Graz, Die Katharinenkirche des Mausoleums der Habsburger

Text: Zsuzsa Barbarics-Hermanik

Das Mausoleum der Habsburger in Graz, das aus zwei miteinander verbundenen, in ihrem Raumkonzept unterschiedlichen Gebäuden, einer der heiligen Katharina geweihten Kirche und dem eigentlichen Mausoleum besteht, befindet sich neben dem Grazer Dom und damit in unmittelbarer Nähe des ‚Gottesplagenbildes‘, aber auch der Sgraffiti in der Bürgergasse 4 und der Abraham-a-Santa-Clara-Gasse. Dadurch fügen sich die in der Katharinenkirche Ende des 17. Jahrhunderts errichteten ‚Türkendenkmäler‘ in eine lange Tradition der Gestaltung des ‚Türkengedächtnisses‘ der Stadt Graz. Die Denkmäler konzentrieren sich um den Dom herum.

» Zur Baugeschichte

Die Errichtung der Katharinenkirche und des Mausoleums ist – ähnlich wie bei der Mariahilferkirche – im Zusammenhang mit den gegenreformatorischen Maßnahmen Erzherzog Ferdinands III. von Innerösterreich zu sehen.

Initiator und Stifter war auch dort Erzherzog Ferdinand III., der bereits 1614 die ersten Zahlungen für die Errichtung einer Beerdigungsstätte im Bereich der Burg, der Hofkirche und der Jesuitenuniversität verordnete. Im gleichen Jahr wurde – wie bei der Mariahilferkirche – der Hofbaumeister Ferdinands III., Giovanni Pietro de Pomis, mit der Erstellung eines Konzeptes beauftragt. Die Bauarbeiten selbst wurden auch hier von einem Schüler von de Pomis, dem Hofbaupolier Pietro Valnegro, geleitet (vgl. Steinböck 1989: 63 bzw. Popelka 1959: 108).

Der Gebäudekomplex, aber vor allem die Katharinenkirche waren selbst 1686 noch im Rohbau. Als sich die Jesuiten im gleichen Jahr wegen der Fertigstellung der Kirche an Kaiser Leopold I. wandten, kam er diesem Wunsch – trotz oder wahrscheinlich gerade wegen des laufenden Türkenkrieges, der für die Habsburger siegreich verlief – nach. Er ließ auch die Innenausstattung der Katharinenkirche durch seine Hofkammer finanzieren.

Die Katharinenkirche ist mit habsburgischen Apotheosemotiven stuckiert (vgl. Wolf 2000: 92), wobei die Stuckbüste Kaiser Leopolds an der Ostwand sowie oberhalb sein Adler mit der ungarischen Krone und den Insignien das herrschaftliche Gestaltungsprogramm unterstreicht, in dessen Zentrum die Wiedereroberung der Gebiete der Ungarischen Krone von den Osmanen steht. Die Fresken des Querhausgewölbes widmen sich dem gleichen Thema. Die Fertigstellung der Stuckdekoration erfolgte in der zweiten Hälfte der 1680-er Jahre durch den Künstler Johann Bernhard Fischer von Erlach unter Aufsicht des Präsidenten der innerösterreichischen Hofkammer Graf Franz Adam von Dietrichstein (vgl. Dehio 1979: 25).

Im Langhaus der Katharinenkirche sind die allegorischen Darstellungen der Siege Kaiser Leopolds I. und damit des Hauses Österreich über die Osmanen zu sehen. Im Mittelpunkt steht der Entsatz von Wien im Jahre 1683, wo – ähnlich wie in der Basilika in Mariatrost – auch das Porträt von Leopold I. abgebildet ist. Die anderen Emblemata stellen mit verschiedenen allegorischen Motiven den endgültigen Sieg des habsburgischen Adlers oder Löwen über die „Türken“ dar. All diese Szenen des Langhausgewölbes sind dem Künstler Franz Stainpichlers zugeschrieben, der sie in den Jahren 1688 bis 1689 angefertigt hat (vgl. Dehio 1979: 26.)

» Literatur

Barbarics-Hermanik, Zsuzsa (Hg.) (2010): Türkenbilder und Türkengedächtnis in Graz und in der Steiermark. Katalog zu einer Ausstellung aus Anlass des Jubiläums „40 Jahre Südosteuropäische Geschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz“, Universitätsbibliothek – 10. Juni – 31. Oktober 2010. Graz, 30–31, 37.

Dehio Graz. Wien (1979).

Steinböck, Wilhelm (Hg.) (1989): Die Domkirche zum hl. Ägidius. Die Katharinenkirche. Das Mausoleum Kaiser Ferdinands II. Graz.

Popelka, Fritz (1959): Geschichte der Stadt Graz. Graz.

Schuller, Michaela (2003): Zwischen „Turkophobie“ und „Turkophilie“. Zeugnisse historischen Erbes aus der Zeit der Türkenkriege in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz. Bd. 33, 137–151.

Wolf, Gery (2000): Graz: Weltkulturerbe. Graz/Wien.