Andenken an Jan III. Sobieski in polnischen Schatzkammern und Museen

Text: Anna Ziemlewska

Objekte, die als Andenken mit Jan III. Sobieski verbunden sind, findet man in Parkanlagen und in Kirchen, aber auch in Schatzkammern und Museen – in ehemaligen Königsresidenzen, in Nationalmuseen und in den Sammlungen großer Adelsfamilien. Diese Institutionen organisierten anlässlich der Jubiläen des Wiener Entsatzes von 1683 Ausstellungen (1883, 1933, 1983, 2008) und sie erinnern an die Person des Königs, die Tragweite seiner Siege und den Ruhm der polnischen Armee. Einige Gegenstände aus ihren Sammlungen, verbunden mit dem Wiener Feldzug und der späteren Glorifizierung von Jan III. Sobieski, verdienen besondere Aufmerksamkeit: die Trophäen (der Steigbügel der Großwesirs, Fahnen und Zelte, Geschenke an die Basilika von Loreto), das Schutzschild sowie ein Ziertablett mit einer Szene des Triumphzugs des königlichen Paares.

» Der Steigbügel des Großwesirs Kara Mustapha

Am 16. September 1683 kam der königliche Abgesandte Filip Dupont in Krakau an. Zusätzlich zu der mündlichen Information über den Sieg bei Wien hatte er für die Gattin des Königs Maria Kazimiera einen Steigbügel, verloren vom Großwesir während der Flucht vom Schlachtfeld. Auf Wunsch der Königin wurde der Steigbügel als eine Votivgabe im Dom untergebracht, in der Nähe des Kruzifixes der Königin Jadwiga (Hedwig).

Nach dem Jahr 1803 wurde die Trophäe an Izabela Czartoryska überreicht. Die Fürstin gründete in ihrer Residenz in Puławy ein privates Museum und sammelte dort mit größter Vorliebe die für Polen wichtigen historischen Andenken. Der Steigbügel teilte das Schicksal vieler Sammelstücke aus Puławy: Während des Novemberaufstandes (1830-1831) wurde er auf das Landgut in Sieniawa (Galizien) fortgeschafft und anschließend nach Paris gebracht.

Erst im Jahre 1876 kam er wieder in Krakau an und wurde von Fürst Władysław Czartoryski dem Dom zurückgegeben, wo die Trophäe ihren alten Platz beim Kruzifix einnahm. Gegenwärtig befindet sich der Steigbügel in der Domschatzkammer. (Odsiecz wiedeńska 1683: 297; Tron pamiątek 1696-1996: 147)

» Das Schutzschild von Jan III. Sobieski

Das Schild wurde im Jahre 1679 auf dem Dachboden des Krakauer Doms gefunden. Es wurde in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts in Italien hergestellt und ist mit einem Flachrelief verziert, welches die Schlacht Konstantins gegen Maxentius im Jahre 312 darstellt. Über den aufeinander prallenden Truppen wurden Christus am Kreuz und ein Engel mit einer Tafel in der Hand platziert, auf der ein lateinischer Vers, welcher den Sieg im Namen des Kreuzes über die Ungläubigen ankündigt, zu sehen ist. Die darin enthaltene Anspielung auf die gegenwärtigen Ereignisse führte dazu, dass das Krakauer Domkapitel das Schild dem König schenkte, als Symbol guter Weissagung vor der Schlacht gegen die Osmanen. Vermutlich begleitete der Gegenstand den König während des Feldzuges im Jahre 1683, später wurde das Schild in der Residenz der Familie Sobieski in Żółkiew aufbewahrt. Im Jahre 1740, nach dem Tod des letzten Mitglieds der Dynastie, der Prinzesin Maria Karolina, ging es in das Eigentum der Familie Radziwiłł über. Anfang des 19. Jahrhunderts übergab Fürst Dominik Radziwiłł das Schild zusammen mit vielen anderen Andenken an den König den Sammlungen der Fürstin Izabela Czartoryska in Puławy. (Odsiecz wiedeńska 1683: 211; Tron pamiątek 1696-1996: 131)

» Ziertablett mit einer Szene des Triumphzugs von Sobieski und Maria Kazimiera

Laut einiger Überlieferungen stellt das Werk des Goldschmieds Johann Gottfried Holl ein Geschenk der Danziger Bürger dar, die damit einem großen Feldherren und seinen Beziehungen zum Haupthafen von Polen-Litauen gedenken wollten. Im Bewusstsein der Polen hat sich jedoch die Meinung gefestigt, dass das silberne Ziertablett – zusätzlich mit Gold gefüllt – von den Krakauer Bürgern an Jan III. Sobieski überreicht wurde, als er im Dezember 1683 triumphal das Stadttor durchschritt. Bis zum Tod des Königs befand sich das Geschenk in Wilanów, später wurde es weggebracht und kam erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts – dank August Potocki, der das Tablett in Petersburg gekauft hatte – in die Lieblingsresidenz Sobieskis zurück. (Gołąbek 2008: 84f; Rożek 2008: 37)

» Geschenke an die Basilika von Loreto – eine bei Parkany eingenommene Fahne…

Ein Teil der Trophäen vom Wiener Feldzug kam nach Rom und Loreto. Papst Innozenz XI. bekam eine Fahne des Sultans. Zuerst hing sie im Petersdom in Vatikan, später in der Lateranbasilika. Das Geschenk erreichte den Papst zusammen mit einem Brief vom König, der mit den Worten begann: „Venimus, vidimus, Deus vicit” – eine Paraphrase der berühmten Äußerung von Julius Cäsar.

Jan III. Sobieski schenkte die in der Schlacht bei Parkany (Barcan in Ungarn) eingenommene Fahne dem Sanktuarium der Madonna di Loreto (das Schicksal dieses Gefechts gegen die Truppen des Kara Mehmed Pascha vertraute der König der Madonna di Loreto an, die Fahne stellte eine Votivgabe für den Sieg und die Errettung dar). Anlässlich der feierlichen Übergabe wurde eine Gedenktafel eingemauert, eine Papst-Medaille geprägt und eine Gedenkbroschüre herausgegeben. Die Fahne befand sich in Loreto bis Ende des 18. Jahrhunderts. Dort stießen die Soldaten der Polnischen Legion, die an der Seite von Napoleon in Italien kämpften, auf sie. Nach einigen Interventionen bei französischen und römischen Stellen wurde sie aus dem Sanktuarium entfernt und im Jahre 1798 dem Befehlshaber der polnischen Truppen, Jan Henryk Dąbrowski (1755–1818), überreicht. Dieses Ereignis hatte große symbolische Bedeutung für die weit entfernt von der Heimat vermeintlich für die Unabhängigkeit Polens kämpfenden Soldaten (nach der Dritten Teilung im Jahr 1795 war Polen-Litauen von der Landkarte Europas verschwunden). Die Bedeutung dieser Geste war umso größer, da die Fahne damals als die heilige Fahne des Propheten galt. Zusammen mit der polnischen Legion kehrte sie zurück auf das Gebiet des früheren Polens. Als eine Art nationales Palladium wurde sie von Jan Henryk Dąbrowski in seinem Gut in Winnogóra aufbewahrt.

Im Jahr 1818 vermachte der General sie zusammen mit anderen Andenken der Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften in Warschau. Die Fahne wurde im Jahre 1829 verwendet, als man die Einweihung jener Kapelle in der Kapuzinerkirche feierte, in der das Herz Sobieskis aufbewahrt wurde. Auch im Jahr darauf, während einer patriotischen Prozession in der Zeit des Aufstandes gegen Russland, kam sie zum Einsatz. Nach der Niederlage im Unabhängigkeitskampf wurde die Fahne von den russischen Machthabern beschlagnahmt und nach Petersburg gebracht. Von dort kam sie erst im Jahre 1926 zurück (die Rückgabe polnischer Archive, Andenken und Kunstschätze wurde im Rahmen des Friedens von Riga zwischen Polen und Sowjetrussland im Jahr 1921 vereinbart) und wurde im Königsschloss auf dem Wawel untergebracht. Das war jedoch noch nicht das Ende ihres dramatischen Schicksals – im Jahr 1939 wurde sie zusammen mit den wertvollsten polnischen Sammlungen nach Kanada evakuiert. Auf den Wawel kam sie im Jahre 1948 zurück.

Heute wird sie im Rahmen der Sammlung Kunst des Ostens ausgestellt, zusammen mit der Fahne, die Jan III. Sobieski im Jahre 1683 als Votivgabe vor dem Altar des Heiligen Stanisław niedergelegt hatte, sowie Kampfabzeichen, welche die Befehlshaber Michał Zamoyski und Atanazy Miączyński bei Wien erobert hatten.

» … und ein Säbel des Großwesirs Kara Mustapha.

Laut Tradition wurde in Loreto auch der Säbel des Großwesirs Kara Mustapha als Votivgabe niedergelegt. Dies bestätigen jedoch nicht die Verzeichnislisten der im Sanktuarium aufbewahrten polnischen Gaben. Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Säbel, eigentlich nur die Säbelklinge (der kostbare Griffbügel wurde vermutlich verkauft), in Rom wiedergefunden und feierlich an den Befehlshaber der Polnischen Legion in Italien, Jan Henryk Dąbrowski, übergeben. Seinem Willen entsprechend gelang er später in die Hände von Tadeusz Kościuszko (1746–1817) – dem Anführer des Aufstandes von 1794. Er schenkte die Säbelklinge, die damals schon den Charakter einer Nationalreliquie hatte, wiederum der Fürstin Teofilia Sapieżyna mit der Bestimmung für ihren Sohn Fürst Leon. Zusammen mit dem Depositum der Familie Sapieha kam sie im Jahre 1954 auf den Wawel. Im Jahr 1998 wurde sie von Michał Sapieha den Sammlungen des Königsschlosses hinzugefügt. Gegenwärtig wird sie zusammen mit anderen Trophäen – türkische Waffen, Gewebe, Teppiche, Zelte und Fahnen – im Rahmen der Sammlung Kunst des Ostens ausgestellt. (Odsiecz wiedeńska 1683: 277f, 282f; Rożek 2008: 75–79; Piwocka 2008)

» Literatur

Gołąbek, Marta (2008): Ku czci króla Jana III. Bohaterowie i pamiątki. Warszawa.

Odsiecz wiedeńska 1683 (1990). Wystawa jubileuszowa w Zamku Królewskim na Wawelu w trzechsetlecie bitwy. Tło historyczne i materiały źródłowe. Tom 1. Kraków.

Piwocka, Magdalena (2008): Sztuka Wschodu. Kraków.

Rożek, Michał (2008): Zwycięstwo Jana III Sobieskiego pod Wiedniem. Echa wiktorii. Kraków.

Tron Pamiątek ku czci „Najjaśniejszego, Niezwyciężonego Jana III Sobieskiego Króla Polskiego” w trzechsetlecie śmierci 1696-1996 (1996). Katalog wystawy. Warszawa.