Gentzgasse 19, Türkenhof

Text: Marion Gollner, Johannes Feichtinger, Johann Heiss

Der ‘Türkenhof’ in der Gentzgasse 19 wurde im Jahr 1922 erbaut. Die Namensgebung, die vermutlich auf eine frühere Inschrift zurückgeht, ist laut Peter Csendes eine „Reminiszenz an die Türkenbelagerung“ (Csendes 1983: 30).

Im Wiener Gemeindebezirk Währing nahe der so genannten Türkenschanze gibt es insgesamt drei ‘Türkenhöfe’: neben dem Türkenhof in der Gentzgasse 19, befinden sich zwei weitere in der Gentzgasse 112 und in der Bäckenbrünnlgasse. Sie wurden so benannt, um an die Belagerung Wiens durch die Osmanen zu erinnern.

» Währing zur Zeit der Türkenbelagerungen

Die Dörfer des heutigen 18. Wiener Gemeindebezirks dürften beim ersten Versuch der Osmanen, Wien 1529 einzunehmen, weitgehend verschont geblieben sein. Zumindest ist darüber in den Aufzeichnung nichts zu finden.

1582 bestand der Ort Währing aus 42 Häusern, wobei 28 davon am linken Ufer des Währinger Baches in der heutigen Gentzgasse standen. Bei der zweiten Belagerung Wiens wurde Währing jedoch schwer in Mitleidenschaft gezogen:

Am 13. Juli 1683, als die Türken Schwechat erreichten, sollen auf kaiserlichen Befehl die Vorstädte und Vororte Wiens niedergebrannt werden, damit sie den Türken nicht als Schutz und Unterkunft dienen können. Es ist heute nicht mehr feststellbar, ob die vier Dörfer auf diese Weise zugrunde gegangen sind oder erst von den Türken dem Erdboden gleichgemacht wurden. Auch die Weingärten wurden vernichtet. Einem Teil der Bewohner gelang es, nach Wien zu fliehen. Andere verbargen sich in den Wäldern. Aber viele wurden getötet oder, sofern sie jung und kräftig waren, als Sklaven verschleppt. (Klusacek/Stimmer 1992: 15f.)

» Literatur

Csendes, Peter (1983): Erinnerungen an Wiens Türkenjahre. Wien/München.

Klusacek, Christine/ Stimmer, Kurt (1992): Währing. Vom Ganserlberg bis zum Schafberg. Wien.

Tomenendal, Kerstin (2000): Das türkische Gesicht Wiens. Auf den Spuren der Türken in Wien. Wien/Köln/Weimar.