Schottenkirche, Starhemberg-Sarkophag

Text: Martina Bogensberger, Johannes Feichtinger, Johann Heiss

Die Wertschätzung, die der “Türkensieger” Ernst Rüdiger Graf Starhemberg erfuhr, zeigt sich darin, dass sein letzter Wunsch, in der Wiener Schottenkirche bestattet zu werden, erfüllt wurde. Der Sarkophag des Verteidigers von Wien während der Zweiten Türkenbelagerung 1683 befindet sich in der monumentalen Krypta (Stiftergruft) gegenüber dem Grab von Heinrich Jasomirgott, des Gründers des Schottenklosters.

» Graf Starhembergs letzter Wunsch

Graf Starhemberg war am 4. Juni 1701 verstorben. Sein ausdrücklicher testamentarischer Wunsch lautete:

Mein Todter Cörper aber solle ohne grossen Pomp nach Christlichen Gebrauch in die Schottenkirchen allhier, als Meine Pfahr, zur Erden bestatten werden. (vgl. Litschauer 1933: 26)

Zunächst wurde Starhemberg unter dem sogenannten Sebastianaltar bestattet. 1857 ließ Abt Sigismund Schultes im Zuge von Renovierungsarbeiten den Sarg Starhembergs in die Stiftergruft unter dem Hochaltar überstellen.

Über dem Eingang der Schottengruft sollte die Inschrift „Crypta Fundatoris et Defensoris Viennae“ angebracht werden.

Anlässlich des 200. Todestages (1901) wurde der Sarg Starhembergs renoviert und in einer Nische einige Schritte von der Gruftstiege entfernt auf einem schwarzen, marmornen Sockel neu aufgestellt (Kramreiter 1962: 33). Rund um den Sarg wurde von Dombaumeister August Kirstein ein Schmiedeeisengitter errichtet.

Im Hauptschiff der Schottenkirche (am zweiten Pfeiler rechts) befindet sich ein weiteres monumentales Erinnerungszeichen: Den sogenannten Starhemberg-Epitaph hatte seine Witwe, Maria Josefa geborene Gräfin Jörger, für ihren Gatten errichten lassen (Scheidl 1908: 94f., Anm. 1).

» Der Sarkophag

Starhembergs Leichnam liegt in einem einfachen kupfernen, mit Totenköpfen und Schlangen (siehe auch Starhembergs Wappen) verzierten Sarg in der Gruft der Schottenkirche.

Der Sarg befindet sich rechts vom Eingang zum Mausoleum hinter dem 1901 angebrachten schmiedeeisernen Gitter. Er ist 214 Zentimeter lang, 77 Zentimeter hoch und 86 Zentimeter breit. Auf dem Sargdeckel ist eine Inschrift eingraviert, die lautet:

Hierin ruehen Ihro Hochgrafl. Exzellenz der Hochgeborne Herr Ernnst Rudiger des Heyl. Röm. Reichs: Graff und Herr von Starchenberg, Herr der Grafschafft Waxenberg, der Burg und Herrschaft Eferding, auf Schönbüchl, Freyenstein, Freydegg, Auhoff, Carlspach, Krumpnussbaumb, der Herrschafftt und Mauth Aggstain, Engelhardt-stetten, Neusiedl, Conrathswerth, und Vicegrad, Ritter des goldenen Fliesses, der Röm. Kays. May. Würklich Geheimber und Conferendz Rath, Cammerer, Hoff-Kriegs Rath Präsident, General Feldt-Marschall, Obrister über ein Regiment zu Fues wie auch Statt-Quardi Obrister und Commendant der kays. Haupt- und Residendz Statt Wienn, weliche in Gott Seelig Endtschlaffen den 4. Junij gegen Neun Uhr Anno 1701. (vgl. Litschauer 1933: 26f.)

Rund um den Sarg wurde von Dombaumeister August Kirstein ein Schmiedeeisengitter errichtet, dessen zentraler Teil das 1686 gebesserte Wappen Starhembergs mit dem Orden vom Goldenen Vlies zeigt. Das Wappen wird wie folgt beschrieben: “In Silber ein aus rotem Schildfuß wachsender feuerspeiender, rotgehörnter blauer Panther” (Gall 1992: 289).

» Der fallende Halbmond im Wappen

Unmittelbar nach seinem Türkensieg 1683 wurde Ernst Rüdiger Graf von Starhemberg von Dynastie, Hof und Papst mit zahlreichen Ehrungen, Auszeichnungen und Beförderungen bedacht. Schon im Jahr 1683 wurde er Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies und 1686 mit einer ‚Wappenbesserung’ ausgezeichnet. Dem Familienwappen wurde der hohe Turm des Stephansdoms als Krönung hinzugefügt. Mit der Wappenbesserung hat es eine besondere Bewandtnis:

In der Türmerstube in ca. 70 Meter Höhe befindet sich das so genannte Starhemberg-Bankerl, das Starhemberg benützt haben soll, um von hier aus die Lage zu überblicken und Signalraketen abzufeuern. Auf dem verbesserten Wappen befindet sich über dem durch drei Streben schematisch angedeuteten Stephansturm die Turmbekrönung, bestehend aus dem ‚goldenen Apfel’ mit Kreuz. Die alte Turmbekrönung (‚Mondschein’), die aus Stern und dem als Zeichen des Feindes interpretierten Halbmond bestanden hatte, wird nach links unten gefallen dargestellt.

Tatsächlich war diese Turmbekrönung am 12. Juli 1686 abgenommen und am 14. September durch ein Kreuz ersetzt worden. (Camesina 1865: XXVIIIf.) Am 2. September war der siegreiche Sturmangriff auf Ofen geführt worden. Während der Belagerung dieser Stadt war Starhemberg als Oberbefehlshaber der kaiserlichen Infanterie am 31. Juli schwer verwundet worden. Am 20. September selben Jahres gewährte ihm Kaiser Leopold I. die oben genannte „Vermehrung des gräfl. Starhemberg’schen Wappens“(Camesina 1865: XLIf.).

Das Wappen zeigt den links blickenden Starhembergschen Panther, der in einer Pfote ein Schwert schwingt und dessen andere Pfote auf einem abgeschlagenen Türkenkopf ruht. Wie zu erwarten erhielt Starhemberg noch im Jahr 1683 den Orden vom Goldenen Vließ, dessen Darstellung auf dem Sarkophag in der Krypta der Schottenkirche das gebesserte Wappen umfasst.

» Heldenverehrung und Gedenken

Starhemberg wurde somit zu einem Helden, dessen weltlicher Sieg auch im kirchlichen Raum gewürdigt und überliefert wurde. Sein Sarkophag befindet sich nicht in der Familiengruft im Schloss von Eferding (Oberösterreich), sondern in der Krypta der Wiener Schottenkirche. Wohl auch aus diesem Grund kam dieser Kirche während der zweiten Säkularfeier 1883 eine zentrale Rolle zu. Zum Fest Mariä Namen am 9. September wurde der neue Hochaltar eingeweiht.

Am darauffolgenden Tag zelebrierte der Prälat des Schottenstiftes Ernst Hauswirth ein Requiem für Starhemberg, Andreas von Liebenberg und alle 1683 gefallenen Verteidiger Wiens. Unter den Anwesenden waren auch Vertreter des Wiener Gemeinderats, der Generalität sowie viele pensionierte Offiziere. Im Anschluss an das Requiem legte der Wiener Bürgermeister Eduard Uhl auf Starhembergs Sarkophag einen Lorbeerkranz nieder. Die Kranzniederlegung bildete den Auftakt der städtischen Säkularfeierlichkeiten. Am dritten Tag (12. September 1883) wurde der Schlussstein des neuen Wiener Rathauses gelegt.

Seinen Festsaal schmückt seither eine Starhemberg-Statue, ausgeführt vom Bildhauer Franz Erler. Am Rathausplatz befindet sich das Starhemberg-Denkmal, das 1902 von seinem ursprünglichen Standort auf der Elisabethbrücke hierherversetzt wurde. Schließlich wurde die Gestalt Starhembergs auch in der so genannten Ankeruhr am Hohen Markt (1. Wiener Gemeindebezirk) verewigt.

» Starhemberg als Namensgeber

1884, ein Jahr nach der zweiten Säkularfeier, wurde die frühere Karolygasse im 4. Wiener Gemeindebezirk in Starhemberggasse umbenannt. Ab 1938 hieß sie Graf-Starhemberg-Gasse.

Bereits 1862 wurde die frühere Magdalenengasse im 5. Bezirk in Rüdigergasse, die gleichfalls an Starhemberg erinnen soll, umbenannt. Sie führt auf den 1902 vom Otto Wagner-Schüler Oskar Marmorek errichteten Rüdigerhof zu, der auch nach dem damaligen Stadtkommandanten Wiens benannt sein dürfte.

Im 10. Wiener Gemeindebezirk (Gußriegelstrasse 45) befindet sich die 1911/12 erbaute und bereits 1913 erweiterte Starhembergkaserne, die ursprünglich Franz-Ferdinand-Kaserne geheißen hatte und nach dem Ersten Weltkrieg in Trostkaserne umbenannt werden sollte. Seit 1967 trägt sie den Namen Starhembergs.

In Graz wurde der Name Starhemberggasse 1892 einer Straße westlich des Hauptbahnhofes gegeben. Die Annahme, das Starhemberg 1638 in Graz geboren wurde, liegt der Benennung zugrunde, ist aber nicht belegbar. Ein Standbild des “Türkensiegers”, das sich seit seiner Fertigstellung 1893 am Grazer Rathaus befand (Uhl 1997: 398–401), wurde 1957 im Zuge der Umgestaltung der Fassade entfernt.

Weitere Benennungen nach Starhemberg in Österreich:

  • Starhemberggasse, 2753 Waldegg, Wiener Neustadt (Land), NÖ
  • Starhemberggasse, 2410 Hainburg an der Donau, Bruck an der Leitha, NÖ
  • Starhemberggasse, 2700 Wien, Wiener Neustadt (Stadt), NÖ
  • Starhemberggasse, 8020 Graz, Graz (Stadt), Steiermark
  • Starhembergstraße, 4020 Linz, Linz (Stadt), OÖ
  • Starhembergstraße, 4211 Alberndorf In der Riedmark, Urfahr-Umgebung, OÖ
  • Starhembergstraße, 4190 Bad Leonfelden, Urfahr-Umgebung, OÖ
  • Starhembergstraße, 4210 Gallneukirchen, Urfahr-Umgebung, OÖ
  • Starhembergstraße, 4070 Eferding, OÖ
  • Starhembergstraße, 2753 Markt Piesting, NÖ
  • Starhembergweg, 4203 Altenberg Bei Linz, Austria, OÖ

Unerwartete Berühmtheit erlangte Starhembergs Name durch eine Serie von Briefbomben in den Jahren 1993 bis 1997, als der Bombenattentäter Franz Fuchs seine Bekennerschreiben mit “Graf Rüdiger von Starhemberg” unterzeichnete.

» Literatur

Bandion, Wolfgang (1989): Steinerne Zeugen des Glaubens. Wien.

Camesina, Albert (1865): Wien’s Bedrängniß im Jahre 1683. Berichte und Mittheilungen des Alterthums-Vereines zu Wien. Band 8, Wien.

Czeike, Felix (1983): Wiener Bezirkskulturführer Innere Stadt. Wien.

Gall, Franz (1992): Österreichische Wappenkunde. Handbuch der Wappenwissenschaft. 2., verbesserte Auflage. Wien/Köln/Weimar.

Huhn, Christian Wilhelm (1717): Nichts Neues und Nichts Altes/ Oder umbständliche Beschreibung/ Was Anno 1683. vor/bey/ und in der Denckwürdigen Türckischen Belagerung Wien/ vom 7 Julii biß 12 Septembr. täglich vorgelauffen. Breslau.

Kortz, Paul (1906): Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts. Wien.

Kramreiter, Robert (1962): Die Schottengruft in Wien. Grabstätte Heinrich Jasomirgotts und des Grafen Rüdiger von Starhemberg. Wien.

Litschauer, Gottfried (1933): Das Wiener Schottenstift und das Türkenjahr 1683. Klosterneuburg.

Rapf, Cölestin Roman (1974): Das Schottenstift. Wien.

Rist, Matthias (21997): Schottenkirche Wien. Abtei- und Pfarrkirche Unserer Lieben Frau. Regensburg.

Scheidl, Franz (1908): Denkmale und Erinnerungszeichen an die Türkenzeit in Wien. Wien.

Stift Schotten (1883): Die Kirche unserer lieben Frau zu den Schotten in Wien und der neue Hochaltar welcher zur dankbaren Erinnerung an die vor zweihundert Jahren erfolgte Rettung Wiens am Feste Maria Namen 1883 geweiht wurde. Wien.

Telesko, Werner (2008): Kulturraum Österreich. Die Identität der Regionen in der bildenden Kunst des 19. Jahrhunderts. Wien/Köln/Weimar.

Tomenendal, Kerstin (2000): Das türkische Gesicht Wiens. Auf den Spuren der Türken in Wien. Wien/Köln/Weimar.

Uhl, Heidemarie (1997): Der Rathausbau als urbane Selbstdarstellung im Graz der Jahrhundertwende. In: Forschungen zur Geschichte des Alepen-Adria-Raumes. Festgabe für em. o. Univ.-Prof. Dr. Othmar Pickl zum 70. Geburtstag, hg. von Erwig Ebner, Paul W. Roth und Ingeborg Wiesflecker-Friedhuber, Graz: 391–402.

Vaelckeren, Johann Peter von (1683): Vienna à Turcis Obsessa à Christianis Eliberata: Sive Diarium Obsidionis Viennensis, Inde à sexta Maii ad decimam quintam usque Septembris deductum. Wien, 03.08.2009.

Vaelckeren, Johann Peter von (1684): Wienn Von Türcken belägert/ Von Christen entsezt. Das ist: Kürtzliche Erzehl- und Beschreibung alles dessen/ was sich vor- in- und nach der grausamben Türckischen Belägerung der Kayserlichen Residentz Statt Wienn in Oesterreich Anno 1683. vom 6. Maii an/ biß 19. Septembris von Tag zu Tag denckwürdigs zugetragen. Linz.

Zeissberg, Heinrich von (1888): Historische Uebersicht. In: Wien 1848–1888. Denkschrift zum 2. December 1888, hg. vom Gemeinderathe der Stadt Wien. Band 1. Wien, 1–106.

Schottenstift, 03.09.2008.