Graz, Sgraffiti in der Bürgergasse 4

Text: Zsuzsa Barbarics-Hermanik

Die Sgraffiti im Arkadenhof des Hauses Bürgergasse 4 gehören zu den wenig bekannten ‚Türkendenkmälern‘ in Graz, da sie erst 1996 bei Renovierungsarbeiten entdeckt und 1997 freigelegt wurden (vgl. Barbarics-Hermanik 2010: 38).

» Was ist ein Sgraffito?

Sgraffito ist keine Mal-, sondern eine Kratztechnik, deren Name auf die italienische Bezeichnung sgraffiare (oder graffiare) zurückgeht, die „kratzen“ heißt. Sgraffiti waren seit der Renaissance in Italien und in der Schweiz weit verbreitet und diese Dekorationstechnik wurde von italienischen Baumeistern, die aus der Region des Comer- und Luganer-Sees stammten, nach Graz gebracht. Zahlreiche Beispiele für diese Dekorationsform von Hausfasseden finden sich bis nach Ober- und Niederösterreich (vgl. Frizberg/Emersdorfer 2008: 54 bzw. Keller 2007).

» Eine Adelsfamilie stiftet die Sgraffiti 1577

Eine Jahreszahl in den Sgraffiti in der Bürgergasse 4 verrät, dass diese im Jahre 1577 angefertigt wurden. Damals gehörte das Stadtpalais der aus Krain stammenden Adelsfamilie Lenghaim, die in der Organisation der Verteidigung gegen die Osmanen im 16. und 17. Jahrhundert eine bedeutende Rolle spielte (vgl. Roth 1962). Die Darstellung des Schloßberges sowie eines von der linken Seite, d.h. aus dem Osten kommenden „türkischen Reiters“ scheint diesen Kontext zu unterstreichen. Die eigentliche Intention, die hinter den Sgraffiti steckt, ist jedoch bis dato nicht genau bekannt. Wahrscheinlich hängt sie mit der erwähnten Rolle der Familie zusammen (vgl. Barbarics-Hermanik 2010: 38).

» Der besiegte Gegner

Die grotesken Szenen, wie jene der ‚Türkenkarikaturen‘ mögen wahrscheinlich die Überlegenheit gegenüber dem Feind ausdrücken (vgl. Barbarics-Hermanik 2010: 38) – eine Methode, die auf gedruckten Flugblättern und Flugschriften erst ein Jahrhundert später, ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, Verwendung fand und weit verbreitet war.

» Literatur

Barbarics-Hermanik, Zsuzsa (Hg.) (2010): Türkenbilder und Türkengedächtnis in Graz und in der Steiermark. Katalog zu einer Ausstellung aus Anlass des Jubiläums „40 Jahre Südosteuropäische Geschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz“, Universitätsbibliothek – 10. Juni – 31. Oktober 2010. Graz.

Frizberg, Anna-Katerina/ Emersdorfer, Martin (2008): Graz. Rundgänge durch die Geschichte. Erfurt.

Keller, Urs Oskar (2007): Das Sgraffito: Mehr als nur Dekoration oder Volkskunst. In: Applica 17, 28–32.

Roth, Franz Otto (1962): Das verlorene Lengheimer Archiv 1326-1800. Regesten aus Verlassenschaftsinventaren des 17. und 19. Jahrhunderts. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 12, 48–76.

Schweigert, Horst (1979): Dehio Graz. Wien.