Graz, Abraham-a-Santa-Clara Gasse

Text: Zsuzsa Barbarics-Hermanik

Die nach dem bekanntesten ‚Türkenprediger‘ benannte Gasse verbindet die Bürgergasse – in der sich drei weitere ‚Türkendenkmäler‘, das Gottesplagenbild, die Deckenfresken der Katharinenkirche und die Sgraffiti im Arkadeninnenhof der Bürgergasse 4 befinden – mit dem Glockenspielplatz. Sie erhielt diesen Namen aber erst im Jahr 1935 (vgl. Kubinzky/Wentner 1996: 15), d.h. in einer Zeit, als das ‚Türkengedächtnis‘ der Stadt im Ständestaat bewusst aktualisiert und instrumentalisiert wurde (vgl. Barbarics-Hermanik 2010: 16f). Vorher wurde diese Gasse „oberes Bürgergassel, Kirchengassl, Glockenspielgasse oder Fliegengasse“ genannt (vgl. Kubinzky/Wentner 1996: 15).

» Eine Ehrung für den Prediger „wider den türkischen Blut=Egel“

Der Namensgeber der Abraham-a-Santa-Clara Gasse hieß ursprünglich Johann Ulrich Megerle (1644–1709). Er trat 1662 in Wien in den Orden der Augustiner-Barfüßer ein. 1677 wurde er von Kaiser Leopold I. zum kaiserlichen Hofprediger ernannt.

Die in Graz seit 1655 ansässigen Augustiner-Barfüßer, für deren Kloster die offizielle Grundsteinlegung erst 1673 in Anwesenheit von Kaiser Leopold I. erfolgte, versuchten neben besonderen kirchlichen Feierlichkeiten auch auf andere Weise die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu lenken: 1680 oder 1682 kam Abraham a Santa Clara in das Kloster im Münzgraben. Dort wirkte er fünf Jahre als Prediger und Prior. Für das Grazer ‚Türkengedächtnis‘ ist von Bedeutung, dass Abraham a Santa Clara seine bekannteste ‚Türkenpredigt‘ mit dem Titel „Auf, auf, Ihr Christen“ hier in diesem Grazer Kloster verfasste (vgl. Ruhri 2003: 160f).

Eine Instrumentalisierung des mit dem Namen von Abraham a Santa Clara verbundenen ‚Türkengedächtnisses‘ ist neben Zeitungsartikeln aus dem Jahre 1866 und 1868 nur im Falle der Benennung der genannten Gasse in der Zeit des Austrofaschismus (1935) nachweisbar. Die Auswahl der Gasse scheint gut überlegt gewesen zu sein, da sie sich in der unmittelbaren Umgebung der wichtigsten ‚Türkendenkmäler‘ der Stadt und damit im Zentrum der seit dem späten Mittelalter erfolgten Erinnerungsbildung befindet.

» Literatur

Grazer Volksblatt (07.06.1868): Predigt des berühmten P. Abraham a. S. Clara an der Dreifaltigkeitssäule zu Graz. Nr. 156, 9.

Kubinzky, Karl A./ Wentner, Astrid M. (1996): Grazer Straßennamen. Graz.

Ruhri, Alois (2003): Christentum und Kirche von der Gegenreformation bis zur Gegenwart. In: Brunner, Walter (Hg.): Geschichte der Stadt Graz. Bd. 3: Kirche – Bildung – Kultur. Graz, 135–252.

Tagespost (03.12.1866): Abraham a Sancta Clara über Steiermark. Nr. 293, 2f.