Wieden, Freihaus

Text: Martina Bogensberger, Simon Hadler

Das alte Freihaus (um 1900) und die neuen StraßenzügeAls Freihaus wurde ein in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erbauter Gebäudekomplex im Besitz der Familie Starhemberg im heutigen 4. Wiener Gemeindebezirk genannt. Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg musste die Bauwerke vor der zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683 abtragen lassen. Danach betrieb er den Wiederaufbau des Freihauses und verbrachte dort auch seine letzten Lebensjahre.

» Erfolgte und geplante Abrisse eines Herrschaftssitzes

Die Wieden bildete vor 1529 eine geschlossene Siedlung, musste jedoch so wie andere Vorstädte auch niedergebrannt werden, um den anrückenden osmanischen Truppen keine Vorteile zu verschaffen. (Lohrmann/Krejci 1979: 4ff.) Nach der Zerstörung 1529 gingen Grund und Boden in landesfürstlichen Besitz über. Ferdinand III. übergab am 12. Juni 1643 den „landesfürstlichen Garten“ an Conrad Balthasar Reichsgrafen von Starhemberg. 1647 überließ er für die Summe von 1000 Gulden noch die restlichen dazugehörigen Grundstücke dem Reichsgrafen. (Cloeter 1937: 109) Der Name „Freihaus“ leitet sich von der Befreiung von allen Steuern und Abgaben ab, die mit diesem Geschäft verbunden waren. (Tomenendal 2000: 216) Nach dem Tod von Conrad Balthasar ging der Besitz an seinen Sohn Ernst Rüdiger von Starhemberg über, der dem Vorbild der ersten Türkenbelagerung folgend 1683 wieder die Vorstadt niederbrennen ließ. Danach wurde das Freihaus wiederaufgebaut. Auch wenn der Kommandant der Wiener Truppen zumindest zeitweise im Freihaus gelebt hat, so ist er nicht hier, wie immer wieder behauptet wurde, sondern in Vösendorf verstorben. (Cloeter 1937: 111).

Der letzte Starhemberg im Besitz des Freihauses war Fürst Camillo, der die Anlage 1872 an die Franco-Österreichische Bank verkaufte. Diese wollten das Freihaus abreißen lassen, allerdings kam der Börsenkrach im folgenden Jahr dazwischen. Daraufhin ging der Gebäudekomplex zur Hälfte in den Besitz der Wienerbergschen Ziegelwerksgesellschaft und zur anderen Hälfte an den Freiherrn von Drasche. Wieder wurde der Abriss geplant, doch diesmal war es der Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der ihn verhinderte. Zwischen 1935 und 1937 wurde das Gebäude schließlich weitgehend durch moderne Bauten ersetzt, die heute unter anderem die Technische Universität beherbergen. (Czeike 1995: 452)

» Erinnerung an die Rettung der Vaterstadt

Das Gebäude Operngasse 25 bildet den räumlichen Abschluss des neu errichteten Komplexes. Es wurde 1936 von Franz Gessner erbaut, und an seinem Rundeck zur Margaretenstraße befindet sich ein Sgrafitto mit einzelnen Szenen aus der Geschichte der Wieden. Unter dieser Darstellung befinden sich folgende Inschriften, die auch an die zweite Türkenbelagerung erinnern:

Kaiser Ferdinand III. gab seinem getreuen Kämmerer, Reichsgrafen Starhemberg, das Gut Konradswerd zum Lehen. Dieser legte da den Grund zum alten Freihaus.

Bei der Türkenbelagerung anno 1683 ließ Ernst Rüdiger es einäschern, um seine Vaterstadt zu retten. Nach einem zweiten Brande anno 1750 abermals neuerbaut stand es bis zum Jahre 1936.

» Literatur

Cloeter, Hermine (1937): Das Starhemberg’sche Freihaus auf der Wieden. In: Monatsblatt des Vereines für Geschichte der Stadt Wien 54/1-3, 109–117.

Czeike, Felix (1995): Historisches Lexikon Wien. Wien.

Lohrmann, Klaus/Krejci, Karl (1979): Warum Türkenkriege? Die Türkenbelagerung 1529 und die Wieden. In: Wiener Geschichtsblätter 34, 2-8.

Tomenendal, Kerstin (2000): Das türkische Gesicht Wiens. Wien.