Danzig, Sobieski-Denkmal

Text: Anna Ziemlewska

Das Reiterdenkmal König Jan III Sobieskis auf dem Targ Drzewny (Holzmarkt) in Gdańsk (Danzig) befand sich ursprünglich in der damaligen Hauptstadt Galiziens in Lemberg. Es wurde 1898 errichtet und bald nach der Eingliederung der Stadt in die Sowjetunion nach Polen transportiert. Dort befand es sich erst im Wilanów-Park bei Warschau, ehe es im Jahr 1965 in Danzig an seinen aktuellen Standort überführt wurde.

» Sobieski in Lemberg

Die Familie der Sobieskis war auf Grund der eigenen Stadtresidenz, der Landgüter und Kirchenstiftungen eng mit der Stadt Lemberg (Lviv/Lwów) verbunden. Von 1908 bis 1939 gab es ein nach Jan III. Sobieski benanntes Nationalmuseum im „Haus des Königs“ („Kamienica królewska”) am Marktplatz. Anlässlich des 200. Jahrestages der Schlacht bei Wien entschied der Stadtrat, dem König ein Denkmal zu errichten. Diese Entscheidung ist jedoch auch im Kontext des Projekts einer Polonisierung der Stadt zu sehen, wie auch der Historiker Grzegorz Rossoliński-Liebe feststellt: „Zwar war Sobieski mit Lemberg verbunden, da er sich öfter in der Stadt aufgehalten habe, den Weg zum Denkmal bahnte ihm jedoch der Nationalismus der Denkmalinitiatoren.“ (Rossoliński-Liebe 2009 : 11)

Als Financiers traten die Bürger der Stadt auf. Es sollte jedoch weitere 15 Jahre dauern, bis das von Tadeusz Barącz (1849–1905) entworfene Werk am 20. November 1898 auf der Promenade Wały Hetmańskie enthüllt wurde. Gegossen wurde die Statue von der Wiener Firma Artur Krupp, das Steinpostament stammt aus der Bildhauerwerkstatt von Julian Markowski (1846–1903).

Jan III. Sobieski ist hoch zu Ross dargestellt, jedoch nicht in römischer Rüstung, sondern gekleidet in der Herrenrock-ähnlichen Tracht eines sarmatischen Edelmanns. Sein Blick richtete sich nach Südosten, also in jene Richtung, in der für Lemberg die meiste Gefahr lauerte. Für die Gestalt des Königs stand der Kaufmann Marian Stipal Modell.

» Auf der Suche nach einem neuen Standort

Als sich die Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion wiederfand, gab es Stimmen dafür, die Jan Sobieski-Skulptur in ein Denkmal für Bohdan Chmelnyzkyjs „umzumodeln“. Chmelnyzkyj wird als ukrainischer Nationalheld verehrt. Die neuen Machthaber hatten jedoch kein Interesse daran, einen Saporoger Kosaken zu verherrlichen. Darum wurde die Statue im Jahr 1950 den Polen zurückgegeben. Zunächst stand sie über ein Jahrzehnt lang im Wilanów-Park, nahe der barocken Residenz König Sobieskis bei Warschau, bis man sie 1965 nach Danzig überführte und auf einem der zentralsten Plätze der Stadt, den Holzmarkt aufstellte. Diesmal entschied man sich, die Figur nach Westen blicken zu lassen, da die damaligen Machthaber im Kalten Krieg ihre größten Feindbilder selbstverständlich dort ausmachten. Vom Postament entfernte man die Bronzetafel mit der Inschrift „Dem König Jan III. – die Stadt Lwów“ und ersetzte sie erst in den 1990er Jahren durch eine Sandstein-Tafel des Bildhauers Czesław Gajda. Dort, wo das Monument ursprünglich in Lemberg seinen Platz hatte, steht seit 1992 ein Denkmal des ukrainischen Nationaldichters Taras Schewtschenko.

» Literatur

Rossoliński-Liebe, Grzegorz (2009): Der Raum der Stadt Lemberg in den Schichten seiner politischen Denkmäler. In: kakanien revisited, 4.11.2011.

Wikipedia: Pomnik króla Jana III Sobieskiego w Gdańsku , 4.11.2011.