Sobieski und Wien – Denkmäler und Erinnerungen

Text: Silvia Dallinger

Dem polnischen König und Oberbefehlshaber über das christliche Entsatzheer 1683 Jan III. Sobieski sind nicht nur in Polen, sondern auch in Wien mehrere Denkmäler und Straßennamen gewidmet. Diese standen – wie aus dem nachfolgenden Zitat hervorgeht – meist mit Jubiläumsfeierlichkeiten in Verbindung und wurden entweder von staatlicher, kirchlicher oder polnischer Seite initiiert:

Die größte objektive Hervorhebung der Rolle und der Verdienste des ausländischen Patrons eines Erinnerungsortes ist die Tatsache der Errichtung des Objektes auf österreichische staatliche Initiative. Diese Gegebenheit findet sicherlich im Falle der beiden [Sobieski-]Straßennamen statt. Eine analoge Genese weisen die nächsten Erinnerungsorte anlässlich der Jahrestage des Entsatzes auf: des 200. (die Gedenktafel auf dem Kahlenberg und das Türkenbefreiungsdenkmal) und des 300. (die Gedenktafel an der Augustinerkirche), sowie das Denkmal, das an das Zusammentreffen der beiden Herrscher [Leopold I. und Jan III. Sobieski] in Schwechat erinnert. Lediglich in Bezug auf die drei weiteren Erinnerungsorte auf dem Kahlenberg: zwei Gedenktafeln (aus den Jahren 1904 und 1983) sowie die Sobieskikapelle, geht ihre Entstehung auf polnische Initiative zurück. (Cwanek-Florek 2008: 10)

» Denkmale und Gedenktafeln

  • Entsatz-Denkmal am Kahlenberg – nicht realisiert
  • Gedenkstein zwischen Burg- und Schottentor, 1809 – nicht mehr existent

Am Morgen des 13. September 1683 sollen Sobieski und Graf Rüdiger von Starhemberg zusammengetroffen sein, um die zerstörte Stadt zu besichtigen:

Endlich setzte sich der König, der sehr beleibt gewesen, von dem beschwerlichen Gange über die mannigfachen Hindernisse ermüdet, im Wallgraben zwischen dem Burg- und Schottenthor nieder, und die dankbaren Wiener verewigten diese Raststelle durch einen Denkstein, auf dem sein Name eingehauen worden. Napoleons Zerstörungsgeist ließ, (wie berichtet wird) 1809, mitten im abgeschlossenen Frieden einen Theil dieser Wälle mittelst Minen zertrümmern, und so ward auch dieses Denkmal vernichtet. (Kluczycki 1883: 23)

» Straßen und Plätze

  • Sobieskigasse, 9. Bezirk
    Seit 1862, vorher ab 1829 teilweise Ruprechtsgasse, ab 1816 teilweise Himmelpfortgrund, ab 1808 teilweise Windmühlgasse, bis 1862 Hirschengasse, 1938 bis 1945 Streblgasse.
  • Sobieskiplatz, 9. Bezirk
    Seit 1862, vorher ab 1853 Johannesplatz, 1942–1945 Kricklplatz auch ‚Sobieskyplatz‘

Die Sobieskigasse und der Sobieskiplatz befinden sich in jenem Gebiet, durch das Jan III. Sobieski auf seinem Triumphzug nach Wien am 13. September 1683 einzog. Beide Straßennamen wurden 1862 bereits im Hinblick auf das 200-jährige Jubiläum 1883 umbenannt. Dieser Namenswechsel wurde vermutlich durch die im selben Jahr stattfindende Vereinigung der Alservorstadt und anderer Vorstädte zum 9. Bezirk erleichtert (vgl. Cwanek-Florek 2008: 9).

» Literatur

Autengruber, Peter (2001): Lexikon der Wiener Straßennamen. Wien.

Cwanek-Florek, Ewa (2006): Polnische Berühmtheiten im Spiegel der öffentlichen Erinnerung in Wien. Die Rezeption polnischer Spuren in der Donaumetropole. Marburg.

Cwanek-Florek, Ewa (2008): Jan III. Sobieski im Spiegel der öffentlichen Erinnerung in Wien. In: Österreich-Polen. Zeitschrift für Kultur und Wirtschaft, Nr. I 237, 9–10.

Forst-Battaglia, Jakub (1983): Polnisches Wien. Wien.

Kluczycki, Franciszek (1883): Polnische Denkwürdigkeiten in Wien und Umgebung mit Bezugnahme auf den Entsatz im Jahre 1683. Wien.

Pesendorfer, Franz/ Fischer, Gero (Hg.) (2002): Wiener Impressionen. Auf den Spuren polnischer Geschichte in Wien. Wien.

Scheidl, Franz (1908): Denkmale und Erinnerungszeichen an die Türkenzeit in Wien. Wien.