Mogersdorf, Friedensstein

Text: Simon Hadler

Mit dem 1984 errichteten Friedensstein wird der Gefallenen der osmanischen Armee in der Schlacht von Mogersdorf/Szentgotthárd am 1. August 1664 gedacht. Das Denkmal steht in einer Reihe weiterer Gedächtnisstätten, die sich in der südburgenländischen Marktgemeinde befinden.

» Das Ende eines Krieges

Die Schlacht bei Mogersdorf/Szentgotthárd war der Höhe- und Schlusspunkt der seit 1663 anhaltenden militärischen Auseinandersetzung zwischen den Osmanen unter Großwesir Ahmed Köprülü und der kaiserlichen Armee, die durch ungarische, kroatische, deutsche und sogar französische Kontingente unterstützt wurde. Unter Oberbefehlshaber Raimondo Montecuccoli war es den Alliierten gelungen, das Übersetzen der osmanischen Hauptarmee über die Raab zu verhindern und ihr damit den Weg in Richtung Wien zu versperren. Nur wenige Tage später beendete der Waffenstillstand von Vasár/Eisenburg den Krieg.

» Ein Denkmal für die türkischen Gefallenen

Schon bald nach der gewonnenen Schlacht erschienen Flugblätter und bildliche Darstellungen, welche die Kunde vom Triumph gegen den Erbfeind verbreiteten. Auch erste Denkmäler ließen nicht lange auf sich warten: Um 1670 wurde beispielsweise die Annakapelle in Mogersdorf errichtet und auch die Mariensäule in Graz stammt aus dieser Zeit (Barbarics-Hermanik 2013). Ähnliche Säulen gibt es seitdem auch in den steirischen Gemeinden Fürstenfeld, Gleisdorf oder Mureck (vgl. Born 2013, Feichtinger 2013). 1840 folgte in Mogersdorf die Errichtung des Weißen Kreuzes nahe dem Ort, an welchem die sterblichen Überreste vieler Gefallener gefunden worden sein sollen und der Türkenfriedhof genannt wird. Erinnert das Weiße Kreuz an die „tapferen Helden“, die im Kampf für „Gott, Kaiser und Vaterland“ den Tod gefunden haben, so wurde der Friedensstein zum Gedenken an die Opfer der Gegenseite errichtet. Damit stellt er im Rahmen der Erinnerung an die Türkenkriege eine tatsächliche Ausnahme dar, vergleichbar nur mit der 1913 angebrachten Gedenktafel an der Kirche von Turbék im ungarischen Szigetvár und dem dort 1994 initiierten Park der ungarisch-türkischen Freundschaft.

» Im Namen des Friedens und der Freundschaft

Der Friedensstein wurde im Rahmen des Landeskulturtages am 26. Mai 1984 enthüllt. Zu diesem Anlass waren der burgenländische Landeshauptmann Theodor Kery (1918–2010) und der türkische Botschafter Erdem Erner nach Mogersdorf gekommen, um an der „Internationalen Friedensfeier“ teilzunehmen. Zum Programm gehörten auch Auftritte von Chören und Folkloregruppen sowie die Pflanzung von „Friedensfichten“ (Burgenländische Gemeinschaft 5/6 1984: 3). In seiner Rede betonte der Botschafter, dass „ein bereits in die Geschichte eingegangener blutiger Krieg eine Brücke schlagen kann, für eine weitere Vertiefung und weitere Verstärkung der Freundschaft und Brüderlichkeit zwischen zwei Nationen, die sich vor 320 Jahren in diesem Krieg gegenübergestanden sind.“

Danach lobte der Botschafter die Art und Weise, wie ein Jahr zuvor der dreihundertste Jahrestag des Wiener Entsatzes gefeiert wurde und kritisierte umgekehrt jene, „die dunkle Blätter der Geschichte nachschlagen und die vergangene Ereignisse dafür verwenden, um heute zwischen den Nationen Haß und Feindseligkeit zu säen [...].“ Er schloss mit den Worten: „Als Mensch begrüße ich im Namen des Friedens und der Freundschaft dieses beispielhafte Verhalten mit hoher Würdigung, das größte Anerkennung verdient und dessen Bedeutung und dessen Größe mit dem Ausmaß dieses Gedenksteines nicht zu vergleichen ist.“ (Burgenländische Gemeinschaft 7/8 1984: 2)

Die 1,6 m hohe, auf einem Sockel stehende Stele stammt vom burgenländischen Künstler Thomas Resetarits. Ein abstrahierter Kranz umfängt das Denkmal, an welchem an der Vorder- und Rückseite folgende Inschrift in deutscher und türkischer Sprache zu lesen ist:

Den im Jahre 1664 gefallenen türkischen Soldaten gewidmet – Friede allen die hier ruhen.

An den beiden übrigen Seiten ist das Wort „Friede“ in verschiedenen Sprachen zu lesen (vgl. mogersdorf.at)

» Literatur

Barbarics-Hermanik, Zsuzsa (2013): ,Türkensterz à la Graz?‘. Motive und Bilder aus dem ,Türkengedächtnis‘ der steirischen Landeshauptstadt. In: Feichtinger, Johannes; Heiss, Johann (Hg.): Geschichtspolitik und „Türkenbelagerung“. Kritische Studien zur „Türkenbelagerung“. Bd. 1. Wien, 211–234.

Born, Robert (2013): Marien- und Dreifaltigkeitssäulen. In: Bahlcke, Joachim; Rohdewald, Stefan; Wünsch, Thomas (Hg.): Religiöse Erinnerungsorte in Ostmitteleuropa. Konstitution und Konkurrenz im nationen- und epochenübergreifenden Zugriff. Berlin, 396–409.

Burgenländische Gemeinschaft (5/6 1984): Der Landeskulturtag 1984 in Mogersdorf, 3.

Burgenländische Gemeinschaft (7/8 1984): Ansprache von Herrn Botschafter Erdem ERNER anläßlich der Enthüllung des Gedenksteines in Mogersdorf am 26. Mai 1984, 2.

Feichtinger, Johannes (2013): Maria Hilf! ,Türkengedächtnis‘ und Marienkult in Wien (16. bis 21. Jahrhundert). In: Feichtinger, Johannes; Heiss, Johann (Hg.): Geschichtspolitik und „Türkenbelagerung“. Kritische Studien zur „Türkenbelagerung“. Bd. 1. Wien, 24–57.

mogersdorf.at: Kulturbauten. 03.07.2014.