Kahlenberg, Madonna vom Kahlenberg

Text: Silvia Dallinger

Die ‚Madonna vom Kahlenberg‘ ist eine Kopie des in Rom aufbewahrten Bildes ‚Mariä Namen‘. Papst Pius X. machte es der St. Josefskirche im Jahr 1907 zum Geschenk, um damit an die gewonnene Schlacht gegen die Osmanen 1683 zu erinnern und der Gottesmutter Maria für ihre Hilfestellung zu danken. Die Madonna ist im Bild als ‚Wegweiserin‘ (griech. ‚Hodegetria’) dargestellt, womit ihre immerwährende Hilfe in Krisenzeiten repräsentiert wird. Das Bild befindet sich am Hochaltar der St. Josefskirche am Kahlenberg.

» Zur Erinnerung an den Sieg von 1683

Um die historische Bedeutung der St. Josefskirche am Kahlenberg zu unterstreichen, ließ Papst Pius X. eine Kopie des Bildes ‚Mariä Namen‘ im Vatikan malen und segnen, dessen Original sich in der Kirche ‚Santissimo Nome di Maria (e Bernardo)‘ am Forum Trajanum in Rom befindet. Die Feier des “heiligsten Namens Marias” (santissimo nome di Maria) wurde von Papst Innozenz XI. (reg. 1676–1689) zum Gedenken an und zum Dank für den Sieg über die osmanischen Truppen vor Wien 1683 begründet und als Fest für die gesamte Christenheit bestimmt. 1685 wurde eine vornehme Erzbruderschaft (‚Congregazione del Santissimo Nome di Maria‘, 1688 feierlich approbiert), in der u.a. die Kaiser Leopold I. und Joseph I. Mitglieder waren, gegründet.

Schon 1695 planten die Mitglieder der Bruderschaft den Bau einer eigenen Kirche. Nachdem das benachbarte Areal gekauft werden konnte, begann man schließlich 1736 mit dem Kirchenbau. 1738 war der Bau fertiggestellt worden (vgl. Rosendorfer 2010: 198), 1751 war die Kirche fertig eingerichtet. Die Kirche ‚Santissimo Nome di Maria’ ist auch heute noch der Sitz der ‚Bruderschaft des heiligsten Namens Maria‘, die sich dem Gedenken an den Sieg über die Osmanen 1683 widmet.

Papst Pius X. sandte das Bild ‚Mariä Namen‘ über die Nuntiatur nach Wien, wo es am 14. September 1907 als ‚Madonna vom Kahlenberg‘ von Weihbischof Dr. Gottfried Marschall feierlich in der Kirche aufgestellt wurde.

Darüber hinaus gewährte Papst Pius X. der Kirche per Dekret vom 22. April 1908 neun vollkommene Ablassfeiern (Nachlass der Strafe für begangene Sünden) pro Jahr. Folgende Tage wurden dafür festgesetzt:

  • das Schutzfest des Hl. Josef (19. März)
  • das Fest ‚Maria Hilfe der Christen‘ (24. Mai)
  • das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit (Sonntag nach Pfingsten)
  • Mariä Himmelfahrt (15. August)
  • Mariä Geburt (8. September)
  • alle Sonntage des Monats September

Die ‚Madonna vom Kahlenberg‘ ist jedoch weniger bekannt und wird somit weniger verehrt als die ‚Schwarze Madonna von Tschenstochau‘, von der sich ebenfalls eine Kopie in der St. Josefskirche befindet.

» Maria mit dem Jesuskind

Das Bild stellt die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind in Halbfigur dar. Maria wird als ‚Wegweiserin‘ gezeigt, womit das Bild zum byzantinischen Typ der ‚Hodegetria‘ zählt. Maria trägt das Jesuskind am rechten Arm, ihre linke Hand weist auf das Kind, welches die rechte Hand in einer segnenden Pose erhoben hält. Das Jesuskind zeigt bereits die Gesichtszüge eines Erwachsenen, womit das gesamte Leben Jesu angedeutet wird. Maria trägt ein rotes Kleid mit einem blauen Umhang, das Jesuskind selbst ist ebenso in rote Gewänder gekleidet. Beide sind bekrönt und von einem Heiligenschein umgeben.

Das Bild befindet sich am barocken Hochalter unter einer aus der Zeit der Kamaldulenser stammenden lebensgroßen Darstellung des gekreuzigten Jesus. Das sich hinter dem Gnadenbild befindliche Ölbild zeigt dienende Engel mit den Leidenswerkzeugen Christi und wurde 1852 im Auftrag des damaligen Eigentümers der Kirche Johannes Finsterle von Friedrich Schilcher gemalt.

» Die Marienverehrung zur Zeit der ‚Türkenkriege‘

Die ‚Madonna vom Kahlenberg‘ als Beispiel einer ‚Hodegetria‘, also der Muttergottes als ‚Wegweiserin‘, repräsentiert die immerwährende Hilfestellung Mariens und wurde/wird aus diesem Grund besonders in Krisenzeiten verehrt. Die Marienverehrung vor und nach den Türkenkriegen stand ganz im Zeichen der Gegenreformation. Die für den katholischen Glauben besonders charakteristische Marienverehrung wurde betont, um sich vom Protestantismus im Speziellen bzw. ‚den Andersgläubigen‘, wie ‚den Türken‘, im Allgemeinen abzugrenzen. Maria wurde dabei als Verteidigerin des Christentums präsentiert, die den christlichen Truppen durch ihren göttlichen Segen und ihre Wundertätigkeit zum Sieg verholfen habe (siehe auch “Marco d’Aviano und die Marienverehrung”).

Papst Innozenz XI. führte am 25. September 1683, also nur zwei Wochen nach der siegreichen Entsatzschlacht gegen die osmanischen Truppen, das Fest ‚Mariä Namen’ für die gesamte römisch-katholische Kirche ein. Damit sollte der Gottesmutter besonderer Dank erwiesen werden, in deren Namen und durch deren Segen der Sieg über ‚die Türken‘ errungen worden sei.

» Literatur

Hamminger, Josef Dominicus/ Wiener Katholische Akademie (Hg.) (1986): Leopoldi Capelln am Kallenberg oder St. Josephskirche der PP Kamaldulenser auf dem Josephsberg (Sobieskikapelle in der St. Josephskirche)? Wo hat Pater Marco d’Aviano vor der Entscheidungsschlacht am 12. September 1683 die heilige Messe gefeiert? Wien.

Kathpress: Wien: Tausende Katholiken kommen am Sonntag in die Stadthalle, 17.09.2009.

Panek, Guido (1952): Der Kahlenberg. Kurze Geschichte und Führung. Wien.

Rosendorfer, Herbert (2010): Kirchenführer Rom. Leipzig.

Wikipedia: Mariä Namen, 19.08.2009.

Zeiner (08.09.1946): Mariä Namen. Oesterreichs Dank- und Siegesfest. In: Wiener Kirchenblatt, Wochenschrift für die Katholiken, 27. Jg., Nr. 36, 1–2.