Klopp, Onno

Text: Johanna Witzeling

Der Publizist und Historiker Onno Klopp, 1822 in Ostfriesland geboren, kam 1866 nach Wien, wo er im Jubiläumsjahr 1883 den heldenhaften Einsatz der Wiener Bürger im Kampf gegen die Türken 1683 infrage stellte. Der liberale Wiener Gemeinderat und der Bürgermeister Eduard Uhl zeigten sich daraufhin empört und beauftragten den Archivdirektor Karl Weiss mit der Abfassung eines Gutachtens. Die Auseinandersetzung mündete in einen heftigen Denkmalstreit.

» Werdegang

Onno Klopp (Pseudonym J.VOTA), geboren am 9. Oktober 1822 im ostfriesischen Leer, studierte nach seiner Schulausbildung in Leer und Emden von 1841 bis 1845 an den Universitäten Bonn, Berlin und Göttingen klassische Philologie, evangelische Theologie, Geschichte und Philosophie. 1845 qualifizierte er sich in Göttingen für das höhere Lehramt, 1846 erwarb er das Doktorat.

Zunächst arbeitete Klopp als Lehrer am Ratsgymnasium Osnabrück. Zugleich war er auch als Journalist und Schriftsteller tätig. Als Mitarbeiter im radikal-demokratischen ‚Osnabrücker Tagesblatt‘ und im ‚Osnabrücker Arbeiterbildungsverein‘ engagierte er sich 1848/49 für „romantisch-nationale aber auch sozialreformerische Ideen“ (Matzinger, in: Biographisches Lexikon für Ostfriesland). Berufliche Sanktionen beendeten schließlich seine Aktivitäten als Mitarbeiter und Kolumnist der genannten Blätter.

Unterstützte Klopp während der Märzrevolution 1848 noch die Demokraten, so veränderte sich seine politische Haltung später grundsätzlich und er nahm einen eher konservativen großdeutschen Standpunkt ein. Ab 1852 arbeitete Klopp an seinem dreibändigen Werk über die „Ostfriesische Geschichte“. Mit dem dritten Band erregte er 1858 aufgrund seiner antipreußischen Haltung Aufsehen. Klopp widersetzte sich den preußischen Ansprüchen auf Ostfriesland und verteidigte die Souveränität des Königreichs Hannover, dessen letzter König Georg V. war. Dieser hatte die liberale Verfassung von 1848 aufgehoben und für die Politik Preußens nur Abneigung übrig. Auf Klopp wurde König Georg V. aufgrund seiner ebenfalls antipreußischen Haltung aufmerksam, und er unterstützte ihn bei einer Auseinandersetzung mit dem ostfriesischen Landratskollegium um die Subventionen seiner „Ostfriesischen Geschichte“. 1858 übersiedelte Klopp nach Hannover, 1861 wurde er von Georg V. mit der Herausgabe der staatswissenschaftlichen Werke von Gottfried Wilhelm Leibniz beauftragt. 1865 erfolgte die Ernennung zum Archivreferenten für die hannoverschen Staatsarchive, 1866 unterstützte Klopp als Sekretär und Kurier den König im Feldzug gegen Preußen.

» Der Historiker Klopp als politische Figur

Klopp bekämpfte das preußische Vormachtsstreben in Deutschland. Wie König Georg V. verteidigte er den status quo. Klopp war bekannt als „Kritiker Friedrichs des Großen und Preußens, als Verteidiger Tillys [des katholischen Heerführers im Dreißigjährigen Krieg] und Propagandist eines großdeutsch-habsburgischen Kaisertums“ (Matzinger, in: Biographisches Lexikon für Ostfriesland).

Seine Schriften richteten sich vorwiegend gegen die „kleindeutschen Geschichtsbaumeister“ (ÖBL) mit ihrer Propaganda für ein kleindeutsches Geschichtsbild im Vorfeld der deutschen Reichsgründung (unter anderem die preußischen Historiker Heinrich von Sybel (u.a. Leopold von Rankes Schüler) oder Ludwig Häusser). Auch zu Ranke stellte er sich schließlich in Opposition. Sympathien zeigte er für den Deutschen Bund und für Österreich.

» Onno Klopp in Wien

Im Juli 1866, nach der Kapitulation Hannovers in der Schlacht bei Langensalza, zog Klopp gemeinsam mit König Georg V. und seiner Familie ins Wiener Exil in die Nähe von Schönbrunn. Georg V. hatte aus Angst vor den Verlust seiner Souveränität ein Bündnis mit Preußen gegen Österreich abgelehnt. Klopp verblieb ein Verbündeter des Königs.

In Wien stellte er sich in der Zeit des liberalen Aufbruchs auf die Seite der konservativen, römisch-katholischen Opposition und betätigte sich als Verbindungsmann zu adelig-konservativen Kreisen. Auch zählte Klopp zu den Mitarbeitern der hochkonservativen Zeitung ‚Das Vaterland. Zeitung für die österreichische Monarchie’. Ab 1871 arbeitete er wieder verstärkt als Historiker, unter anderem verfasste er ein sehr ausführliches Werk zum ‚Türkenjahr‘ 1683, mit dem er zahlreiche Debatten auslöste, v.a. rund um den Beitrag der Wiener Bürgerschaft am Entsatz 1683 (siehe “Onno Klopp greift an”).

Seit 1872 österreichischer Staatsbürger, konvertierte Onno Klopp 1873 zum römisch-katholischen Glauben. Seinen Übertritt zum Katholizismus dokumentierte auch sein immer stärker werdendes katholisch unterfüttertes großdeutsches Geschichtsbild. In den Jahren 1876–1885 unterrichtete Klopp die beiden Söhne des Erzherzogs Karl Ludwig, Franz Ferdinand und Otto, im Fach Geschichte. Als scharfer Kritiker des Liberalismus und Freund des katholischen Sozialreformers Karl von Vogelsang unterstützte er die christlichsoziale Bewegung und den Aufstieg Karl Luegers in Wien. Die liberale Wiener Stadtregierung sah in Klopp eine öffentliche Hassfigur ersten Ranges.

» Das Jubiläum 1883: Kritik an den Wiener Bürgern von 1683

In seinem 1882 im Grazer Styria-Verlag erschienenen Werk „Das Jahr 1683 und der folgende große Türkenkrieg bis zum Frieden von Carlowitz“ kritisierte Klopp in öffentlichen Sendschreiben das Verhalten der Wiener Bürger während der Belagerungszeit (siehe “Onno Klopp greift an”). Der liberale Wiener Gemeinderat, der stolz auf die tapferen Wiener Bürger von 1683 zurückblickte, setzte sich ebenso wie der Bürgermeister Eduard Uhl zur Wehr. Uhl beauftragte den Archivdirektor Karl Weiss mit der Abfassung eines Gutachtens. Die Auseinandersetzung mündete in einen heftigen Denkmalstreit (siehe “Streit der Historiker” bzw. “Onno Klopp und die Medien”).

» Onno Klopp verstirbt 1903 in Wien

Onno Klopp verstarb am 9. August 1903 in Wien Penzing. Die Onno Klopp-Gasse im 14. Wiener Gemeindebezirk wurde am 18. Mai 1904 (Csendes 1983: 41) benannt. Weiters gibt es eine Onno-Klopp-Straße in seinem Geburtsort Leer in Ostfriesland.

» Literatur

Berner, Ernst [Rezension]: Onno Klopp: Das Jahr 1683 und der folgende große Türkenkrieg bis zum Frieden von Carlowitz 1699. Graz, Styria 1882. In: Historische Zeitschrift 56 (1886), 278–280.

Csendes, Peter (1983): Erinnerungen an Wiens Türkenjahre. Wien/München.

Klopp, Onno (1882a): Zur Zweiten Säcular-Feier des 12. September 1683. Wiederabdruck der Anfrage des Herrn Bürgermeisters Uhl und der zwei offenen Sendschreiben von Onno Klopp an denselben, mit einem Votum für die Säcularfeier. Graz.

Klopp, Onno (1882b): Das Jahr 1683 und der folgende große Türkenkrieg bis zum Frieden von Carlowitz 1699. Graz.

Landschaftsbibliothek/ Biographisches Lexikon für Ostfriesland: Onno Klopp, verfasst von Lorenz Matzinger, 06.04.2009.

Onno Klopp. In: Österreichisches Biographisches Lexikon (ÖBL) 1815–1950. Bd. 3 (Lfg. 15, 1965), 419, 06.04.2010.

Patricius Schlager (1913): Onno Klopp. In: Catholic Encyclopedia. New York, 25.01.2011.

Wikipedia: Onno Klopp, 20.04.2009.

Onno Klopp im Österreichischen Bibliothekenverbund