Stephansdom, Starhemberg-Bankerl

Text: Johanna Witzeling

Das so genannte ‚Starhemberg-Bankerl‘ in der Türmerstube des Wiener Stephansdoms erinnert an Ernst Rüdiger Graf von Starhemberg , den Stadtkommandanten Wiens im Jahr 1683, der von dieser kleinen steinernen Bank aus die Bewegungen der feindlichen Truppen beobachtet haben soll (vgl. Tomenendal 2000: 174).

» Der Südturm als wichtiger Beobachtungsposten

Seit Vollendung des Südturmes im Jahre 1433 wurde dieser als Beobachtungsposten mit weiter Fernsicht von zwei städtischen Türmern genutzt. Von der ‚Türmerstube‘ aus konnten Gefahren wie zum Beispiel Feuer oder herannahende feindliche Truppen frühzeitig erkannt werden (vgl. Unser Stephansdom: Mäzenatentum). In den Tagen vor dem Entsatz Wiens 1683 sollen vom Südturm aus Raketen abgeschossen worden sein, um die herannahenden Entsatztruppen über die schwierige Lage Wiens zu informieren (vgl. Unser Stephansdom: Der Südturm; Jaindl 1992: 19).

Eine Informationstafel verweist in der Türmerstube auf die historischen Bezüge:

Starhemberg Bankerl
Aussichtspunkt während der Türkenbelagerungen
1529 und 1683, benannt nach Graf Rüdiger von
Starhemberg, dem Verteidiger Wiens während
der zweiten Belagerung.

Der Stephansdom soll während der osmanischen Belagerung von etwa 1000 Kanonenkugeln getroffen worden sein. Einige dieser ‚Türkenkugeln‘ wurden zur Erinnerung an diese Zeit am Stephansdom eingemauert.

» „Des Starhembergers Sitz“

Die Geschichte von Starhembergs Beobachtungsposten im Wiener Stephansdom hielt auch Einzug in Sagen und Legenden, wie dieses Beispiel, nachzulesen auf der Website Sagen.at, zeigt:

Auf Sankt Stephans Riesen
In dem Söllergang,
Wird ein Sitz gewiesen,
Dem nur ehrfurchtvoll
Jeder nahen soll.
Auf dem Stephansturme
Saß Graf Starhemberg
Bei dem Türkensturme,
Auf dem Stuhl von Stein,
Starren Blicks – allein.
Ha, wie scharf du blickest,
Kommandant von Wien!
Und zum Himmel schicktest
Flammendes Gebet:
“Herr! Komm nicht zu spät !”
Ringsum lagern Heere
Kara Mustaphas;
Ringsum blinken Speere,
Und der Türke droht
Unerhörte Not.
Schlachtendonner toben,
Und der Kommandant
Auf dem Turme droben
Fliegt vom Sitz von Stein
In die Schlachtenreih’n.
Bald im blut’gen Tanze
Kämpft der Starhemberg
Auf bedrohter Schanze.
Mutig allerwärts
Schlägt sein Heldenherz.
Bald im Feld vernichtend
Mäht des Grafen Schwert;
Bald auch straft er richtend,
Und allen den zeigt
Er sich ungebeugt.
Bald auch wieder eilt er
Hoch empor zum Turm,
Spähend dort verweilt er;
Über Stadt und Feld
Blickt vom Turm der Held.
Vierzig lange Tage!
Sturm erfolgt auf Sturm.
Lauter wird die Klage;
Armes Wien! Du bangst
Ach, in Todesangst.
Flammend wie Gebete
Rauscht vom Stephansturm
Hoch auf die Rakete.
Und ihr Leuchten fleht:
“Herr! Komm nicht zu spät!”
Ha! Wie ferne Blitze
Flammt’s dort überm Berg.
Auf von seinem Sitze
Fährt der Kommandant:
“Gott hat es gewandt!”
“Das sind gute Zeichen!
Morgen! O brich an,
Morgen ohnegleichen!
Gottes Trost ist da,
Sobieski nah!”
Seit dem Türkensturme
Trug der Starhemberg
Von dem Stephansturme
Frank im Wappenschild
Das erhabne Bild.
(Quelle: Die schönsten Sagen aus Wien, o. A., o. J., Seite 364)

Der Schluss des Gedichts spielt auf die „Wappenbesserung“ an, die Starhemberg 1686 erhalten hat. Am Gitter, das seinen Sarkophag in der Gruft der Schottenkirche umgibt, ist das Wappen abgebildet.

» Literatur

Jaindl, Elisabeth (1992): Der Stephansdom im alten Wien. Geschichte und Geschichten. Korneuburg.

Tomenendal, Kerstin. 2000. Das türkische Gesicht Wiens. Auf den Spuren der Türken in Wien. Wien/Köln/Weimar.

SAGEN.at – Datenbanken zur Europäischen Ethnologie: Des Starhembergers Sitz, 22.09.2009.

Unser Stephansdom: Mäzenatentum.https://www.stephansdom.at/data/restaurierung/maezenatentum/index.php, 22.09.2009 (nicht mehr vorhanden).

Unser Stephansdom: Der Südturm, 8.07.2010.