Sobieski und der Marienkult

Text: Anna Ziemlewska

Die Verehrung der hl. Maria hat in Polen eine jahrhundertelange Tradition. Im Jahr 1656 wurde sie etwa zur Königin des Landes ernannt. Auch König Jan III. Sobieski war ein Anhänger dieses Kultes und schrieb der Muttergottes seine militärischen Erfolge zu, darunter auch den Entsatz Wiens im Jahr 1683. Er besuchte eine Reihe Marienbildnisse vor seiner Abreise nach Wien und nach seiner Rückkehr zeigte er seinen Dank in Form von Trophäen und Votivgaben.

» Der Erfolg von 1683 als ein Sieg Mariens

Bereits nach der gewonnenen Schlacht um Wien wurde eine theologische Auslegung dieses Sieges konstruiert. Laut dieser wurde der Weg zum Sieg durch “das Kreuz und Maria” geführt („per Crucem et Mariam ad victoriam”). Es wurden königliche Taten aufgeführt, die diese These belegen sollten. Auf dem Weg nach Wien machte Sobieski an einigen Marienwallfahrtsorten halt, wie zum Beispiel in Jasna Góra in Tschenstochau, in Studzianna-Poświętne und bei der Muttergottes von Piekary, ganz zu schweigen von den zahlreichen Messen in Krakau. (vgl. Marienbild der Muttergottes von Piasek) Außerdem betete er an einigen Ruhestätten polnischer Heiliger und zum Kampf nahm er Reliquien des Heiligen Kreuzes und Marienbilder mit sich.

Seine Überzeugung von göttlicher Intervention passte hervorragend zur sarmatischen Frömmigkeit und zum Mythos von Polen-Litauen als „Antemurale Christianitatis“. Über Jahrzehnte haben Geistliche und Dichter an dieser Theorie festgehalten. Die Erinnerung daran wurde aber auch durch Kunststiftungen und Votivgaben gepflegt, die sowohl vom König als auch von seiner Familie und seinen Kampfgefährten in zahlreichen Kirchen und Schatzkammern hinterlassen wurden.

» Die Schwarze Madonna im Paulinerkloster in Tschenstochau

Im August 1683 befand sich Jan III. Sobieski auf dem Weg zu seiner Armee nach Krakau. Unterwegs besuchte er das Paulinerkloster in Jasna Góra (Heller Berg) in Częstochowa (Tschenstochau), in dem sich eine Ikone der wundertätigen Schwarzen Madonna befand – und sich auch heute noch befindet. Die Kultstätte entwickelte sich dank ihrer einzigartigen Reliquie und dank der Verehrung durch die Vertreter der Königshäuser der Jagiellonen und Wasa seit dem 15. Jahrhundert zu einem wichtigen Pilgerort und einer der bedeutendsten Stätten der Marienverehrung in Polen.

Auf Grund der Grenznähe zu Schlesien erlangte die Klosteranlage seit den 1640er Jahren zusätzlich noch strategische Bedeutung und wurde zu einer Festung ausgebaut. Als es 1655 gelang, diese vor den Schweden zu verteidigen, wuchs die Bedeutung des Klosters erheblich und wurde nun “fortalitium Marianum” (Festung Mariens) genannt. Die erfolgreiche Verteidigung schrieb man nämlich dem Schutz der Muttergottes selbst zu. Am 1. April 1656 übergab König Jan II. Kazimierz Wasa im Lemberger Dom symbolisch das Land der Obhut und Regentschaft Mariens, in dem er sie zur Schutzpatronin und Königin seiner Herrschaftsgebiete ernannte. Die Titulierung als Königin Polens hat die polnische Nation mit der Muttergottes und ihrer Tschenstochauer Darstellung über Jahrhunderte auf eine ganz besondere Weise vereint. Im 17. Jahrhundert wurde die Ikone schließlich zum Nationalheiligtum und “palladium Regalis”. Von diesem Ort aus zog die Armee in die Kriege und hierhin vor das Marienbild brachte sie Kriegstrophäen und Votivgaben.

» Sobieski pilgert nach Jasna Góra

Ähnliches tat König Jan III. Sobieski, als er am 25. Juli 1683 zum Wallfahrtsort kam. Sein Besuch wurde auf einem der neun Bilder im klösterlichen Rittersaal festgehalten, welche die wichtigsten Ereignisse in der Geschichte des Klosters darstellen. Demselben Thema widmete sich auch der bekannte polnische Historienmaler Jan Matejko (1838–1893), als er 1859 zum Pinsel griff und das Werk “Sobieski in der Marienkapelle vor dem Wiener Entsatz” schuf. Den eintägigen Aufenthalt Sobieskis in Tschenstochau füllten heilige Messen und Gabenniederlegungen am Bild der Schwarzen Madonna. Bevor der König abfuhr, übergaben ihm die Pauliner-Brüder den Säbel von Hetman Stanisław Żółkiewski, damit Sobieski das von seinem Urgroßvater begonnene militärische Werk erfolgreich beenden könne (Żółkiewski war Feldherr in der Schlacht bei Cecora im Jahre 1620 gegen osmanische Truppen und kam während des polnischen Rückzugs ums Leben).

König Jan III. und sein ältester Sohn Prinz Jakub übergaben nach der gewonnenen Wiener Schlacht zahlreiche Andenken und Trophäen dem Kloster in Jasna Góra, wie etwa das von Sobieski im Kampf mitgeführte Hetmanszeichen (Adlerflügel) sowie Pallaschen, Köcher mit Pfeilern, ein türkisches Ringpanzerhemd, einen Misiurka-Helm, Kampfpickel, Rossschweife und orientalische Zelthäute. Alle diese Gaben kann man bis heute in der St. Rochus-Bastion der Jasna Góra-Festung besichtigen. (Rozanow/Smulikowska 1996: 51–59)

» Der Kult der Madonna von Loreto

Unter den vielen von Jan III. Sobieski verehrten Marienbildern erfordert ein Bild besondere Beachtung – das Bild der Madonna von Loreto. Bereits im Mittelalter entstand die Legende über die Wiedererrichtung des nazarethischen “Heiligen Hauses” (Casa Santa, Marias Geburtshaus) in Loreto. Die dort verehrte schwarze “Madonna di Loreto” symbolisiert unter anderem die Idee des Kampfes gegen die Heiden. In Polen verbreitete sich der Kult im 17. Jahrhundert in einer Zeit wachsender Bedrohung durch Tataren und Osmanen. Schon 1641 stifteten die Eltern Jan Sobieskis in Lemberg eine Madonna-von-Loreto-Kirche für die Unbeschuhten Karmelitinnen. König Sobieski begab sich vor der Abfahrt zur Wiener Schlacht zur Krakauer Marienkirche und betete vor dem Bildnis der Madonna von Loreto. Er glaubte, dass sie ihm zum Sieg bei Chocim, Wien und Párkány verhalf. Schließlich bedankte er sich in der Loretokapelle der Augustinerkirche für seine Siege und ließ sogar einige der türkischer Kriegstrophäen nach Loreto bringen.

Noch ein anderes Ereignis verstärkte zusätzlich die Beziehung Sobieskis mit dem Kult der Madonna von Loreto. Während des Krieges 1683 wurde in einer von osmanischen Truppen zerstörten Burg ein Bildnis dieser Madonna gefunden. Dieser auf Hetman Stanisław Jabłonowski zurückgehende Fund trug folgende Inschrift: In hac Imagine Mariae Victor ero Ioannes und In hac Imagine Mariae Vinces Ioannes. Dieses auf ungewöhnliche Weise erworbene Bild begleitete den Monarchen auf sämtlichen darauffolgenden Feldzügen und wurde von der gesamten Familie Sobieski leidenschaftlich verehrt. Nach dem Tod des Königs kümmerte sich seine Ehefrau Maria Kazimiera um das Bild, danach ihr Sohn und die Enkeltochter. Ab 1740 trat die Fürsten- und Hochadelsfamilie Radziwiłł die Sobieski-Erbschaft an und bewahrte nun die königliche “Reliquie” in ihren Residenzen Nieśwież und Berlin auf. 1883 zeigte sie das Gemälde der Öffentlichkeit in Krakau in einer großen Sobieski-Ausstellung. (Odsiecz wiedeńska 1990: 139–141; Widacka 2008: 86f)

» Ein Marienbildnis von Sobieskis Feldaltar

Einer Überlieferung zufolge soll das Bild ein Bestandteil eines Feldaltars der Könige Jan II. Kazimierz Wasa, Michał Korybut Wiśniowiecki und folglich auch Jan III. sein. Im ausgehenden 17. Jahrhundert wurde es wahrscheinlich in der Kapelle der “Maria vom Siege” von Marywil postiert. (Marywil, Marie Ville – ein nicht mehr existentes Handels- und Gewerbe-Viertel in Warschau). Die Kapelle wurde 1695 als Votivgabe für den Wiener Sieg von Königin Maria Kazimiera gestiftet. Der nächste Standort des Gemäldes war die Hl. Andreas-Kirche und nach dem Zweiten Weltkrieg der Warschauer Johannesdom. Erst im Jahre 2005 ging das Werk in die kürzlich wiedererbaute Hl. Albert und Hl. Andreas-Kirche. (Odsiecz wiedeńska 1990: 142; Tron pamiątek 1996: 105)

» Literatur

Odsiecz wiedeńska 1683 (1990). Wystawa jubileuszowa w Zamku Królewskim na Wawelu w trzechsetlecie bitwy. Tło historyczne i materiały źródłowe. Tom 1, Kraków.

Rozanow, Zofia/ Smulikowska, Ewa (1996): Pamiątki po Sobieskich na Jasnej Górze. In: Tron pamiątek ku czci „Najjaśniejszego, niezwyciężonego Jana III Sobieskiego Króla Polskiego”, Warszawa.

Tron Pamiątek ku czci „Najjaśniejszego, Niezwyciężonego Jana III Sobieskiego Króla Polskiego” w trzechsetlecie śmierci 1696-1996 (1996). Katalog wystawy. Warszawa.

Widacka, Hanna (2008): W kręgu wielkiego króla czyli opowieści wilanowskie, Warszawa.