Szigetvár

Text: László Balogh

Von 6. August bis 8. September 1566 wurde Szigetvár von Truppen des Osmanischen Reiches belagert, ehe die Festung eingenommen werden konnte. Eine Reihe von Denkmälern erinnert heute an die Schlacht, den Tod der beiden Anführer Süleyman der Prächtige und Miklós Zrínyi sowie an die bis 1688 dauernde osmanische Herrschaft.

» Löwendenkmal am Hauptplatz (Zrínyi Platz)

Das Löwendenkmal wurde 1878 von István Gerendai angefertigt und durch Spenden von Bewohnern der Stadt und ihrer Umgebung finanziert. Es ist das erste Zrínyi-Denkmal in Ungarn. Ein Löwe auf rotem Marmorsockel steht auf einer türkischen Fahne und tritt auf einen Halbmond. Auf dem Sockel ist das Epigramm „Sziget” des berühmten ungarischen Dichters Mihály Vörösmarty zu lesen.

Zwei Löwen erscheinen als Symbole auch im Stadtwappen von Szigetvár, sie verkörpern den Kampf und den Tod von Süleyman und Zrínyi.

SZIGET
Honfi! ha föllépendsz düledék várára Szigetnek,
Sírva ne említs szót sajnos eleste felől:
Ott hős Zrínyi körűl bátor daliái nyugosznak:
Gyönge panasz szózat bántja nagy álmaikat.
1830. október

Auf Deutsch heißt das sinngemäß:

Landsmann! Wenn Du auf die Ruinen der Burg von Sziget hinaufsteigst, erwähne weinend kein Wort über ihren Fall. Dort ruhen um den Held Zrínyi seine Helden. Schwache Klage stört ihre Träume.

» Anfänge der türkisch-ungarischen Beziehungen in Szigetvár

1913 ließ der türkische Konsul Achmed Hikmet eine Gedenktafel an der Kirche von Turbék bei Szigetvár anbringen. Die Kirche steht an der Stelle der Türbe (Grabdenkmal) Süleymans des Prächtigen. Zu dieser ersten Versöhnungsfeier sind laut zeitgenössischen Berichten 1200 Pferdekutschen mit Gästen vorgefahren. Der Chor der Stadt trug die türkische Hymne angeblich in türkischer Sprache vor. Die örtliche Presse feierte diesen beispiellosen Versöhnungsakt.

» Park der ungarisch-türkischen Freundschaft – Magyar-Török Barátság Park

Im Jahre 1994 initiierte die Republik Türkei anlässlich des 500. Geburtstages von Süleyman dem Prächtigen die Errichtung einer Gedenkstätte in Szigetvár, die von der türkischen Regierung finanziert wurde. Angeblich stand das Zelt des Sultans während der Belagerung der Stadt im Jahr 1566 genau an diesem Ort. Die Belagerung dauerte einen Monat lang, weil Zrínyi die Burg nicht aufgegeben, sondern heroischen Widerstand geleistet hatte. Während der Belagerung war der Sultan in der Nacht von 5. auf 6. September verstorben. So hatte er die Eroberung am 8. September nicht mehr erlebt. Seine sterblichen Überreste wurden einbalsamiert und nach Istanbul transportiert, sein Herz und seine Organe in der Nähe – in Turbék – beigesetzt. Süleymans Sohn Selim II. hat über dem Grab eine Türbe aus Marmor bauen lassen, die jedoch 1693 auf Befehl der Habsburger zerstört wurde. An ihrer Stelle ließ man eine Kirche errichten.

Der Park der ungarisch-türkischen Freundschaft wurde nach langen Verhandlungen im September 1994 von Süleyman Demirel, dem damaligen Präsidenten der Republik Türkei, und Gábor Fodor, dem Minister für Unterricht und Kultur, eröffnet. 1996 wurde der Park durch einen Brunnen nach türkischer Art erweitert. 1997 wurde ein neues Denkmal von Zrínyi neben jenem von Süleyman dem Prächtigen aufgestellt. Bildhauer beider Werke war der türkische Künstler Metin Yurdanur (geb. 1951, Sivrihisar).

Die Partnerstadt von Szigetvár ist Trabzon in der Türkei, wo Süleyman geboren wurde und wo sich eine Kopie des Denkmals von Szigetvár befindet.

» Ali-Pascha-Moschee, heute römisch katholische Kirche

Die Moschee wurde kurz nach der Eroberung von Szigetvár 1569 auf Eichenpfählen errichtet. Anlässlich des 100. Jahrestages der Befreiung der Stadt Szigetvár 1788 wurde das Gebäude in die heutige römisch-katholische Kirche umgewandelt, die dem Heiligen Rochus geweiht ist. Beim Umbau wurde die Grabstätte von Ali Pascha zerstört und die Kirche durch eine Vorhalle, eine Galerie, einen Chor und einen barocken Turm erweitert. Die Kuppel wurde mit einem Fresko von István Dorffmeister versehen, der einer der berühmtesten Barockmaler seiner Zeit war. Er hat mehrere Bilder mit Bezug auf türkische Themen geschaffen. Die Bilder an der Kuppel zeigen folgende Szenen: den heldenhaften Ausbruch und den Tod von Zrinyi sowie an zentraler Stelle die Rückeroberung von Szigetvár 1688 unter dem kaiserlichen Oberst Vecchi. Auf dem Fresko sind vier Tafeln zu sehen, die in vier Himmelsrichtungen weisen und auf denen vier römische Zahlen zu lesen sind, die mit der Geschichte von Szigetvár zu tun haben:

  • östliche Seite – 1566: die Eroberung von Szigetvár
  • westliche Seite – 122: die Zahl der Jahre unter türkischer Herrschaft
  • südliche Seite – 1688: das Jahr der Rückeroberung
  • nördliche Seite – 1788: Feier des 100. Jahrestages der Rückeroberung

» Literatur

Bősze, Sándor/ Ravazdi, László/ Szita, László (Hg.) (2006): Szigetvár története. Szigetvár.

Burg von Szigetvár, 15.12.2011.

Galavics, Géza (1986): Kössünk kardot a pogány ellen. Török háborúk és képzőművészet, Képzőművészeti Kiadó. Budapest.

Horváth, László/ Varga, Zoltán (2010): Ellenségből barátok – Szigetvár és a törökök. In: Várak, kastélyok, templomok 4. S. 29–32.

Szigetvári Vár, 15.12.2011.

Varga, Zoltán (Hg.) (2010): Zrinyi Miklós élete és öröksége, Szigetvár Várbaráti Kör, Szigetvár.

Varga Zoltán (2010): A Zrínyi kultusz Szigetváron. In: Várak, kastélyok, templomok 4. S. 40–43.

Zrinyi-Tage in Szigetvár, 15.12.2011.