Aigner, Josef Matthias

Text: Johann Heiss

Josef Matthias Aigner wurde am 18. Januar 1818 in Wien als Sohn eines Goldschmieds geboren. Er war Maler und Schüler von Friedrich von Amerling. 1847 heiratete er die Burgschauspielerin Fanny Matras. Im Jahr 1848 wird er als „Portraitmahler und Commandant der bestandenen Akademischen Legion“ bezeichnet; als solcher leitete er insbesondere „die Vertheidigung der Taborstraße gegen die k.k. Truppen“ im Oktober d. J. unter Feldmarschall-Lieutenant Baron Joseph Jelačić (Wiener Zeitung, 24.11.1848: 1). Der „Verbindung mit der Ungarischen Insurrection“ beschuldigt, womit „die Gesammtheit der Monarchie und die Sicherheit des constitutionellen Thrones in Gefahr gesetzt wurde“, wurde Aigner am 21. November zum Tod durch den Strang verurteilt, jedoch schon am 23. d. M. vom Oberkommandierenden Feldmarschall Alfred von Windischgraetz wieder begnadigt.

1867/68 kopierte der Maler Aigner für Kaiser Maximilian von Mexico Portaits aus dem Belvedere.

Aigner war von 1883 bis zu seinem Tod liberaler Wiener Gemeinderat. Dementsprechend setzte er sich als Mitglied des sogenannten „Fortschrittsclubs“ für die Erhaltung Wiens als deutsche Stadt ein. Als Bezirksschulrat wandte er sich gegen die Eröffnung einer tschechischen Schule in Wien. (Czeike 1992: 29)

Auch war er bis zu seinem Selbstmord Präsident des „Liebenberg-Denkmal-Comitès“. Im Nachruf in der „Presse“ heißt es dazu: „Ein besonderes Verdienst erwarb er sich durch die Einleitung der Sammlungen für das Liebenberg-Denkmal. Es war ihm kein Schritt zu viel, keine Mühe zu groß, um den Fonds für dieses Denkmal aufzubringen. Erst in allerjüngster Zeit wendete er sich wieder an Se. Majestät den Kaiser mit der Bitte um einen Beitrag für den Fonds, und ebenso wendete er sich an andere Mitglieder des Allerhöchsten Kaiserhauses, von denen er bereits günstige Antworten erhalten hat.“ (Die Presse, 19.02.1886: 2) Als Präsident des „Liebenberg-Denkmal-Comitès“ folgte ihm Friedrich Freiherr von Leitenberger nach.

Unter anderem stammten von Aigner Portraits von Kaiser Franz Joseph, Franz Grillparzer, Friedrich Halm sowie ein unvollendetes Portrait des Dichters Nikolaus von Lenau, dem er auch einen Artikel („Lenau’s Portrait, aus meinem Skizzenbuche“) in Ludwig Frankls „Zu Lenau’s Biographie“ (Wien 1854) widmete (vgl. Wurzbach 1856: 9).

Aigner beendete am 18. Februar 1886 in seiner Villa in Wien Pötzleinsdorf sein Leben selbst, indem er sich erhängte; es hieß, „Gemeinderath Aigner befand sich seit einigen Wochen in einem Gemüthszustande, der an Trübsinn grenzte“ (Die Presse, 19.02.1886: 2).

Im Jahr 1921 wurde Aigner zu Ehren im 20. Bezirk (Brigittenau) die Aignerstraße benannt, die seit 1999 Aignersteg heißt.

» Literatur

Czeike, Felix (1992): Historisches Lexikon Wien. Band 1. Wien.

Josef Matthias Aigner, in: Österreichisches Biographisches Lexikon (ÖBL) 1815–1950. Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 11.

Die Presse (19.02.1886), Abendblatt: Gemeinderat Aigner †, S. 2, 28.09.2009.

Amtlicher Theil Wiener Zeitung (24.11.1848), S. 1, 28.09.2009.

Wikipedia: Joseph Matthäus Aigner, 28.09.2009

Wurzbach, Constantin von (1856): Aigner, Joseph Mathäus, in: Biographisches Lexikon des Kaisertums Österreich, Bd. 1, 11.11.2010..