Burggarten, Abraham a Sancta Clara-Denkmal

Text: Marion Gollner, Johannes Feichtinger

Dem populären Türkenprediger und Schriftsteller Abraham a Sancta Clara wurde vor dem Eingang zum Burggarten an der Ecke Hanusch- und Goethegasse im ersten Wiener Gemeindebezirk im Jahr 1928 ein Denkmal gesetzt. Während der zweiten Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1683 hatte sich das Mitglied des Augustiner-Barfüßer-Ordens nicht in Wien aufgehalten. Er hatte sich schon im Frühjahr nach Graz begeben. In dieser Stadt hatte Abraham, der vielleicht schärfste Türkenprediger des 17. Jahrhunderts, im selben Jahr sein bekanntes Traktat „Auff/ auff ihr Christen!” verfasst.

» Auff/ auff ihr Christen!

Das Türkentraktat „Auff/ auff ihr Christen! Das ist: eine bewegliche Anfrischung der christlichen Waffen wider den türkischen Blutegel“ war in Graz verfasst worden. Abraham a Sancta Clara hatte sich vor der Ankunft der osmanischen Heere in diese Stadt zurückgezogen. In seiner Schrift bezeichnete er die Türken als ein Unheil, das sich die Christen selbst zuzuschreiben hätten, hätte doch ihr sündhaftes Leben den „Türckischen Säbel“, den „abcopierten Ante-Christ“ und „verdambten Welt-Stürmer“ als eine Geißel Gottes vor die „Thür“ Wiens gebracht. Abraham rief daher zur Buße, aber auch zum Kampf auf, und er gab dem „geängstigten“ Volk zugleich Hoffnung auf „Victori vnd Sig“. (Welzig 1982: 190f.).

» Ein Denkmal für Abraham im Herzen Wiens

Im Jahr 1928, 245 Jahre nach dem Sieg über die Türken, wurde dem populären Prediger Abraham a Sancta Clara in der Nähe der Wiener Augustinerkirche, in der er 1666 die Priesterweihe empfangen hatte, ein unscheinbares Denkmal gesetzt.

Am 22. Oktober wurde das Standbild enthüllt.

Die Steinfigur, die den scharfzüngigen Geistlichen in Ordenstracht stehend zeigt, stammt vom Bildhauer Hans Schwathe (1870–1950), der in Wien weitere Denkmäler für Politiker und Kirchenvertreter (u.a. im Stephansdom und in der Kaasgrabenkirche) schuf. Am Sockel des Denkmals befindet sich folgende Inschrift: ABRAHAM A SANCTA CLARA 1644 – 1709.

Weitere Details zur Finanzierung, Errichtung und Enthüllung der Figur aus Untersberger Marmor auf einem Sockel aus Leithakalk sind allerdings derzeit nicht bekannt. Der Name Abraham a Sancta Clara wird weiters durch die Abraham-a-Sancta-Clara-Gasse in der Wiener Innenstadt sowie durch die Abraham-a-Sancta-Clara-Straße im 14. Gemeindebezirk in Erinnerung gehalten.

» Literatur

Csendes, Peter (1983): Erinnerungen an Wiens Türkenjahre. Wien/München.

Kieslinger, Alois (1972): Die Steine der Wiener Ringstrasse. Ihre Technische und Künstlerische Bedeutung, Wiesbaden.

Tomenendal, Kerstin (2000): Das türkische Gesicht Wiens. Auf den Spuren der Türken in Wien. Wien/Köln/Weimar.

Kunst und Kultur in Wien: Abraham a Sancta Clara, 25.02.2010.

Ludwig, G., Pötzl-Malikova, M. (2005): Hans Schwathe. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Bd. 12 (Lfg. 55, 2001), 35f.

Welzig, Werner (1982): Appell wozu? Zur Strategie von Abrahams Türkentraktat. In: Historisches Museum der Stadt Wien (Hg.): Die Türken vor Wien. Europa und die Entscheidung an der Donau 1683. Salzburg/Wien, 291–303.