Graz, Zeughaus der steirischen Landstände

Text: Zsuzsa Barbarics-Hermanik

Das Zeughaus der steirischen Landstände in der Herrengasse in Graz hängt in seinen Wurzeln mit dem Jahr 1480 zusammen, als nicht nur die Errichtung des ‚Gottesplagenbildes‘, sondern auch eines Waffendepots beschlossen wurde. Aus diesem Waffendepot der Landstände konnten Adelige Waffen kaufen oder ausleihen (vgl. Krenn 2000: 4).

» Das Zeughaus wird im 17. Jahrhundert errichtet

Zur Errichtung des heutigen Zeughausgebäudes, das auch als „Waffenarsenal“ oder „Waffenkammer“ bezeichnet wird, kam es jedoch erst in den Jahren 1643 bis 1644. Bereits 1642 wurde der aus der Schweiz stammende Baumeister Antonio Solar von den Landständen mit den Bauarbeiten beauftragt, die sie dann auch selbst finanzierten (vgl. Schuller 2003: 138).

Das Portal des Zeughauses stammt aus der Spätrenaissance bzw. dem Frühbarock und wurde vom oberitalienischen Bildhauer und Steinmetz Giovanni Mamolo gefertigt. (vgl. Frizberg/ Emersdorfer 2008: 68). Die zwei von ihm geschaffenen Monumentalfiguren stellen den römischen Kriegsgott Mars und die Kriegsgöttin Minerva dar, was die Funktion des Gebäudes unterstreicht. Auf den Türgriffen des Tores sind zwei ‚Türkenköpfe‘ abgebildet, von denen der eine lacht und der andere traurig blickt. Ihre Funktion war es höchstwahrscheinlich, allgemein symbolisch das Böse fernzuhalten und damit das Gebäude zu schützen (vgl. Barbarics-Hermanik 2010: 38.).

» Wichtigster Speicher des Türkengedächtnisses

Im Rahmen ihrer Militärreformen wollte Maria Theresia das Landeszeughaus 1749 vollkommen auflassen, was die Landstände mit dem Hinweis auf dessen „ideellen Wert und […] als Denkmal ihres Landes“ – so die Argumentation auf der Internetseite des Zeughauses –, letztendlich verhindern konnten. Das Zeughaus wurde in ein Museum umgewandelt, das 1882 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Seit 1892 ist es Teil des Universalmuseums Joanneums und wird dort als wichtigster Speicher des Türkengedächtnisses der Stadt Graz präsentiert. Dies erfolgt auch mit Hilfe der Dauerausstellung über das Zeitalter der ‚Türkenkriege‘, in der bis zum heutigen Tag die stereotypenhaften Bilder über die Osmanen, einst als Produkte der kaiserlichen und kirchlichen Propaganda geschaffen, vermittelt werden.

» Nationalsozialistische Propaganda

Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass die Nationalsozialisten nicht nur die Marien- oder ‚Türkensäule‘ für ihre Zwecke instrumentalisierten oder den ‚Türken-Gobelin‘ errichten ließen: 1938 wurde in einer Publikation des Gaupropagandaamtes Steiermark (1938: 54) das Zeughaus als „einer der schönsten Renaissancebauten Deutschlands“ bezeichnet und betont, dass es ein Symbol des „steirische[n] Wehrwille[ns], wie heute so auch einst“ wäre.

Das Werk endet mit dem Foto von zwei Kanonen auf dem Schlossberg, die auf die Stadt gerichtet sind. Unter der Abbildung steht:

Oft gestürmt, nie bezwungen! So grüßt noch heute der Schloßberg hinab in die Stadt, die den Berg in ihrer Mitte einst zu ihrem unüberwindlichen Bollwerk ausbaute, um so selber durch die Jahrhunderte für das ganze Land Herz und Hirn des Kampf= und Wehrwillens sein zu können: Bergfried des Deutschtums im Südosten des großen Reiches (Gaupropagandaamt Steiermark 1938: 62).

» Literatur

Frizberg, Anna-Katherina/ Emersdorfer, Martin (2008): Graz. Rundgänge durch die Geschichte. Erfurt.

Gaupropagandaamt Steiermark (Hg.) (1938): Graz. Stadt der Volkserhebung. Graz.

Krenn, Peter (2000): Das Landeszeughaus und sein Platz in der Geschichte. In: Imperial Austria. Steirische Kunst- und Waffenschätze aus vier Jahrhunderten. Katalog zur Ausstellung auf Burg Rabenstein. Weiz, 3–24.

Schuller, Michaela (2003): Zwischen „Turkophobie“ und „Turkophili“. Zeugnisse historischen Erbes aus der Zeit der Türkenkriege in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz, Bd. 3, 137–151.

Universalmuseum Joanneum: Landeszeughaus, 15.07.2012.

Wolf, Gery (2000): Graz. Weltkulturerbe. Graz/Wien.