Kapuzinerkirche, Marco d’Aviano-Gedenktafel

Text: Silvia Dallinger

Seitlich des Grabmals von Marco d’Aviano (1631–1699) in der Kapuzinerkirche am Hohen Markt in der Wiener Innenstadt befindet sich eine Gedenktafel, die den Kapuzinermönch mit erhobenem Kreuz zeigt. Die Tafel wurde im Jahr 1891 von einigen „katholischen Wiener[n]“ gestiftet. An das Wirken des Kapuzinermönchs erinnert auch die überlebensgroße Bronzefigur Marco d’Avianos vor der Kapuzinerkirche.

» „Darum auf, katholisches Volk von Wien!“

1891 wurde der Seligsprechungsprozess des Kapuzinermönchs Marco d’Aviano eingeleitet. Im selben Jahr kam die Idee auf, ihm mit der Stiftung einer Gedenktafel auch eine Art Denkmal zu widmen. Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Befreiung Wiens 1683 war die Errichtung mehrerer Denkmäler initiiert worden, in denen Marco d’Aviano aber keine Würdigung gefunden hatte. Um 1883 hatte die Kirche im nicht-klerikalen öffentlichen Raum der liberalen Stadt Wien noch keine Denkmäler gesetzt.

Mit Bezug auf die Enthüllung des Liebenberg-Denkmals, das dem Wiener Bürgermeister zur Zeit der Zweiten Wiener Türkenbelagerung Andreas von Liebenberg gewidmet ist, veröffentlichte die konservative Zeitung ‚Das Vaterland. Zeitung für die österreichische Monarchie’ am 18. September 1890 unter der Überschrift „Stimmen aus dem Publicum“ das Schreiben eines „katholischen, aber dankbaren Wieners“ (so unterzeichnet der Schreiber seine Worte), der die Stiftung einer Gedenktafel für Marco d’Aviano forderte:

Eine wahrhaft große That war es, welche die ‚Vereinigten Katholiken’ von 1683 vollbrachten. Mit Stolz sahen die österreichischen Rompilger im St. Petersdom das herrliche Monument Innocenz XI. mit der überlebensgroßen Statue und dem trefflichen Reliefbild, welches als die größte That dieses Papstes die Befreiung Wiens darstellt, [...]. Mit weniger Stolz aber kann man sich überzeugen, daß P. Marco d’Aviano, der heiligmäßige, aber überall eingreifende Gesandte dieses großen Papstes selbst im Tode noch seine stille, bescheidene Verborgenheit fortsetzt, die ihn im Leben so ausgezeichnet und durch die er die auseinanderfahrenden Geister der Mächtigen jener Tage zu vereinigen wußte. Dieser Schutzgeist, den Gott in der Türkennoth der katholischen Kaiserstadt sandte, wäre wohl auch der rechte Geist und Patron für die Noth unserer Tage.

Doch schon die Dankbarkeit allein läßt es ganz unbegreiflich erscheinen, daß der mehr als erdrückenden Mehrzahl der Wiener das Grab ihres Retters, des geistigen Factotums in jener Gefahr unbekannt ist. Selbst solche, die es in der Capucinerkirche suchten, konnten es nicht finden. Gar zu unscheinbar ist aber aucvh die graue Tafel mit den schwarzen Lettern; sie ist selbst schon eine historische Merkwürdigkeit geworden und übt keine lebendige Zugkraft. [...]

Darum auf, katholisches Volk von Wien! Finde wieder den Weg zum Grabe Deines Retters! Eine einfache, Allen verständliche Gedenktafel in der Capucinerkirche möge den stillen traulichen Ort Dir zeigen, wo der Selige ruht, [...]. Die paar Gulden, welche eine solche würdige Marmortafel kostet sind selbst unter Katholiken bald gesammelt. [...] Und vielleicht erleben wir es dann noch, daß auf dem Altare neben dem Grabe des heiligmäßigen Mannes sein Bildniß prange [...]. (Das Vaterland 18.09.1890)

Des weiteren erschien 1891 eine Biografie Marco d’Avianos von Alois Freudhofmeier, dem Direktor der Kirche zur ‚Heimsuchung Mariens‘ des Salesianerinnen-Konvents am Rennweg und Inspektor für den Religionsunterricht, mit dem Titel „P. Marco d’Aviano. In harter Zeit der Schutzgeist von Österreich“. Darin forderte Freudhofmeier erneut die Anbringung eines „Gedenksteines“ am Grab Marco d’Avianos in der Kapuzinerkirche – den Reinerlös seiner Schrift widmete er diesem Ziel.

» Eine unscheinbare Enthüllungsfeier

Nachdem im Jahr 1891 von mehreren Seiten der Wunsch geäußert worden war, Marco d’Aviano eine Gedenktafel zu widmen, wurde diese Idee noch im selben Jahr umgesetzt. Die Inschrift der Gedenktafel nimmt Anleihe am Titel der Biografie Alois Freudhofmeiers. Zur Enthüllungsfeier erschien u.a. der Historiker Onno Klopp. Der Kunsthistoriker und Theologe Dr. Heinrich Swoboda hielt eine Festrede. Im Unterschied zur feierlichen Enthüllung des Liebenberg-Denkmals 1890 vor der Mölkerbastei oder jener des Türkenbefreiungsdenkmals 1894 im Stephansdom fand die Enthüllung der Marco d’Aviano-Gedenktafel nur im kleinen Rahmen statt.

» Marco d’Aviano mit erhobenem Kreuz

Die Gedenktafel mit einer Darstellung Marco d’Avianos ist seitlich des Grabes des Kapuzinermönchs – an der linken Kapellenwand der rechten Seitenkapelle der Kapuzinerkirche – angebracht. Es handelt sich um ein Medaillon-Brustbild in Öl von Prof. Michael Rieser, der auch das Hochaltarmosaik in der Schottenkirche entworfen hatte. Auf dem Bild ist Marco d’Aviano mit hocherhobenem Kreuz dargestellt. Er trägt einen braunen Kapuzinerhabit und eine violette Stola, die ihn als Bußprediger kennzeichnet. Die Marmorumrahmung vom Architekten Richard Franz Jordan trägt folgende Inschrift:

DEM SCHUTZGEIST WIENS
UND OESTERREICHS IN DER TÜRKENNOTH 1683
P. MARCO D’AVIANO O.C.
GEB. 17. NOVEMB. 1631. † 13. AUGUST 1699.

» Literatur

Dettenweitz, P. Jesuald O.M.Cap. (1933): Marco d’Aviano in der Kunst. In: Grauer, Karl Johannes/ Winter, Ernst Karl/ Zessner-Spitzenberg, Hans Karl (Hg.): Marco d’Aviano. Sein Werk und seine Zeit. Eine Festschrift zum 250. Jahrestag der Türkenbefreiung. Wien, 107–114.

Freudhofmeier, Alois (1891): P. Marco d’Aviano. In harter Zeit der Schutzgeist von Österreich. Wien.

Friedrich, Verena (2006): Kapuzinerkirche in Wien. „Heilige Maria von den Engeln“. Wien.

Grauer, Karl Johannes/ Winter, Ernst Karl/ Zessner-Spitzenberg, Hans Karl von (Hg.) (1933): Marco d’Aviano. Sein Werk und seine Zeit. Eine Festschrift zum 250. Jahrestag der Türkenbefreiung. Wien.

Krasa, Selma (1982): Das historische Ereignis und seine Rezeption. Zum Nachleben der Zweiten Türkenbelagerung Wiens in der österreichischen Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. In: Historisches Museum der Stadt Wien (Hg.) (1982): Die Türken vor Wien. Europa und die Entscheidung an der Donau 1683. Salzburg/Wien, 314–315.

Mayerl, Br. Erhard (2003): Marco d’Aviano und Österreich. https://www.kapuziner.at/wien/marco/aviano-erhard2.pdf (bis 2008 abrufbar, nach Relaunch der offiziellen Webpage der Kapuziner jedoch nicht mehr online).

Mikrut, Jan (Hg.) (2003): Die Bedeutung des P. Markus von Aviano für Europa. Wien.

Pisa, Johanna/ Wasner-Peter, Isabella (2000): Marco d’Aviano. Prediger und Diplomat. Katalog der 238. Wechselausstellung der Wiener Stadt- und Landesbibliothek (Juni – Dezember 2000). Wien.

Tomenendal, Kerstin (2000): Das türkische Gesicht Wiens. Auf den Spuren der Türken in Wien. Wien/Köln/Weimar.

Wikipedia: Marco d’Aviano, 31.08.2009.