Margaretenplatz, Gedenktafel

Text: Marion Gollner, Martina Bogensberger, Johann Heiss

Eine Gedenktafel mit lateinischer Inschrift am Margaretenplatz 3 erinnert an die Zerstörung des ehemaligen Margaretener Schlosses während der Belagerung Wiens 1529. In der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde das Gebäude vom Gesandten an der Hohen Pforte, Johann Rudolf Schmidt Baron von Schwarzhorn, vollendet. Doch die Freude darüber hielt nicht lange an. Gerade einmal 16 Jahre nach der Fertigstellung wurde das Schloss 1683 erneut zerstört.

» Zerstört und wieder aufgebaut

Der Margaretener Hof (am heutigen Margaretenplatz), urkundlich erstmals im Jahr 1373 als „niederer Hof“ erwähnt, bildete den Ausgangspunkt für die Entwicklung der Vorstadt. Im Zuge der ersten Türkenbelagerung 1529 wurde der Gutshof, ein massiver Bau mit zwei Türmen, von türkischen Streifscharen in Brand gesetzt.

Nachdem der zerstörte Gutshof in den darauffolgenden Jahren mehrmals den Besitzer gewechselt hatte, fiel er 1555 schließlich in den Besitz von Nicolaus Olah, Erzbischof von Gran (=Esztergom). Dieser ließ den Hof und die der heiligen Margaretha von Antiochia geweihte Kapelle teilweise neu errichten und legte einen großen Ziergarten an.

» Die Gedenktafel wird 1651 angebracht

Ausgebaut und vollendet wurde das Schloss schließlich von Johann Rudolf Schmidt Baron von Schwarzhorn in den Jahren 1647–1667. Schmidt war in seiner Jugend in türkische Gefangenschaft geraten und hatte sich während dieser Zeit gute Sprachkenntnisse angeeignet. Diese kamen ihm später als kaiserlicher Gesandter an der Hohen Pforte in Konstantinopel (1628–1642) zugute, wo er 1649 im Auftrag von Kaiser Ferdinand III. das Friedensabkommen mit der Hohen Pforte erneuerte. Schmidt war es, der nach seiner Rückkehr nach Wien im Jahr 1651 die marmorne Gedenktafel (jetzt am späteren Haus Margaretenplatz 3) anbringen ließ.

Die Inschrift ist im elegischen Distichon verfasst und erzählt von der bewegten Geschichte des Gutshofs und späteren Schlosses:

DVM FRVSTRA OPPVGNAT SOLYMANNVS TVRCA VIENNAM
ARAM MARGRETHÆ DESTRVIT ATQUE DOMVM
GRANÆ PRÆSES OLAI RESTAVRAT ET INDE RVDOLPHVS
SCHMIDT BARO DE SCHWARZHORN AVGET ET ORNAT OPVS
CÆSARIS ORATOR CVM DE SVLTAN MEHEMET HAN
A PORTA OTTMANNA PACIFER IPSE REDIT
ANNO QVO
PACEM LEGATIONE DEFERT

Während Soliman, der Türke, vergeblich Wien belagert, zerstört er Altar und Haus der Margaretha. Olah, der Bischof von Gran, baut es wieder auf und dann vergrößert das Bauwerk und schmückt es aus Rudolf Schmidt, Baron von Schwarzhorn, des Kaisers Gesandter, als er vom Sultan Mehmet Chan von der osmanischen Pforte friedensbringend zurückkehrt, im Jahr, als er mit seiner Gesandtschaft den Frieden heimbringt.

Die letzte Zeile der Inschrift enthält ein kaum mehr sichtbares Chronogramm. Zählt man die römischen Ziffern zusammen (siehe Hervorhebung im Text) ergibt sich daraus die Jahreszahl 1651, das Jahr, in dem die Gedenktafel angebracht wurde.

C + M + L + I + D = MDCLI = 1651

Im Zuge der Zweiten Türkenbelagerung Wiens ereilte das Margaretener Schloss dasselbe Schicksal wie im Jahr 1529: Es wurde zerstört und anschließend wieder aufgebaut. Heute sind nur noch Bruchstücke des alten Schlosses erhalten (Margaretenplatz 2, 3).

» Literatur

Czeike, Felix (1995): Historisches Lexikon Wiens. Band 4. Wien.

Csendes, Peter (1983): Erinnerungen an Wiens Türkenjahre. Wien/München.

Bezirksmuseum Margareten: Die Geschichte von Margareten, 24.11.2009.

Tomenendal, Kerstin (2000): Das türkische Gesicht Wiens. Auf den Spuren der Türken in Wien. Wien/Köln/Weimar.