu.
In Franziskus’ Armutskleide,
segnend mit dem Kreuzesstab,
Christi Schäflein führt zur Weide
Markus aus der Sünden Grab.
Löscht die Zwietracht, stärkt die Zagen,
weckt mit Flammenfeuerwort,
freudig Gut und Blut zu wagen,
Streiter um des Heiles Hort.
Christi Herold woll’n wir hören,
seinem Vorbild zugewandt,
ew’ge Treue laßt uns schwören
Gott und unsrem Vaterland!
(Ludwig 1935: 123)

» Literatur

Dettenweitz, P. Jesuald (1933): Marco d’Aviano in der Kunst. In: Grauer, Karl Johannes/ Winter, Ernst Karl/ Zessner-Spitzenberg, Hans Karl von (Hg.) (1933): Marco d’Aviano. Sein Werk und seine Zeit. Eine Festschrift zum 250. Jahrestag der Türkenbefreiung. Wien, 107–114.

Héyret, Maria (1931): Apostolischer Missionär und päpstlicher Legat beim christlichen Heere. Zur Erinnerung an die 3. Jahrhundert-Feier seiner Geburt. München.

Hübner-Marton, Alexander (1935): Zum Gedenken an Markus von Aviano. Zur Weihe des Denkmals für Markus von Aviano am 9. Juni 1935 in Wien. Wien.

Krasa, Selma (1982): Das historische Ereignis und seine Rezeption. Zum Nachleben der Zweiten Türkenbelagerung Wiens in der österreichischen Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. In: Historisches Museum der Stadt Wien (Hg.): Die Türken vor Wien. Europa und die Entscheidung an der Donau 1683. Salzburg/Wien, 304–317.

Ludwig, Vinzenz Oskar (1935): Markus von Aviano. Der Retter Europas. Kleine Historische Monographien, Nr. 49. Wien.

Luksan, Martin/ Schlösser, Hermann/ Szanya, Anton (2007): Heilige Scheine. Marco d’Aviano, Engelbert Dollfuß und der österreichische Katholizismus. Wien.

Markus von Aviano Denkmal-Komitee (Hg.) (1934): Denkschrift herausgegeben für die Errichtung eines Ehrenmales für Pater Markus v. Aviano O.M. Cap. in Wien. Wien.

Marco d’Aviano (2000) Materialien zur 238. Wechselausstellung der Wiener Stadt- und Landesbibliothek [Konvolut]. Wiener Stadt- und Landesbibliothek. Wien.

Mayerl, Br. Erhard (2003): Marco d’Aviano und Österreich. https://www.kapuziner.at/wien/marco/aviano-erhard2.pdf (bis 2008 abrufbar, nach Relaunch der offiziellen Webpage der Kapuziner jedoch nicht mehr online).

Pisa, Johanna/ Wasner-Peter, Isabella (2000): Marco d’Aviano. Prediger und Diplomat. Katalog der 238. Wechselausstellung der Wiener Stadt- und Landesbibliothek (Juni – Dezember 2000). Wien.

Pötschner, Angelina (2009): Wien, die kaiserliche Residenzstadt. Ein Führer durch das imperiale Wien: Hofburg, Schönbrunn, Belvedere, Ringstraße. Von Maria Theresia bis zu Franz Joseph und dem Mythos ‚Sisi’, Wien.

Reichspost (11.06.1935): Feierliche Einweihung des Marco-d’Aviano-Denkmals, 4, 23.09.2009.

Stock, Norbert (1899): P. Marcus von Aviano. Priester und Missionär aus dem Kapuzinerorden. Zur 200jährigen Säcularfeier seines Todes. Brixen.

Suppanz, Werner (1998): Österreichische Geschichtsbilder. Historische Legitimationen in Ständestaat und Zweiter Republik. Köln/Weimar/Wien.

Wiener Zeitung (11.06.1935): Die Weihe des Aviano-Denkmales, 3, 21.09.2009.