Türkenbund

Text: Irmgard Nöbauer

Der Türkenbund (lat. Lilium martagon) gehört zur Gattung der Lilien und ist in weiten Teilen Europas und Asiens heimisch. Seine deutsche Bezeichnung verdankt er ebenso wie möglicherweise seine lateinische Bezeichnung der Form seiner Blüten, die an einen Turban erinnern.

» Botanische Verortung

Der Türkenbund bzw. die Türkenbund-Lilie, lateinische Bezeichnung Lilium martagon, die zu den Liliengewächsen gehört, gilt auf Grund der charakteristischen und sehr auffällig geformten Blüten, die einem Türkenbund (eine veraltete Bezeichnung für den Turban) ähneln, als eine der schönsten und bekanntesten in Europa heimischen Lilien.

» Herkunft der Wörter „Martagon“ sowie „Türkenbund“

Die Bezeichnung martagon wird zumeist auf das türkische Wort „martagan“ zurückgeführt, das eine neue Form des Turbans bezeichnete, die zu Beginn des 15. Jahrhunderts von Sultan Mohammed I. im Osmanischen Reich eingeführt wurde. Das erstmalige Auftreten der Bezeichnung Lilium martagon für die Türkenbund-Lilie ist in englischer Sprache für das Jahr 1477 belegt. (vgl. Genaust 1976: 239, Little 1933: 1210) Manchmal wird Martagon auch mit dem römischen Kriegsgott Mars in Verbindung gebracht: „Wahrscheinlich gebildet aus Martigenuns, lat., Kind des Mars, Krieger“ (Fritsch 1910: 11).

In Europa wurde der Turban zu Beginn des 16. Jahrhunderts im Zuge der Türkenkriege weithin bekannt. Die Bezeichnung „Türkenbund“, in Anlehnung an dessen an einen Turban erinnernde Blütenblätter, wird ins 17. Jahrhundert datiert (Duden 2007: 872). Auch die Bezeichnung „Türkischhu(a)t“ ist belegt. Daneben gibt es zahlreiche andere Bezeichnungen, beispielsweise „Goldapfel“ und „Goldknopf“, die sich auf die goldgelbe Zwiebel der Pflanze beziehen.

Die turbanartige Form hat die Türkenbund-Lilie auch mit dem Gugelhupf gemeinsam. Eines der vielen Synonyme für diesen Kuchen, das in alten Kochbüchern zu finden ist, lautet auch „Türkenbund“, im Französischen wurde er auch als „bonnet du turc“ bezeichnet (Währen 2004: 6).

» Literatur

Duden (2007): Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. Hrsg. von der Dudenredaktion (= Duden 7). Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich.

Fritsch, Carl (1910): Pokornys Pflanzenkunde für die unteren Klassen der Mittelschulen. 25. Auflage. Wien.

Genaust, Helmut (1976): Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. Basel, Stuttgart.

Little, William; u.a. (1933): The shorter Oxford English Dictionary on historical principles. Vol I, A – M. Oxford.

The American Heritage Dictionary of the English Language (2011). Boston.

Währen, Max (2004): Die märchenhafte Geheimnisse des Gugelhopfes und ihre Enträtselung. In: Das Magazin des Bäcker- und Konditorenmeisterverbandes des Kantons Zürich: Zürcher Backkunst. Nr. 1. S. 5–11.