Purbach am Neusiedler See, Koppikreuz

Text: Simon Hadler

Knapp außerhalb von Purbach am Neusiedler See an der B50 in Richtung Breitenbrunn befindet sich eine Dreifaltigkeitssäule, die als das Koppikreuz bekannt ist. Das Denkmal erinnert an Andreas Grein, der 1647 von tatarischen Truppen gefangen genommen worden sein soll. Er konnte jedoch fliehen; an jener Stelle, an welcher er von seiner Flucht erschöpft aufgefunden wurde, errichtete man später das Koppikreuz. Grein stiftete auch ein Votivbild, das die Gefangennahme zeigt und sich heute in der „Nikolauszeche“ in Purbach befindet.

» Türken, Tataren, Ungarn

Das heutige Burgenland als ungarische Grenzregion und damit auch Purbach waren im 16. und 17. Jahrhundert häufig Schauplatz von Truppenbewegungen, kriegerischen Auseinandersetzungen und Plünderungszügen, die im weitesten Sinne mit dem Konflikt zwischen dem Habsburger und dem Osmanischen Reich zusammenhingen. Dazu zählen die großen Feldzüge 1529, 1532 und 1683 ebenso wie die Aufstände der Siebenbürger Fürsten Stephan Bocskai und Gábor Bethlen.

Purbach reagierte auf diese Bedrohungen mit dem Bau einer Stadtbefestigung in den Jahren 1630 bis 1634. (Egermann 2007: 48) Als Andreas Grein, damals angeblich 12 Jahre alt, in Gefangenschaft geriet, musste er sich daher außerhalb des Marktes aufgehalten haben. Das von ihm gestiftete Votivbild zeigt ihn an den Händen gefesselt und von einem osmanischen Reiter am Seil geführt. Nach einigen Tagen soll ihm die Flucht geglückt sein, indem er sich im Rückwärtsgang vom Nachtlager entfernte. Nach drei Tagen und Nächten sei er schließlich kurz vor Purbach erschöpft zusammengebrochen. (Rüssel 2003: 30f)

Einer anderen Legende zufolge soll Grein bereits verheirateter Hausbesitzer gewesen sein, als er von türkischen Reitern gefangen genommen wurde. Man brachte ihn ins osmanische Reich, wo er sieben Jahre lang in einem Schweinestall wohnte, einen Ackerpflug ziehen musste und von Nusskörnern und Hirse lebte. Nachdem er schließlich fliehen konnte und mehrere Monate lang unterwegs war, rastete er schließlich an jenem Platz kurz vor Purbach, wo heute das Koppikreuz steht. (Lachnit 1923: 53)

» Das Votivbild des Andreas Grein

Aus Dankbarkeit für seine Heimkehr ließ Andreas Grein später ein Votivbild malen. Es zeigt nicht nur den Gefangenen und den Reiter, sondern auch die über dieser Szene schwebende hl. Dreifaltigkeit und die hl. Maria sowie auf der rechten Seite des Bildes den hl. Nikolaus. Am unteren Bildrand ist folgende Inschrift zu lesen:

Ich Andreas Grein bin in 1647 von den Tataren gefangen worden und durch die Vorbitt der Hl. Dreifaltigkeit u. Mutter Gottes wie auch durch Vorbitt H. Nikolaus erettet worden. (Garami 1937: 32)

Über den Künstler des Gemäldes und den Zeitpunkt seiner Entstehung ist nichts bekannt. Es befindet sich heute in der „Nikolauszeche“ in der Bodenzeile in Purbach.

» Die Dreifaltigkeitssäule und die Familie Koppi

Die Dreifaltigkeitssäule trägt im Volksmund den Namen Koppikreuz, benannt nach jener Familie, die im 19. Jahrhundert im Besitz des Grundstücks war. Die Koppis waren auch Eigentümer des so genannten „Greinhauses“ in der heutigen Schulgasse 15 und des Votivbildes. Der über dem Toreingang dieses Hauses eingemeißelte Krebs soll daran erinnern, dass Andreas Grein rückwärts gehend aus dem Lager der osmanischen Soldaten geflohen war. (purbach.at)

Das Koppikreuz besteht aus einer korinthischen Weinlaubsäule mit einem Gnadenstuhl. Es trägt die Jahreszahl 1647 als Inschrift. (Schmeller-Kitt 1980: 244) Im Zuge der letzten Restaurierung des Denkmals wurden außerdem die Initialen „G W“ entdeckt, deren Bedeutung noch unbekannt ist. (purbach.at)

» Literatur

Egermann, Johann (2007): Purbach in der frühen Neuzeit. „Reit‘, Veitl, reit‘ …“ – Die Türken kommen! In: Verein zur Erforschung der Purbacher Geschichte (Hg.): Purbach am Neusiedler See. Purbach am Neusiedler See. 45–56.

Garami, Alex ([1937]): Kurzgefasste Geschichte der Gemeinde Purbach am Neusiedlersee. Sopron.

Lachnit, Hermann (1923): Purbach. Verschleppung eines Purbachers durch die Türken. In: Mitteilungen des Burgenländischen Heimat- u. Naturschutzvereines. 3. Jg., Nr. 4. 52f.

purbach.at: Das Andreas Grein Haus. 16.7.2012.

Rüssel, Maria (2003): Andreas Grein. In: Verein zur Erforschung der Purbacher Geschichte (Hg.): Purbacher Jahrbuch. Beiträge zur Stadtgeschichte von Purbach am Neusiedler See. Band 1. Purbach/See. 30f.

Schmeller-Kitt, Adelheid (Bearb.) (1980): Die Kunstdenkmäler Österreichs. Burgenland (= DEHIO-Handbuch). Zweite, verbesserte Auflage. Wien.