Bäckenbrünnlgasse, Türkenhof

Text: Marion Gollner, Johannes Feichtinger, Johann Heiss

Der ‘Türkenhof’ in der Bäckenbrünnlgasse 1 (= Gersthofer Straße 4) stammt von den Architekten Theodor Anton Ruf (1865–1943) und Alois Müller (1873–1945). Der Wohnhauskomplex (1910–1913), dem dieser Bau angehört, war ihr letztes gemeinsames Projekt.

Im Wiener Gemeindebezirk Währing nahe der so genannten Türkenschanze gibt es insgesamt drei ‘Türkenhöfe’: neben dem ‘Türkenhof’ in der Bäckenbrünnlgasse befinden sich zwei weitere in der Gentzgasse 19 und 112. Sie wurden so benannt, um an die Belagerung Wiens durch die Osmanen zu erinnern.

» Halbmond und Morgenstern

Die Fassade fällt auf durch die Vermischung von historistisch-barockisierenden und secessionistischen Stilelementen. Auf der Stirnseite des Hauses über dem ersten Stockwerk befindet sich – weit sichtbar – die Aufschrift „Türken=Hof“. Überragt wird diese Seite von einem turmartigen Aufbau mit Halbmond und Morgenstern als Abschluss.

Neben dem Balkon im ersten Stockwerk befinden sich beidseitig apotropäische maskenartige stilisierte Gesichter (Trutzfiguren).

In unmittelbarer Nähe befindet sich heute in dem vom selben Architektenduo stammende Miethaus Messerschmidtgasse 38 von 1906 in Wien 18 die Pension „Türkenschanze“ (vgl. Architektenlexikon Wien 1880 – 1945).

» Währing zur Zeit der Türkenbelagerungen

Die Dörfer des heutigen 18. Wiener Gemeindebezirks dürften beim ersten Versuch der Osmanen, Wien 1529 einzunehmen, weitgehend verschont geblieben sein. Zumindest ist darüber in den Aufzeichnung nichts zu finden.

1582 bestand der Ort Währing aus 42 Häusern, wobei 28 davon am linken Ufer des Währinger Baches in der heutigen Gentzgasse standen. Bei der zweiten Belagerung Wiens wurde Währing jedoch schwer in Mitleidenschaft gezogen:

Am 13. Juli 1683, als die Türken Schwechat erreichten, sollen auf kaiserlichen Befehl die Vorstädte und Vororte Wiens niedergebrannt werden, damit sie den Türken nicht als Schutz und Unterkunft dienen können. Es ist heute nicht mehr feststellbar, ob die vier Dörfer auf diese Weise zugrunde gegangen sind oder erst von den Türken dem Erdboden gleichgemacht wurden. Auch die Weingärten wurden vernichtet. Einem Teil der Bewohner gelang es, nach Wien zu fliehen. Andere verbargen sich in den Wäldern. Aber viele wurden getötet oder, sofern sie jung und kräftig waren, als Sklaven verschleppt. (Klusacek/Stimmer 1992: 15f.)

» Literatur

Architektenlexikon Wien 1880 – 1945: Alois Müller, 07.01.2010.

Architektenlexikon Wien 1880 – 1945: Theodor Anton Ruf, 07.01.2010.

Csendes, Peter (1983): Erinnerungen an Wiens Türkenjahre. Wien/München.

Klusacek, Christine/ Stimmer, Kurt (1992): Währing. Vom Ganserlberg bis zum Schafberg. Wien.

Tomenendal, Kerstin (2000): Das türkische Gesicht Wiens. Auf den Spuren der Türken in Wien. Wien/Köln/Weimar.