Warschau, Sobieski-Denkmal im Königlichen Łazienki-Park

Text: Anna Ziemlewska

Am 105. Jahrestag der Schlacht bei Wien wurde im Łazienki-Park bei Warschau ein Denkmal Jan III. Sobieskis enthüllt. Das Monument wurde bereits im 17. Jahrhundert begonnen und schließlich von André Lebrun und Franciszek (Franz) Pinck fertiggestellt. Mit der feierlichen Inszenierung der Erinnerung an Sobieski erhoffte sich der amtierende König Stanisław August Poniatowski Unterstützung für seine eigenen Regierungsvorhaben.

» Sobieski als Instrument königlicher Propaganda

Das vom Hofbildhauer des Königs Stanisław August Poniatowski, Franciszek Pinck, geschaffene Denkmal wurde am 14. September 1788 auf der Agricola-Brücke enthüllt. Es zeigt Sobieski als Feldherrn auf seinem Pferd reitend, unter ihm ein nackter, offenbar um Gnade flehender Türke.

Die Figur ähnelt sehr der barocken Reiterstandskulptur im Wilanów-Palast und war Bestandteil eines von König Stanisław August geschaffenen umfassenden Programms zur Ehrung des Jan III. Sobieski als eines Reformers und berühmten Feldherrn. Maßnahmen wie die Veranstaltung des 100jährigen Jubiläums des Entsatzes von Wien, das Stiften des Sobieski-Sarkophags in der Wawel-Krypta, die prunkvolle Enthüllung des königlichen Łazienki-Denkmals 1788 mit dem dazu gehörenden Pomp (es standen u.a. Ritterspiele, ein allegorisches Ballet und Feuerwerke am Programm (Rożek 2008: 69–71)) – sie dienten alle sowohl dem Prestigegewinn von König Stanisław August als auch seinem Ziel, die Polen von seiner Idee einer Koalition mit Russland und Österreich im Kampf gegen die Osmanen zu überzeugen. Stanisław August gelang es jedoch nicht, seine ehrgeizigen politischen und militärischen Pläne zu verwirklichen; es blieb lediglich bei der Stiftung einiger Kunstprojekte. (Zakrzewski u.a. 2008: 165–172) Die Ablehnung der königlichen Initiativen manifestierte sich in Spottgedichten wie folgendem:

„Hunderttausend für ein Denkmal!
Zweimal mehr möcht‘ ich geben,
Würde Stanisław zu Stein
und Jan III. leben.“ (Thomsen 2012: 188)

» Literatur

Rożek, Michał (2008): Zwycięstwo Jana III Sobieskiego pod Wiedniem. Echa wiktorii, Kraków.

Thomsen, Martina (2012): Prinz Eugen und Jan III. Sobieski. Der Ruhm des Siegers. Um den Vorrang im nationalen und europäischen Heldenpantheon. In: Hahn, Hans Henning/ Traba, Robert (Hg.): Deutsch-Polnische Erinnerungsorte. Band 3: Parallelen. Unter Mitarbeit von Maciej Górny und Kornelia Kończal. Paderborn. S. 182–201.

Zakrzewski, Leszek S./ Walkowski, Zygmunt/ Podlasiecka, Maria (2008): Warszawskie spotkania z Janem III Sobieskim. Warszawa.