Neustiftgasse, Christuskopf

Text: Marion Gollner

Der so genannte Christuskopf wurde bei Renovierungsarbeiten in der Neustiftgasse 22 im Jahr 1862 zufällig entdeckt. Die Plastik befand sich mehr als 180 Jahre lang im Schutt unter dem Gebäude, das auf den Trümmern eines 1683 zerstörten Hauses errichtet worden war. Heute ist der Christuskopf über dem Eingang zum ersten Hof des Durchhauses zur Lerchenfelderstraße eingemauert. Die Inschrift „Verschüttet 1683, aufgefunden 1862“, die auf den Fund der Plastik Bezug nimmt, befindet sich am Sockel der Figur.

» Der Christuskopf und seine Bedeutung

Der Christuskopf in der Neustiftgasse kann auf den ersten Blick nicht mit der Türkenzeit in Verbindung gebracht werden. Jedoch verweist die Jahreszahl „1683“ auf die Zerstörung dieses Hauses und das Schicksal des Christuskopfs.

In größerer Zahl findet man in Wien so genannte „Türkenköpfe“, die erst nach dem Ende der Türkenkriege an Haus- und Kirchenfassaden angebracht wurden und als „Trutzfiguren“ Böses fernhalten und an die überwundene Gefahr erinnern sollten (vgl. Böhm 2001: 66).

Neben dem Christuskopf erinnern in der Neustiftgasse auch die vergoldete Figur eines türkischen Reiters sowie ein Farbmosaik an die Belagerung Wiens 1683 durch die Osmanen.

» Literatur

Böhm, Jasmine (2001): „Türken-Images“ im öffentlichen Raum. Eine ethnologische Spurensuche in Wien. Diplomarbeit der Universität Wien.

Csendes, Peter (1983): Erinnerungen an Wiens Türkenjahre. Wien/München.

Tomenendal, Kerstin (2000): Das türkische Gesicht Wiens. Auf den Spuren der Türken in Wien. Wien/Köln/Weimar.