Singerstraße, Kolschitzky-Gedenktafel

Text: Johannes Feichtinger, Johann Heiss

Am Haus Singerstrasse 11 befand sich gegen Ende des 20. Jahrhunderts noch eine Gedenktafel, die darauf hinwies, dass sich hier Kolschitzkys Kaffeehaus befunden haben soll (Tomenendal 2000: 176). Auf der Tafel wurden andere legendäre Wiener Persönlichkeiten mit dem Helden von 1683 in Verbindung gebracht.

» Die Inschrift

Die Inschrift dieser Tafel lautete:

An dieser Stelle
gründete im Jahre 1683
Kolschitzky das erste Kaffeehaus
in Wien.
Die geistigen u. künstlerischen Größen
ihrer Zeit wie Schubert, Lanner
u. Strauß waren hier Stammgäste.

Die Tafel wurde entfernt, heute befindet sich in dem Haus ein chinesisches Restaurant. Tatsächlich gründete Kolschitzky keineswegs das erste Kaffeehaus in Wien. Erster Kaffeehausbesitzer war Johannes Diodato.

» Stammgäste in Kolschitzkys Kaffeehaus

Die vielen Erinnerungsstätten an Kolschitzky (Kolschitzkytafel, Kolschitzky-Denkmal, Sgrafitto, Kolschitzkyhof, Kolschitzkygasse) verdeutlichen seine Rolle als Volksheld. Vor allem für die Wiener Kaffeehauskultur wurde er unersetzbar. Als Symbol stand er noch im 19. Jahrhundert einerseits für „heldenhaften Einsatz“ und „bürgerliche Courage“.

Auf Tafeln und in der Erinnerungsliteratur wurde er jedoch geadelt, indem man ihm als erstem Kaffehausbesitzer Kunden wie Starhemberg oder Prinz Eugen zur Seite stellte oder Schubert, Strauss und Lanner zu späteren Stammgästen in seinem Kaffeehaus machte. Wenn ihm nachgesagt wird, er habe nichts weiter als einen Sack Kaffeebohnen als Dank für seinen Einsatz verlangt, verkörpert seine Figur Tugenden wie Edelmut. Kolschitzky steht so stellvertretend für die bürgerliche Bevölkerung, die sich am Kampf gegen die Belagerung beteiligte.

» Literatur

Tomenendal, Kerstin (2000): Das türkische Gesicht Wiens. Auf den Spuren der Türken in Wien. Wien/Köln/Weimar.

Csendes, Peter (1983): Erinnerungen an Wiens Türkenjahre. Wien.